Good Vibes.

Eine positive Einstellung ist Gold wert. Nicht unrealistisch oder überoptimistisch, sondern eine gesunde Portion Good Vibes, meine ich. Das ist nichts Neues, aber ich hatte letzten Sonntag im Bett mit einer meiner besten Freundinnen ein wunderbares Gespräch über genau das. Und weil ich ja gerne mit euch teile, wollte ich dieses Thema kurz ansprechen.

Es ist eine Lebenseinstellung. Wir erleben alle schwierige Momente, in denen man vor einer Gabelung steht, jedenfalls metaphorisch. Das Geschehene zu verarbeiten ist wichtig, gleichzeitig sollte man sich darin nicht verlieren. Ereignisse verändern den Menschen, natürlich. Aber aus emotionaler Verletzlichkeit kann vieles wachsen. Die schwersten Zeiten meines Lebens haben mich, so glaube ich jedenfalls, zu einer besseren Person gemacht. Man lernt das Leben schätzen und realisiert, wie unglaublich wertvoll Familie und Freunde sind. Man erkennt die eigene Stärke und die Möglichkeit, die Gedanken bis zu einem gewissen Grad zu steuern. Wenn ich mich in solchen Momenten in die dunkelsten Ecken meiner Erinnerungen verkriechen wollte, holte mich jemand anderes oft dort heraus – oder, und das ist eben entscheidend, ich tat es selbst. Ich mag das Wort Rückschlag nicht. Es klingt zu statisch, als würde man nach hinten katapultiert. Dabei sind Rückschläge vielleicht einfach besonders anstrengende Fortschritte.

Dabei hilft eben eine positive Einstellung. Damit sehen wir die Welt anders. Die genau gleichen Geschehnisse werden von einem Optimisten anders wahrgenommen als von einem Pessimisten. Es fallen andere Dinge auf, denn das Augenmerk ist anders ausgerichtet. Ich will nicht behaupten, ich ziehe das “good vibes only” 24h, 7 Tage die Woche durch. Ich probiere es aber. An einigen Tagen fällt es leichter, an anderen schwerer. Aber ich bin mir sicher, dass ich mir selbst damit den grössten Gefallen mache. Wenn der Bus verspätet hat, höre ich eben 2,3 meiner Lieblingslieder mehr oder lese 5, 10 zusätzliche Seite eines richtig guten Romans. Wenn eine Verabredung nicht so läuft, wie ich es mir erhofft habe, versuche ich zu verstehen, warum es so sein musste und es einfach zu akzeptieren. Wenn jemand aus dem nächsten Kreis krank wird, versuche ich von mir selbst zu abstrahieren und zu realisieren, dass es okay ist, wenn sie gehen, denn sie werden dann nicht mehr leiden. Von den kleinsten Dingen im Leben zu den grössten, alles wird damit eine Spur leichter.

Sich verbessern und Lektionen, die das Leben schreibt.

Meine etwas längere Abwesenheit hat seinen Grund. Nachdem ich glücklich mein Master-Diplom letzten Sommer entgegen genommen hat, war es anscheinend noch nicht genug. Nein, ich merkte ziemlich schnell, dass das klassische Anwalts-Dasein wohl doch nichts für mich sein würde. Scheidungen und Erbschaften haben mich leider nicht wirklich gepackt, deswegen bin ich inzwischen in Genf und habe dort einen etwas anderen Weg eingeschlagen. Stimmt so für mich, aber trotzdem muss ich sagen: Wie kann es sein, dass ich nach meiner doch schon relativ langen akademischen Karriere so wenig dazugelernt habe?

Natürlich meine ich weniger den Inhalt, den mein Gehirn wird ständig mit Informationen gefüttert. Die Chance zu haben, weiterzulernen und ständig zu wachsen, schätze ich durchaus. Allerdings habe ich es nach all diesen Jahren immer noch nicht geschafft, einen anständigen und realistischen Lernplan aufzustellen. Ich fange immer zu spät an, lerne dann immer zu detailliert und rege mich dann immer entsprechend auf, weil die endgültige Fragestellung an der Prüfung meistens genau das ist, welches ich übersprungen habe. Über das Resultat kann ich mich selten beklagen, aber schliesslich ist eine gute Note ja schön und gut, aber das Wissen sollte auch nach einer Woche noch abrufbar sein. Tolles Kurzzeit-Gedächtnis hin oder her, im Arbeitsleben will ich keine Nachtsessionen schieben müssen. Wie kann es also sein, dass wir in manchen Bereichen so lern-resistent sind?

