Gewohnheitssache

Gewohnheit hat diesen heimeligen Unterton. Es fühlt sich nach kuscheliger, bekannter Umgebung an. Es erinnert an einen Weg, den man schon viele Male gegangen ist. In- und auswendig, ruhender Herzschlag.  Genau dort liegt die Gefahr: Das Bequem-Werden, der den Blick auf Neues verschliesst und das Wohlbekannte auf ein Podest hebt. Hat es aber diesen krönenden Platz überhaupt noch verdient?

Gewohnheit kann eine tolle Sache sein. Frühaufsteher, die den Tag nach einer Runde Sport und Grüntee voller Elan angehen – go for it. In meinem Fall hapert es aber mit dem Angewöhnen, diese leider unausweichliche Testphase für neue Vorsätze, bis sie den Titel Gewohnheit erreicht haben. Es war ein harter und steiniger Weg, bis ich meinen Schwarztee ohne Zucker trinken (und geniessen) konnte. Mein Plan, von einer Nachteule zu einem frühen Morgenvogel zu werden, hatte viele verkürzte Nächte zur Folge. Ich streiche nach wie vor in einem Text zu viele Passagen mit meinem Leuchtstift an. Und nein, ich kann nicht von Stabilo Boss zu einer günstigeren Marke wechseln, weil es einfach nicht das Gleiche ist. Man gönnt sich ja sonst nichts, oder.

Wenn es also um gute Gewohnheiten geht, ist das Anfreunden mit den neuen Lebensumständen eigentlich begrüssenswert. Aber ganz ehrlich: Wenn ich von meinen Gewohnheiten spreche, meine ich meistens diejenigen, die nicht ganz so ideal sind. Mein grösstes Problem ist wahrscheinlich die selbstverschuldete Dauerbeschallung, der ich mich aussetze. Wer mich kennt, weiss, dass ich definitiv nicht die Ruhe in Person bin. Dauernd auf Trab; immer mitten im Gedankenkarussell. Ich gönne mir selbst keine ruhige Minute, und ich will es leider so. Das hat nichts mit fehlender Selbstliebe oder tiefsitzenden Problemen zu tun, denen ich nicht in der Stille begegnen möchte – sondern mit Gewohnheit und der Tatsache, dass Langeweile so unglaublich einfach abzuwenden ist. Zum Kochen höre ich Podcasts oder die Nachrichten. Während dem Duschen denke ich allgemein über mein Leben nach. Während dem Putzen dröhnt die Musik, im Zug wird gelesen. Mein Leben steht nie still, weil ich das irgendwie nicht will, obwohl es dringend nötig wäre für den Seelenfrieden. Apropos Seelenfrieden. Die Einsicht, dass man sich an eine Person gewöhnt hat, kann wunderschön sein. Es kann ein Synonym sein für ein komplettes Loslassen und Sich-Wohl-Fühlen. Gleichzeitig kann es aber auch heissen, dass die Luft draussen ist. Man bleibt, weil man es eben kennt. Man geht nicht, weil man nicht weiss, wohin. Gewohnheiten können ein schönes Zuhause, aber auch ein selbstgebautes Gefängnis sein.

Die besten Beautyprodukte für den Frühling

Spring has sprung, wie man so schön auf Englisch sagt. Es ist zwar bereits April, aber inzwischen ist der Schnee im Flachland geschmolzen und die ersten scheuen Sonnenstrahlen lassen die Hoffnung erwecken, dass der Frühling gekommen ist, um zu bleiben. Die Haut ist nicht mehr chronisch ausgetrocknet, die Haare sind nicht dauernd ein widerspenstiger Alptraum und wenn die Blässe langsam schwindet und die Haut einem bronzenen Touch bekommt, kommen die neuen Frühlingsfarben besonders schön zur Geltung. Hier meine aktuellen Lieblinge für den etwas späten Frühling. Viel Spass!

