Weihnachtszeit mit Glühweineffekt

Letzten Montag war Zibelemärit in Bern. Grundsätzlich ist das eher eine Zeit, die wahnsinnig zum Denken anregt. Meistens laufe ich dort von Stand zu Stand und schiebe einfach (mehr oder minder) wahllos Essen in mich hinein. Zwischen den Essstops wird man aber regelmässig von kleineren oder grösseren Menschen mit den Hämmerchen geschlagen und mit Konfetti beworfen, wobei ich eigentlich die mentale Vorbereitungszeit bis zur Fasnacht gerne ausnützen würde, um meinen inneren Frieden mit diesen farbigen Nervenkillern zu schliessen. Der dämonische Blick in Zeitlupentempo, bevor jemand ohne schlechtes Gewissen eine ganze Handvoll mitten ins Gesicht wirft – es ist der Beweis, dass das Böse im Menschen schlummert.

Wenn wir schon von Dingen sprechen, die unterdrückt werden und erst durch einen Auslöser geäussert werden: Weihnachtsmärkte und Glühwein sind unzertrennbar miteinander verbunden. In unserer WG haben wir einen nicht unbeachtlichen Stash an Glühwein und trotzdem wird man mich mit ziemlich grosser Wahrscheinlichkeit ziemlich oft bibbernd, aber happy, irgendwo in der Schweiz an einem Glühweinstand sehen. Es ist die Kombi aus Wollmütze und warmer Tasse, guten Gesprächen und wärmenden Fackeln, die einen solchen Effekt auf mich hat. Und irgendwie gibt es dort oft auch Zufallsbegegnungen und Geständnisse, die nicht mehr zurückgenommen werden können. Glühwein wirkt bei mir wie ein Wahrheitsserum – und sagt jetzt nicht, dass liege am Alkohol. Ein Hugo oder ein normales Glas Wein entlockt mit keine Geheimnisse. Aber gib mir zwei (oder drei) Tassen Glühwein innert ein paar Stunden und ich werde dir Dinge erzählen, die selbst für mich als direkte Person erstaunlich sind. Damit einhergehend gibt es noch eine gute Portion Selbsteinsicht, die zum Glück nicht zu peinlichen Whatsapp-Nachrichten führen kann, weil meine Finger meistens trotzdem mehr oder weniger eingefroren sind. Ich frage mich, ob ich die Einzige bin, die den (von mir so genannten) Glühweineffekt spürt. Gefährlich, aber irgendwie unterhaltsam. Jedenfalls für die anderen, denke ich.

Lieblingsdinge im November

Es ist schon eine ganze Weile her, seit ich das letzte Mal einen Eintag über meine aktuellen Lieblingsprodukte geschrieben habe. Aber weil die kälteren Monate zum “cremelä” (das hielt ich für die dialekt-neutralste Formulierung, ihr wisst schon, was ich meine) und zu anderen Beauty-Experimenten verleiten, weil das Ganze nicht wieder beim Schwitzen verläuft, holte ich die Idee wieder aus der Mottenkiste. Et voilà, meine persönlichen Must-Haves für den Monat November:

1. Garnier Body “Oil Beauty – Reparierende Öl-Milch” (6.95, bei Coop erhältlich)

Eigentlich bin ich jemand, der bei einer Bodylotion nicht nur auf den Pflegeeffekt, sondern auch sehr auf einen parfümähnlichen Duft achtet. Deswegen ist es umso erstaunlicher, dass ich immer wieder zu dieser Öl-Milch gegriffen habe. Sie riecht neutral, aber der Feuchtigkeitskick lässt mich darüber hinwegblicken. Für extrem trockene Haut konzipiert, enthält das Produkt eine Mischung aus Babassu-, Karite-, Mandel- und Avocadoöl. Die Konsistenz ist zwar eine leichte Lotion, doch der Ölgehalt ist trotzdem spürbar, ohne fettend zu wirken. Sie zieht schnell ein und die Haut fühlt sich sofort geschmeidig an. Ich brauche sie sogar als Fusslotion. Im Winter echt ein Muss.

