Die Typenfrage

Ich ertappe mich nicht gerne selbst beim Generalisieren, aber es passiert. Oft ist es eher eine Vereinfachung, denn alle Nuancen und Details erklären zu wollen dauert oft einfach zu lange. Ausserdem sollte die Tatsache, dass es immer auch Ausnahmen gibt, die sogar in der Überzahl sein mögen, implizit mit verstanden werden. Aber in den letzten Monaten fällt mir selbst auf, dass ich das Wort “Typ” (und nicht als Synonym für Mann, sondern Stereotyp, leider) zu oft verwende. Shame on me.

“Typen” sind das Äquivalent einer schwarz-weissen Welt, der es an Grautönen mangelt. Trotzdem sind sie nützlich, denn je älter man wird, desto eher fallen einem Ähnlichkeiten zwischen Menschengruppen auf. Je länger man beim Dating-Karrussel mitmacht, desto schneller seufzt man am Telefon mit der Freundin und meint: “Das ist so ein Typ, der…” Schade, denn damit ist der Tunnelblick ein bisschen vorprogrammiert. Andererseits ist der erste Eindruck oft entscheidend und nicht immer falsch. Der berühmte Vibe, den man von jemanden bekommt, ist essenziell. Und ab und zu klingt dieser Vibe wie ein nerviger Ohrwurm, der auf und ab gespielt wird.

Bei der Optik ist es ähnlich. Dort kann man aber mental weniger dagegen ankämpfen. Wenn ich meinen Typ Mann beschreibe, kommen zuerst Charaktereigenschaften. Wenn es ums Äussere geht, würde ich liebend gerne sagen, ich sei offen für alles und die Sympathie sei der einzige wirklich entscheidende Faktor. Nur wäre das nicht hundertprozentig wahr, denn Anziehungskraft ist zwar stark von dieser Sympathie geprägt, aber eben nicht ausschliesslich. Ich gebe mir aber bewusst Mühe, nicht nur grosse, braunäugige und langhaarige Typen mit Intellekt zu treffen. Ein Man-Bun ist nicht alles  –  aber beim Intellekt, da wird es bei der Kompromissbereitschaft eng.

Die zweite Heimat

Oh, hello there, ich bin in den USA. Genauer Standpunkt: Minneapolis, im Bundesstaat Minnesota. Es gibt zwar aufregendere Plätzchen auf dem Planeten Erde, aber die jährliche Rückkehr hierhin hat einen triftigen Grund: Familie. Meine Grossmutter lebt in Owatonna, einem kleinen Städtchen etwa eine Stunde entfernt. Owatonna hat genau eine Bar, sie heisst “The Dog Pound Bar”, mit krakeliger Schrift auf ein schräges Schild gekritzelt. Und trotzdem fühlt es sich richtig und wichtig an, immer wieder hierhin zu kommen, weil es eine zweite Heimat ist. Ein Stückchen zu Hause auf einem anderen Kontinent, weil Menschen hier sind, die einem nahe stehen.

Viele von uns haben Familienmitglieder oder Freunde, die wie Familie sind, im Ausland. Ob mit oder ohne Migrationshintergrund – ist es nicht so, dass dieser Satz eine gewisse Wahrheit in sich birgt?

Home is where the heart is.

Ich bin zwar weder in den USA aufgewachsen, noch habe ich jemals hier gelebt, aber die paar Wochen die ich hier verbringe fühlen sich nicht wie die typischen Touri-Ferien an. Das, was man als amerikanische Kultur definieren kann, war Teil meiner Kindheit. Twinkle Lights an Weihnachten, überlautes Gelächter, Dr. Seuss und amerikanische Kinderlieder. Aber kein Käse aus der Sprühdose, versprochen. Grandma als Urgestein der Weisheit, die fast jedes Telefonat mit dem obligaten “Don’t get pregnant” beendet, weil die Ausbildung immer vorgehen soll. Die Menschen hier sind anders, das ist wahr, aber ich geniesse die Zeit. Ein schnelles Lächeln, Gespräche mit Fremden und gefühlt kilometerlange Supermarktgänge mit superungesunden Cornflakes. Aber es gehört einfach zur zweiten Heimat. Das bisschen Identität in der Ferne ist kostbar. Aber richtig nach Hause zu kommen fühlt sich immer wieder gut an.