1. Kenzo L’Elixir – Eau de Parfum (50 ml für 114.90, erhältlich bei impo.ch: https://www.impo.ch/de/Parfum/Damendüfte/Parfum/Kenzo-Flower-byKenzo-L%27elixir-EdPV-50ml/p/5645662)

Normalerweise empfehle ich keine Düfte, denn Geschmäcker sind verschieden. Aber dieses Parfüm muss ich einfach erwähnen, weil es so gut riecht. Da ich kein Fan vom klassischen Kenzo Flower Parfum bin, hatte ich keine grossen Erwartungen an das neuste Mitglied der Kenzo Flower-Familie. Umso erstaunter war ich, als ich mich sofort in den frischen Duft verliebte. Gleichzeitig hatte ich einen kleinen Herzinfarkt, als ich den Preis sah. Deswegen entschied ich mich für 30ml, um mich zu vergewissern, ob ich den Duft wirklich so unwiderstehlich finde. Leider hat sich nichts daran geändert. Die fruchtigen Noten von Himbeere und Mandarine werden durch eine verführerische Basis mit Bourbon-Vanille und Praliné ergänzt, die dem floralen Duft eine erwachsene, sexy Note verleihen. Der perfekte Frühlingsduft, der sowohl tagsüber als auch am Abend verzaubert.

2. John Frieda Luxurious Volume Ansatz-Booster Blow Dry Lotion (11.70 für 125 ml, bei Coop oder online erhältlich unter https://www.coopathome.ch/de/supermarkt/schönheit%2c-hygiene%2c-bekleidung-%26-baby/haarpflege-%26-styling/shampoo-%26-pflege/haarspülung/john-frieda-luxurious-volume-ansatz-booster-blow-dry-lotion/p/3945005)

Im Winter leidet mein Haar unter der trockenen Heizungsluft. Deswegen greife ich zu reichhaltigen Produkten, die intensiv Feuchtigkeit spenden, aber manchmal auch die Tendenz haben, der Mähne die Leichtigkeit zu nehmen. Im Frühling freue ich mich deswegen immer darauf, die schweren Produkte gegen leichtere Varianten auszutauschen. John Frieda ist meine liebste, preiswerte Marke. Dieser Booster verleiht gezielt dort Volumen, wo es am meisten gebraucht wird: Am Haaransatz. Ich teile dabei mein Deckhaar von den unteren Schichten ab und verteile das Produkt grosszügig auf den Ansatz. Am besten funktioniert der Spray, wenn man das Haar danach kopfüber föhnt. Allerdings sehe ich auch einen Unterschied, wenn ich meine Haare lufttrocknen lasse. Die perfekte Basis für einen lockeren, voluminösen, frühlingshaften Zopf.

3. L’Oréal Paris Lumi Magique Pure Light Primer 

Oldie, but a goodie: Ich habe bereits an andere Stelle diesen Primer erwähnt, aber finde ich nach wie vor im natürlichen Licht sehr schönen Effekt. Wer wie ich unter wechselhafter Mischhaut leidet und deswegen zu eher matten Foundations greift, um die Ölproduktion zu kontrollieren, braucht als Gegengewicht ein Produkt, welches dem Teint wieder mehr Leben einhaucht. Ich trage im Alltag eher selten Highlighter (ausser meinem neuen Liebling, dem Mary Lou Manizer von The Balm), deswegen greife ich lieber zu einer lichtreflektierenden Basis. Dieser Primer verschmilzt nahtlos mit der Haut, spendet Feuchtigkeit (aber ist kein Ersatz für eine gute Feuchtigkeitspflege) und gibt entweder einen all-over-glow, wenn man ihn mit dem Makeup vermischt, oder verleiht punktuell Frische. Ich trage ihn dort auf, wo ich normalerweise auch Highlighter auftragen würde. Übrigens sollten sich dunklere Hauttypen nicht von der weissen Grundfarbe abschrecken lassen. Dieser Grundton verschwindet, wenn der Primer eingearbeitet wird – zurück bleibt einfach ein schöner Glanz.

4. L’Oréal Paris La Couleur Infaillible Eyeshadow in der Farbe 002 Hourglass Beige (bei Coop City erhältlich)

Ganz allgemein muss ich zugeben, dass ich diese Linie der L’Oréal Lidschatten top finde: Hochpigmentiert und trocken sowie nass brauchbar. Die Farbe Hourglass Beige würde ich eher als heller Champagnerton als ein wahres Beige beschreiben. Für den Alltag finde ich die Farbe aber multifunktionell und trotz dem metallischen Finish tragbar. Man kann es schnell über das ganze Lid stäuben und sieht automatisch wacher aus. Oder man braucht ihn als Highlighter für die Wannenknochen, unter den Augenbrauen und am inneren Augenwinkel, um den Blick zu öffnen. Manchmal klopfe ich die Farbe auch mit dem Zeigefinger auf die Mitte der Lippen, wenn ich einen Nude-Lippenstift trage, um die Lippen optisch leicht zu vergrössern und einen modernen Touch zu geben. Ein tolles Multitasking-Produkt für den Frühling.