Das Bild eines echten homo sapiens geht mir einfach nicht aus dem Kopf. Ich stelle mir den Prozess folgendermassen vor: Mensch macht Fehler. Mensch lernt daraus, da lernfähig und selbstreflektierend. Mensch macht entsprechend nicht mehr den gleichen Fehler. Doch bei der Umsetzung hapert es bei mir gewaltig. Ich realisiere zwar, dass ich das nicht so machen sollte, aber ich mache frischfröhlich weiter. Why? Habe ich eine fehlende Neuronen-Verbindung oder bin ich einfach resistent? Bei anderen gibt es aber ähnliche Verläufe, die gleich internalisiert sind. Freundinnen, die immer wieder den gleichen Typ Mann daten, der sie einfach schlecht behandelt. Andere, die glauben, sie hätten sich verändert, aber danach das genau gleiche Verhalten an den Tag legen. Sicher sind wir lernfähig, aber das Ganze fängt mit der Einsicht an. Einsicht alleine genügt allerdings nicht, denn es braucht einen Schlachtplan, um das Problem wirklich anzugehen. Und es braucht einen Willen und die nötige Energie, dem schädlichen Verhalten ins Gesicht zu blicken. Ich gebe mein Bild über den homo sapiens nicht auf. Es wird dann schon irgendwann besser. Spätestens dann, wenn ich nicht mehr studiere und den zweiten Master-Titel im Sack habe. Von Problemen wegrennen: Kann ich.

Erste Eindrücke 101

Sympathie ist so eine Sache. Es ist  dieses “je ne sais quoi”, das entweder zu einer sofortigen Annäherungen führt, weil man einfach irgendwie auf der gleichen Wellenlänge durch das Leben zu surfen scheint. Andererseits kann es auch ein leicht mulmiges Bauchgefühl hervorrufen, wo kein Abschied zu früh ist. Ich mag das Wort Antipathie nicht, denn es schwingt etwas Endgültiges mit. Sympathien können sich jedoch ändern. Aber es ist schwierig, den ersten Eindruck zu überwinden.

Vieles hängt dabei von Zufall ab. Die Umstände, das Gesprächsthema, die Begleitung – alles sind Faktoren, die mehr oder weniger unbewusst einen sehr oberflächlichen Einblick zu schaffen scheinen. Dann gibt es grundlegendere Eigenschaften, die schnell ans Licht gelangen und bei mir oft zum Stempel “über- oder unterbeleuchtet” führen. Klingt, zugegebenermassen, nicht gerade sympathisch und etwas fies, ist aber nicht so gemeint. Zu den Überbeleuchteten gehören die Hipster, die immer und zwangsmässig gegen alles sind, was Mainstream zu sein scheint. Dieses Anti-Gehabe, gepaart mit dem ständigen Geltungsdrang, die eigene Intelligenz in den Vordergrund zu stellen, ist nicht mein Ding. Dieses wertende Heben der Augenbraue, wenn jemand politisch unkorrekt witzelt, ebenfalls nicht. Das Leben ist eine Achterbahn, wo sich tiefere Gespräche und Leichtigkeit abwechseln dürfen, jedenfalls in meiner Welt. Andererseits gibt es dann die Unterbeleuchteten, die oft mit einem Gangstergehabe auffallen und die Tendenz haben, vielem mit Aggressivität oder Passivität zu begegnen. Das wäre dann dieses “Mir-doch-egal”-Getue, das auch nicht ganz so meinem Vibe passt. Leben und leben lassen, ja – aber manchmal einfach nicht unbedingt in meiner Nähe, merci. Und etwas, das immer and überall unsympathisch wirkt, ist Arroganz und Diva-Gehabe. Nein, danke. Never ever.