Lieblingsdinge des Monats (August 2017)

Normalerweise heisst ja diese Serie Lieblingsdinge der Woche, aber ausnahmsweise weiten wir das auf den ganzen Monat aus. Der August war für mich ein toller und zwischendurch ziemlich stressiger Monat: Umzug, danach verzweifelte Wohnungssuche in Genf (inzwischen erfolgreich), Ferien in Kroatien (Split & umliegende Inseln) sowie Balkonien, gespritzte Weissweine und Grillparties. Meine Favoriten sind deshalb ziemlich konstant geblieben, denn wenn der Kopf schon überall und doch irgendwie nirgends ist, sind verlässliche Dinge immer praktisch. Jetzt aber: Ready, set, go – aber immer mit ein bisschen Gemütlichkeit und hakuna matata.

1. ”The Underground Railroad” von Colson Whitehead

Die Sommermonate sind meine liebsten Lesemonate. Das hängt auch damit zusammen, dass das Studium mit seinen Pflichtlektüren in dieser Zeit in den Hintergrund rückt und Platz macht für Literatur, die wirklich Freude macht. Eine verlässliche Bezugs- und Inspirationsquelle ist die Liste der Pulitzer-Preis nominierten Romane. Warum liegt auf der Hand – und entgegen der Meinung einiger heisst es noch lange nicht, dass diese Texte zwingend “anstrengend” sein müssen. Ein Beweis dafür ist diese Geschichte einer Plantagensklavin namens Cora, die nicht nur mit ihren Fesseln, sondern auch mit ihrem Status innerhalb der Hierarchie der Sklaven zu kämpfen hat. Die Thematik wurde bereits vielfach bearbeitet, aber was diesen Roman so einzigartig macht, ist die Mischung aus Realität und Fantasie. Die Eisenbahn im Untergrund hilft Flüchtigen in der Not, birgt aber auch Gefahren und führt ins Ungewisse. Zusammen mit der wundervollen, bildhaften Sprache ein wohlverdienter Sieger des renommierten Preises.

2. Life Crackers (Lifefood)

An einem Marktstand und anschliessend in vereinzelten Coop-Filialen wiederentdeckt (u.a. in Bern Ryfflihof) habe ich diese leckeren Cracker. Sie sind organisch, bio, vegan, paleo und gluten-frei. Normalerweise sind das Attribute, die ich zwar gut finde, obwohl ich nicht vegan bin, doch trotzdem werde ich das überholte Stigma nicht ganz los, wonach vegane Dinge manchmal einfach ein bisschen fader schmecken. Die Geschmacksrichtung “Italian” enthalten sonnengetrocknete  Tomaten und Basilikum und schmecken schlicht und einfach richtig gut. Knackig, frisch und nicht zu schwer. Wer es deftiger mag, kann sie auch mit Philadelphia bestreichen oder mit Mozzarella verfeinern. Für diejenigen, welche sie nicht finden, gibt es noch eine leckere Quinta-Variante von Karma (zu finden hier https://www.coopathome.ch/de/Brot-%26-Backwaren/Cracker-%26-Knäckebrot/Cracker/Nature/Karma-Crunch-It-Cracker-Dinkel-%26-Quinoa/p/5661142).

3. “FrizzEase Wunder-Kur” (John Frieda, 11.70 für 150 ml)

Lange, gepflegte Haare sind mir wichtig. Meine Allzweckwaffe gegen spröde Spitzen sind Haarkuren, die ich mehr als nur einmal in der Woche brauche. Nach jahrelangen Versuchen bin ich ziemlich wählerisch geworden. Die Haarmaske soll zwar die Mähne mit Feuchtigkeit versorgen, jedoch nicht zu fettig oder beschwerend sein, selbst wenn man sie nur in den Haarspitzen und niemals am Ansatz auftragen sollte. Die tiefenwirksae Haarkur von John Frieda ist eine meiner liebsten, preiswerten Optionen. Die Haare werden mit nährenden Inhaltsstoffen versorgt, die einer Anti-Damage-Technologie angehören. 3-5 Minuten einwirken lassen und danach gründlich ausspülen. Kräftigung plus Feuchtigkeit? Ja, bitte.