5. Clinique Chubby Stick Intense in der Farbe 04 heftiest hibiscus (online unter https://www.impo.ch/de/Make-up/Lippen/Lippenstift/CL-Chubby-Stick-I-M-L-C-B-M-Maraschino/p/5661408 oder in store bei Import Parfumerie)

Ich muss zwar zugeben, dass ich die exakte Farbe bei impo.ch nicht mehr gefunden habe – aber nichts geht über einen Besuch vor Ort, denn dort kann man die Farben selbst austesten und schauen, was einem persönlich am besten gefällt. Für den Frühling ist aber Orange ein grosses Thema. Allerdings sind nicht alle Orangetöne schmeichelhaft. Deswegen greife ich oft für einen knalligen Effekt zu einem Rot mit orangenem Unterton, der mir besser steht. Die Clinique Chubby Sticks sind allgemein beliebt, aber in der intensiven, pigmentierteren Variante (mit dem Zusatz “intense”) sind sie ein besonderes Statement. Gleichzeitig trocknen sie die Lippen nicht aus, weil sie mit Ölen und Sheabutter angereichert sind. Trendy, aber nicht unangenehm zu tragen.

 

Warum Single sein kein Handicap ist. Ein Plädoyer.

Ein Plädoyer soll es sein, oder jedenfalls so etwas in der Art. Die Mitt-Zwanziger sind eine tolle Zeit. Viele Fragen scheinen endlich beantwortet zu sein, man kennt sich selbst und weiss (mehr oder weniger) was man im Leben will, die Welt steht einem aber immer noch offen. Es ist aber auch eine Zeit, in der viele Entscheidungen getroffen werden müssen und Wege sich trennen können, wenn es einfach nicht ganz reicht, um zusammen die Lebensreise anzutreten.

Von den letzten 10 Jahren habe ich 8 Jahre in Beziehungen verbracht. Sie waren wundervoll, frustrierend und lehrreich. Ich würde nichts anders machen, aber trotzdem kann ich jetzt voller Überzeugung sagen: Ich brauche Zeit für mich, und zwar für mich alleine. Casual Dates? Kein Problem. Neue Leute kennenlernen? Gerne. Aber wer niemanden sucht, der will auch keinen finden. Man kann es nennen, wie man will: Sich verschliessen, der Zukunft Steine in den Weg legen (die man selbst gesucht hat, btw), das Alleinsein feiern. Aber anscheinend ist das erstaunlich, denn immer wieder begegne ich solchen, die mich für das Single-Sein bemitleiden. Aber wieso eigentlich?

Die meisten in meinem Alter haben eine lange Beziehung oder mehrere solche hinter sich oder stecken mitten in einer solchen drin. Je näher 30 rückt, desto eher fängt sich mein Freundeskreis an zu fragen, wie es denn weitergehen soll – und die Entscheidung scheint sich auf zwei Optionen zu verengen: Entweder geht es ans Eingemachte (gemeinsame Wohnung; Verlobung) oder es nähert sich dem Ende, weil etwas einfach fehlt. Vor allem Letzteres ist symptomatisch für diejenigen, die hohe bzw. viele Anforderungen haben. Das heisst natürlich nicht, dass das besser ist – aber als überzeugter Single muss ich der Tatsache ins Auge sehen, das sehr viel stimmen muss, damit ich meine Meinung ändere. Kompromissbereitschaft ja, aber nur bis zu einem gewissen Grad. Wer sich mit jemandem zufriedengibt, der nett und witzig ist, wird vielleicht schneller fündig. Ich bin kompliziert, aber ich kann nicht viel daran ändern. Wer sich überhaupt nicht für Literatur oder Politik interessiert, sich noch nie sozial engagiert hat und keinen leicht verkorksten Humor hat, passt nicht. Erfahrungen haben das gezeigt und schliesslich wollen wir alle nur das Eine: Glücklich sein. Für einige scheint es unvorstellbar, dass man absolut freiwillig alleine ist und total glücklich sein kann. Es ist temporär, aber keine temporäre Lösung. Denn für eine Lösung braucht es zuerst ein Problem, und Single sein ist meiner Meinung nach kein Handicap, sondern oft Selbstbestimmung. Ich gehe mit Freundinnen aus, gönne mir öfters etwas, das ich vorher vielleicht gemacht hätte und habe Dates, die manchmal einmalig bleiben, weil ich einfach keine Konstante will. Jeder soll seine eigene Freiheit so definieren, wie es für ihn stimmt. Und wer eine Zeit lang ein sozialer Schmetterling sein will, sollte die Flügel ausbreiten dürfen.