Aber solche Eindrücke sind nicht immer richtig. Ich erwische mich oft dabei, wie ich zu schnell jemanden in eine Schublade einordne. Grundsätzlich vertraue ich meiner Intuition, aber man sollte die eigene Menschenkenntnis nicht überschätzen. Vieles ist Unsicherheit, Unwohlsein oder einfach nur ein schlechter Tag. Einige meiner engsten Freundschaften hätte ich heute nicht, wenn wir unsere ersten Einschätzungen nicht hinterfragt hätten. Ich habe bereits gehört, ich wirke arrogant, weil ich einfach kein Morgenmensch bin und erst ab 10:00 soziale Kontakte zu pflegen beginne. Andererseits wurde mir ebenfalls gesagt, ich sei überfreundlich, einschüchternd, zu direkt, zu laut, zu leise. Ich habe einige meiner besten Freunde als leicht eintönig, eindimensional, kalt oder unnahbar eingestuft. Und ich hätte nicht falscher liegen können. Deswegen sollte man diese ersten Eindrücke als genau solche hinnehmen: Oberflächlichkeiten, bei denen es sich manchmal lohnt, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen – und manchmal eben nicht.

8 Dinge, die einfach nur awkward sind.

Ich habe bereits an anderer Stelle darüber geschrieben, aber es gibt etwas in der deutschen Sprache, welches mir wirklich fehlt. Das Nonplusultra, welches bestimmte Ereignisse und Gefühle perfekt beschreibt. Ein einziges Wort, das so viel aussagt. Awkward. Auf Situationen bezogen, bedeutet es gemäss PONS unangenehm, peinlich oder ungünstig. Passt alles irgendwie, denn meistens sind diese Eindrücke ebenfalls vorhanden, gemischt mit einem seltsamen Bauchgefühl. Und doch treffen diese Worte nicht ganz so sehr ins Schwarze. Hier also 10 verschiedene Situationen, die einfach nur awkward sind.

1. Bromance: Dieser Moment, wo du realisierst, das dein Verflossener und dein Jetziger sich kennen oder sich kennengelernt haben und noch nicht wissen, dass sie etwas gemeinsam haben – nämlich dich. Noch eine Prise Angst dazu und wir haben die perfekte Mischung für den perfekten awkward moment.

2. Alleswisser: Die Freundschaften, die von detailreichen Erzählungen leben, die nichts auslassen, sind Gold wert. Wenn die Freundin jemanden datet oder mit jemandem arbeitet, werden alle persönlichen Details wie am Fliessband weitergegeben. Deswegen ist es manchmal seltsam, wenn man die Person dann später zum ersten Mal selbst trifft. Ich weiss zwar alles über dich und deine Macken, aber trotzdem darf man sich nichts davon anmerken lassen und so tun, als wäre die ganze Info neu. Ach nein, wirklich, ihr arbeitet zusammen? …. awkward.

3. Erwischt: Wenn du im Ausland bist und dich hemmungslos mit deinem Begleiter über Dinge unterhältst, weil du glaubst, dass dich niemand versteht – und dann jemand in deiner unmittelbaren Nähe in der gleichen Sprache etwas sagt: Boden, lass mich in dir versinken.

4. Durchblick: Vorhänge sind eine wunderbare Sache. Denn ohne sie sieht man ganz viele Dinge, die man so genau eigentlich gar nicht wissen wollte. Gewisse Nachbarn scheinen zu vergessen, dass Fenster eben durchsichtig sind. Und plötzlich chillt man auf dem Balkon und sieht Dinge, die sich nicht so einfach vergessen lassen. Wieso.

5. Mitgehört: Der Klassiker unter den peinlichen Momenten. Du regst dich gerade über jemanden auf, zum Beispiel über einen Professor oder Mitarbeiter/Mitstudent. Zum Beispiel sagst du, dass sie den Stoff überhaupt nicht rüberbringen, sich 10 Minuten wie eine Stunde anfühlen und die Person einfach dauernd “liirt” (noch so ein Wort, für welches ich keine passende Übersetzung im Hochdeutschen finde). Und dann drehst du dich um und siehst das Gesprächssubjekt. So unglaublich awkward. Und irgendwie auch Karma.

6. Klick und weg: Dieses Szenario lässt sich zwar mit peinlich gut umschreiben, aber erfasst nicht die ganze Dimension des Grauens, welches du verspürst, wenn du einen Screenshot von einem sehr persönlichen Gespräch gemacht hast und an die falsche Person schickst. Am besten noch an die Person, mit der du das Gespräch eigentlich geführt hast. Der einzige Ausweg: Die nicht ganz so überzeugende Aufforderung: Lies noch einmal, was du hier geschrieben hast! Funktioniert in weniger als 10 % der Fälle, übrigens. So etwas von ertappt.