4. ” Honey Bronze Drops of Sun” Holiday Glow Creator (The Body Shop, 29.90).

Dieses Fläschchen ist bereits das zweite Jahr im Einsatz und wird nach wie vor fast täglich gebraucht. Dank der Tropfenform ist die Dosierung einfach und individuell, dank der Geltextur verschmilzt das Produkt optimal mit der Foundation oder der Tagescreme. Ausserdem sind sie multifunktional: Mit der Tagescreme oder der Foundation vermischt verleihen sie eine natürliche, streifenlose Bräune. Ich brauche sie auch, um zu helle Make-ups sommertauglich zu machen. Meistens brauche ich sie allerdings, um auf den Wannenknochen und dem Nasenrücken zu konturieren. Sieht nach einem langen Wochenende am Strand aus, lässt sich aber einfach wieder abwaschen. Sommer favorite!

 

 

10 Dinge, die die Streetparade einzigartig machen

Hach, die Streetparade. Zürich, vollgestopft mit einer bunten Mischung aus Jung, Alt und irgendwas dazwischen, unterstrichen durch – je nach Ansicht –  mehr oder minder musikalische Beilagen. Entweder man liebt sie oder man hasst sie. Man empfindet es als Störung oder als riesiges Volksfest, wo alle plötzlich mit allen Spass haben. Und seien wir ehrlich: Abgesehen von der Fasnacht gibt es das hier bei uns in der schönen Schweiz nicht allzu oft.

Ich werde dieses Jahr wieder einmal auf einem Lovemobile abtanzen und dem Motto “young, wild and free” so gut wie möglich nachleben, um mich danach gefühlte 3 Wochen davon zu erholen. Es ist laut, die Bässe lassen den ganzen Körper vibrieren und normalerweise ist es auch heiss. Dieses Jahr wird es kalt, aber hey, wir lassen es uns deswegen sicher nicht vermiesen. Denn es gibt eine ganze Reihe von Dingen, die die Streetparade einzigartig machen. Spread the love!

1. Die Tatsache, dass mit Autocorrect im Titel fast “Streetparade” zu “Streitparade” wurde.

2. Die asiatischen Touristen, die sich die Schweiz irgendwie friedlicher und weniger nackt vorgestellt haben. Deswegen irren sie mit schockiert-verwunderten Gesichtern umher und kehren sicher nie, aber auch wirklich nie wieder zurück. Es gibt bei uns übrigens auch Nacktwandern, btw.

3. Vielleicht nicht wirklich einzigartig, aber jedenfalls selten: Die coolen Partypeople der Gruppe Ü80, die mit Lendenschürzen und BH’s die Strassen Zürichs unsicher machen. Oder der ältere Herr, der fast jedes Jahr mit Mickey-Mouse-Shirt auf einem der Wagen abgeht. Der ist echt einzigartig toll.

4. Meine Motivation, den ganzen Tag und die ganze Nacht durchtanzen und feiern zu wollen. Normalerweise schaffe ich es bis um 2:00 und will nach Hause. Schlafen und so.

5. Bei den Kostümen sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Man kann natürlich auch halbnackt gehen, das sei jedem dahingestellt. Aber irgendwie schlägt mein Herz eher für die, die mit den aufblasbaren Dinokostümen durch die Gegend reiten.

6. Die Flirtattacken. Es ist das erste Mal seit langer Zeit, wo ich an der Streitparade single (und halbwegs ready to mingle) bin. Da kann man die Nummern, die auf Zugbillets, Servietten oder Bierdosen (woher hatten sie nur einen wasserfesten Stift dafür?) aufgeschrieben werden, auch wirklich schätzen.