10 Dinge, die mich das WG-Leben vermissen lassen

Ja, ich vermisse mein WG-Leben. Das ist vielleicht ein Satz, den man nicht allzu oft hört – meistens geht ein Klagegeschrei los, wenn Freunde oder Bekannte über ihre Erlebnisse im Nicht-Allein Wohnen erzählen. Gottseidank ist es vorbei! Immer dieser bekiffte Freund meiner Mitbewohnerin! Die Küche sah manchmal aus! In solchen Situation kann ich mitlachen, aber nicht mitreden. Meine 5 Jahre in einer WG verliefen harmonisch, wir sind immer noch gut befreundet und ich denke gerne an die Zeit zurück, die verrückt, aber gleichzeitig sehr vertraut war. Im Spezifischen gibt es einige Dinge, die ich an meiner WG vermisse. Allein Wohnen hat seine Vorteile, aber ist auch irgendwie ein bisschen einsam, auch wenn man nur wenig Zeit zu Hause verbringt. Ich brauche ein Meerschweinchen. Shout-out zu der besten ehemaligen Mitbewohnerin, ever. Ich werde ganz emotional!

1. Magisches Toilettenpapier: Ich muss ganz ehrlich sein. Irgendwie dachte ich während diesen 5 Jahren, WC-Papier wachse auf Bäumen, denn irgendwie hatte es immer welches da. Inzwischen musste ich ab und zu panisch feststellen, das dem nicht so ist. Und meistens war es natürlich schon zu spät, weil wir ja in der guten alten Schweiz leben mit den wunderbaren Öffnungszeiten leben. Shit.

2. Sound-Check: Musik hören geht immer. Aber natürlich immer anständig, immerhin habe ich ja Nachbarn. Allerdings fehlt mir alleine der Mut, die Musik dieses kleine Spürchen zu laut an einem Samstagabend aufzudrehen. Besuch ist nicht das Gleiche, denn wenn man den Zusammenschiss kassiert, ist schliesslich nur der Anwohner verantwortlich. Geteilte Schuld ist halbe Schuld, immerhin.

3. Unnötiges Weintrinken: Wohl besser für die Leber, aber irgendwie doch etwas öde, wenn nicht alles als Vorwand dafür genutzt wird, eine Flasche Wein zu öffnen. Erfolgreicher Tag? Öffnen wir eine Flasche! Zeit für einen Film? Zeit für Wein! Streit mit dem Freund? Streit mit dem Zapfen! Alleine finden sich irgendwie weniger Anlässe.

4. Keine Privatsphäre: Türen zu schliessen habe ich nie wirklich gelernt, denn in unserer WG war eigentlich 24h Tag der offenen Tür. Duschen und gleichzeitig aus dem Nähkästchen plaudern ist absolut normal. Ins Zimmer zu kommen und die Mitbewohnerin auf dem Bett Chillen sehen ebenfalls. Jetzt ist mein Studio so unglaublich meins. Schräg, das Ganze.

5. Mein Essen, unser EssenIch vermisse es, Essen meiner Mitbewohnerin verschwinden zu lassen und zu merken, dass mein letztes Joghurt gegessen wurde. Es war immer ein Geben und Nehmen. Meins ist Deins, sozusagen. Und jetzt fällt das Ganze einkaufen auf mich, genau wie das Kochen. Argh.

6. Arbeitsteilung: Ich freue mich wahnsinnig auf diesen epischen Moment, wo ich endlich nicht mehr in einer Studentenbude leben darf, sondern mir eine Wohnung mit Geschirrspüler leiste. Dieses unterschätzte, heissgeliebte Haushaltsgerät, das einem das Abwaschen von Hand weitgehend erspart. Nicht, dass wir in unserer WG eine hatten. Aber immerhin musste ich nur Abtrocknen. Inzwischen fühle ich mich versklavt, weil ich alles machen muss.