7. Sexy time: Natürlich spreche ich hier ebenfalls nicht aus eigener Erfahrung, ganz klar. Aber wenn du im Bus sitzt, nichtsahnend an einem Nachmittag, und plötzlich ungefragt ein freizügiges Bild bekommst – sehr unangenehm, vor allem wenn du neben einem unschuldigen Grosi sitzt, welche per Zufall gerade auf deinen Bildschirm gestarrt hat. Die Jugend heutzutage ist verdorben und verdammt.

8. Klare Absage: Spass beiseite – das ist etwas, das mir glücklicherweise noch nie passiert ist. Aber als stille Beobachterin ist mir bereits oft aufgefallen, wie unglaublich unangenehm es ist, wenn eine offensichtliche Ausrede aufgedeckt wird. “Ach nein, ich kann heute doch nicht, meine Katze ist krank”, obwohl man nicht einmal eine Katze hat und dann der Person in der Bar begegnen: non, merci.

Das war nur eine kleine Auswahl aus der schier unendlich grossen Palette von Situationen, die awkward sind. Ihr dürft die Auswahl gerne mit eigenen Beispielen ergänzen. Ich freue mich darauf. Denn geteiltes Leid ist halbes Leid, oder?

Gewohnheitssache

Gewohnheit hat diesen heimeligen Unterton. Es fühlt sich nach kuscheliger, bekannter Umgebung an. Es erinnert an einen Weg, den man schon viele Male gegangen ist. In- und auswendig, ruhender Herzschlag.  Genau dort liegt die Gefahr: Das Bequem-Werden, der den Blick auf Neues verschliesst und das Wohlbekannte auf ein Podest hebt. Hat es aber diesen krönenden Platz überhaupt noch verdient?

Gewohnheit kann eine tolle Sache sein. Frühaufsteher, die den Tag nach einer Runde Sport und Grüntee voller Elan angehen – go for it. In meinem Fall hapert es aber mit dem Angewöhnen, diese leider unausweichliche Testphase für neue Vorsätze, bis sie den Titel Gewohnheit erreicht haben. Es war ein harter und steiniger Weg, bis ich meinen Schwarztee ohne Zucker trinken (und geniessen) konnte. Mein Plan, von einer Nachteule zu einem frühen Morgenvogel zu werden, hatte viele verkürzte Nächte zur Folge. Ich streiche nach wie vor in einem Text zu viele Passagen mit meinem Leuchtstift an. Und nein, ich kann nicht von Stabilo Boss zu einer günstigeren Marke wechseln, weil es einfach nicht das Gleiche ist. Man gönnt sich ja sonst nichts, oder.

Wenn es also um gute Gewohnheiten geht, ist das Anfreunden mit den neuen Lebensumständen eigentlich begrüssenswert. Aber ganz ehrlich: Wenn ich von meinen Gewohnheiten spreche, meine ich meistens diejenigen, die nicht ganz so ideal sind. Mein grösstes Problem ist wahrscheinlich die selbstverschuldete Dauerbeschallung, der ich mich aussetze. Wer mich kennt, weiss, dass ich definitiv nicht die Ruhe in Person bin. Dauernd auf Trab; immer mitten im Gedankenkarussell. Ich gönne mir selbst keine ruhige Minute, und ich will es leider so. Das hat nichts mit fehlender Selbstliebe oder tiefsitzenden Problemen zu tun, denen ich nicht in der Stille begegnen möchte – sondern mit Gewohnheit und der Tatsache, dass Langeweile so unglaublich einfach abzuwenden ist. Zum Kochen höre ich Podcasts oder die Nachrichten. Während dem Duschen denke ich allgemein über mein Leben nach. Während dem Putzen dröhnt die Musik, im Zug wird gelesen. Mein Leben steht nie still, weil ich das irgendwie nicht will, obwohl es dringend nötig wäre für den Seelenfrieden. Apropos Seelenfrieden. Die Einsicht, dass man sich an eine Person gewöhnt hat, kann wunderschön sein. Es kann ein Synonym sein für ein komplettes Loslassen und Sich-Wohl-Fühlen. Gleichzeitig kann es aber auch heissen, dass die Luft draussen ist. Man bleibt, weil man es eben kennt. Man geht nicht, weil man nicht weiss, wohin. Gewohnheiten können ein schönes Zuhause, aber auch ein selbstgebautes Gefängnis sein.