7. Der musikalische Mix. Früher war die Streetparade eher von Techno geprägt, heute dominieren eher andere elektronische Musikrichtungen. Für einige klingt wohl alles gleich, aber wer EDM mag, kommt bei der Streetparade voll auf seine Kosten. Nz, nz, nz.

8. Die Leute, die sich in den Gebüschen verstecken, sind eines meiner persönlichen Highlights. Jedes Jahr sehe ich den gleichen, unheimlichen Mann mit ungepflegten Haaren, der sich im gleichen Gebüsch versteckt und die gleiche Kamera zückt. Und jedes Jahr mache ich ein Foto von ihm, weil Persönlichkeitsrechte an der Parade nicht mehr existieren.

9. Das Swisscom-Netz. Ich will nicht schwarz malen und es mag auch sein, dass ich mich täusche. Aber oft ist es nicht mehr möglich, verlorene Freunde wiederzufinden, weil man sie nicht erreichen kann. Und in der Menschenmasse? Ha ha ha.

10. Der Morgen danach. Der ist oft schrecklich, aber am Sonntag nach der Streetparade brummt nicht nur der Schädel, sondern mein ganzer Körper. Dieses Jahr hatte ich auch die glorreiche Idee, am selben Abend dann noch in die Ferien zu fliegen. Judihui, das wird lustig.

 

Neuer Wohnort, Neuanfang?

Adieu, Bern. Ich sage das schweren Herzens, denn ich liebe unsere Hauptstadt. Die gemütlichen Bars und Cafés, die verschlungenen Gässchen, der gemächliche Gang der Dinge. Als Solothurnrein hat mich der Charme von Bern nicht mehr losgelassen. Aber jetzt nach dem Studium ziehe ich nach Genf. Das grosse, unübersichtliche, kosmopolitische Genf, das mir zwar auch immer gefallen, aber auch ein bisschen Angst gemacht hat. Ich bin zwar eher Stadt- als Landmensch, aber Solothurn ist eine Kleinstadt, mit Kleinstadtmenschen und Schweizerdeutsch. Obwohl ich Französisch liebe, habe ich Respekt davor. Vor allem vor Slang und der Tatsache, dass es lange gedauert hat, bis ich begriffen habe, das “meuf” die Verlan-Version von “femme” ist. Pourquoi?

Wir sind dieses Wochenende umgezogen. Die Kartons haben sich gestapelt, die Putztücher wirbelten wild umher und es wurden Tränen vergossen. Vor allem, als meine langjährige Freundin und Mitbewohnerin und ich in der leeren, unpersönlichen Wohnung standen, die mit so vielen persönlichen Erinnerungen verbunden ist. Es war für uns beide die erste, eigene Wohnung – und sie hätte nicht besser sein können. Ich bin mit knapp 20 dort eingezogen und nun, fünf Jahre später, hat sich so viel verändert. Wir sind dort quasi erwachsen geworden, jedenfalls erwachsener. Wir haben dort gelernt, gelitten, geliebt. Es ist zwar nur ein Ort, aber die knarzige Treppe und die ringhörigen Wände waren unser zu Hause. Man sollte Emotionen nicht so stark mit Objekten verbinden, aber es geschieht bei mir automatisch. Ich sehe einen Gegenstand und verbinde es mit Erlebnissen. Das Gelächter auf dem Sofa, die Balkonsessions mit Moscato und die Herdplatte mit unseren ersten, nicht ganz so überragenden Kochversuchen. Das Alleinleben klingt so einsam, wenn man sich gewöhnt ist, dass immer jemand da ist. Aber es ist Zeit für einen Neuanfang, wie alle sagen. Neue Stadt, neues Leben, oder jedenfalls ein neuer Lebensabschnitt. Mit letzterem bin ich einverstanden. Es ist eine Art Neuanfang, aber ich hänge an der Vergangenheit. Und die Gegenwart ist weiterhin geprägt von den Menschen, die mich bisher immer begleitet haben. Ein Neuanfang mit Stützrädern, sozusagen.