7. Alltagsgeschichten: So sehr WhatsApp und Sprachnachrichten auch Nähe schaffen, es ist nie das Gleiche wie wenn man nach Hause kommt und gleich der anderen Person alles erzählen kann, was heute passiert ist. Ganz egal, ob es nur eine Kleinigkeit war oder etwas Wichtiges – Hauptsache den Tag gemeinsam revue passieren lassen.

8. Ablenkung ahoi: Für meine Produktivität war es vielleicht weniger förderlich, aber alleine am Pult sitzen zu müssen und dem Berg Arbeit ins Auge sehen zu müssen, ist schon etwas angsteinflössend. Wenn der Anschiss kam, konnte ich vorher wenigstens auf Ablenkung zählen, die mir garantiert kein so schlechtes Gewissen einflösste wie mein eigenes Spiegelbild.

9. Balkonsessions: Ab April war bei uns Zeit für Balkonien. Dieses Chillen in Trainerhosen, Turmfrisuren und Barfuss fehlt einfach. Ausserdem ist es seltsam, wenn keine toten Pflanzen mehr auf dem Balkon stehen, um die sich niemand kümmert. Ich mache mir nicht einmal die Mühe, welche zu kaufen und dann verelenden zu lassen. Immerhin hast du, meine liebe ehemalige Mitbewohnerin, das noch gemacht. Auch wenn ihre Überlebenschancen sehr gering waren.

10. Drück mich: Freunde kann man immer zu sich einladen. So viel telefoniert wie seit meiner Zeit alleine habe ich sowieso noch nie. Aber ab und zu braucht man einfach spontan eine Umarmung, die man nicht einplanen kann. Einfach so, ohne Grund. Und das ist das, was ich am allermeisten vermisse.

Wann ist ein Neuanfang zu neu?

Neuanfang hat immer diesen Unterton von Pathos. Klingt nach diesen vorurteilsbeladenen Vorsätzen fürs Neue Jahr, nach einem praktisch unmöglichen Unterfangen. Wie soll ein Anfang denn komplett neu sein, wenn wir von unserer Vergangenheit so geprägt sind? Ist es überhaupt möglich oder wünschenswert, sich so sehr von dem, was bereits geschehen ist, distanzieren zu wollen?

Diese Frage stellt sich mir immer wieder, in ganz verschiedenen Lebenslagen. Sei es in Bezug auf den eigenen Charakter, schlechte Eigenschaften oder Angewohnheiten, die Ausbildung, Freundschaft oder Liebe. Vor allem bei letzterem Thema erwische ich mich immer wieder dabei, wie die Vergangenheit ihre langen Finger in die Gegenwart ausstreckt. Wie man diesen Halt lockern soll oder kann, ist mir nach wie vor ein Rätsel. Obwohl ich mich eher als rationale Person beschreiben würde, kann selbst ich nicht einen mentalen, klaren Schlussstrich zwischen dem Gewesenen und dem Gegenwärtigen ziehen. Und manchmal frage ich mich, ob ich es das überhaupt will. Meine Vorstellungen, Wünsche und Ängste sind durchtränkt vom dem, was vorher war. Ist ein neuer Anfang mit einer neuen Person denn in diesem Sinne wirklich “neu”? Die Umstände mögen anders sein, aber der Blick ist nicht mehr der gleiche. Ich werde automatisch die Sache mit der Brille sehen, die ich seit Jahren trage.

Trotzdem ist es natürlich wahr, das ich versuche, die Fehler einer anderen Person nicht auf jemand anderen abzuwälzen. Büssen sollte sowieso niemand, erst recht nicht jemand der überhaupt keine Verantwortung zu tragen hat. Andererseits kann ich meine jetzigen Reaktionen nur erklären, wenn ich einen Schritt zurück mache. Ohne es zu wollen, kann ich gewisse Dinge so besser oder weniger gut akzeptieren. Und verdient der andere nicht eine Erklärung, die komplett der Wahrheit entspricht, auch wenn diese Wahrheit vielleicht Episoden enthält, die man lieber im Schatten belassen würde? Hier sind wir wieder beim Thema angelangt, das ich letzte Woche angesprochen habe: Wie viel Ehrlichkeit denn nötig oder angebracht ist. Who knows. Aber ich gebe mein Bestes.