2. Labello “Lip Butter Caramel Cream” (5.50, bei Coop erhältlich)

Wenn wir schon von trockenen Stellen sprechen, können wir die Lippen kaum auslassen. Spröde Lippen sehen nicht nur ungepflegt aus, sondern sind auch schmerzhaft. Deswegen habe ich in gefühlt jeder Handtasche und in jedem Ecken meiner Wohnung irgendwo eine Lippenpflege verstaut. Die klassischen Labello-Sticks sind weniger mein Ding, aber ihre “Lip Butter”-Linie absolut. Die Geschmacksrichtungen sind originell und riechen superlecker, Sheabutter und Mandelöl pflegen die Lippen intensiv. Favorite: Caramel Cream.

3. Maybelline “Color Drama Intense Velvet Lip Pencil” in der Farbe 310 “berry much” (9.90, natürlich bei Coop)

Beerenlippen sind universell schmeichelhaft und im Herbst/Winter besonders schön. Wer auch auf den aktuellen Matt-Trend abfährt, wird die Farbe “berry much” lieben: Das Auftragen mit der Stiftform ist schnell und einfach, ein Lipliner erübrigt sich. Die Farbe ist satt und intensiv, aber auch gleichmässig. Ein 3-Gang-Menü am Weihnachtsessen wird die Lippenfarbe zwar nicht überstehen, aber die Haltbarkeit im Alltag ist gut und die Lippen werden nicht ausgetrocknet. Und diese Farbe…

4. Bandanas

Bandanas findet man praktisch überall. Ich hätte meins zwar definitiv glätten sollen, aber da ich sie in praktisch jeder Farboption besitze, ist es in der Schublade etwas eng geworden, sorry. Das ist zwar weniger ein Produkt als ein Accessoire, aber neben den momentan sehr trendigen Choker peppen sie jedes Outfit auf. Vor allem die Kombi Jeanshemd (oder Jeansjacke, wer eine wintertaugliche Version davon besitzt) und Bandana klingt ein bisschen nach modern day cowboy, sieht aber nicht nach Texas aus. Ausserdem ist es eine tragbare Alternative zu den typischen, riesigen Winterschals. Ausprobieren!

Natalies Lebensweisheiten: Von (unmöglichen) Männerfreundschaften

Wenn ich mich in meinem Freundeskreis umsehe, fällt mir etwas auf: Erstens sind natürlich alle wunderbar und supercool, aber vor allem auch eines – weiblich. Abgesehen von gemeinsamen Geschlecht sind sie aber oft grundverschieden. Ein paar sind volltätowiert, andere kreativ, hyperehrlich und direkt, oder extrem einfühlsam und echte Seelsorger. Meine Freundinnen sind bunt durchmischt und entsprechen definitiv nicht alle dem typischen Frauenbild. Obwohl ich vielleicht optisch nicht gerade aus der (weiblichen) Reihe tanze, stellen wir regelmässig fest, dass ich im Zwischenmenschlichen oft eher der Typ bin. Vor allem, wenn es um Typen geht.

Deswegen erstaunt es mich eigentlich, dass ich abgesehen von ein paar Freunden vom anderen Ufer echt keinen richtigen heterosexuellen Homie habe. Bekannte und oberflächliche Freunde zählen hier nämlich nicht dazu. Ich spreche von einer echten, mehr oder weniger tiefgründigen Freundschaft, die ich anscheinend nur mit Frauen führen kann. Das Traurige ist, dass ich in der Vergangenheit männliche Freunde hatte – nur hat diese Verbindung nie gehalten. Vor allem in meinem Austauschsemester traf ich viele Jungs, die ich charakterlich echt toll fand, aber natürlich gleich in die “Friend-Zone” geschoben habe. Eigentlich dachte ich, dass sie dort auch happy sind. Doch an irgendeinem Punkt gab es dann ein seltsames Gespräch, ein flüchtiger Kussversuch, irgendetwas, das diese Freundschaft zerstört hat. Und ich war traurig und wieder kollegenlos. Meine beste Freundin war lange Leidensgenossin und wir haben viel Zeit darin investiert, diesem Phänomen auf den Grund zu gehen. Inzwischen hat sie einen Arbeitskollegen mit einer Freundin und sie leben in glücklicher Ko-Freundschaft. Es gibt noch Wunder!

Ich weiss nämlich echt nicht, ob es an mir liegt. Klar, an den klassischen stereotypischen Männeraktivitäten habe ich eher wenig bis kein Interesse: Fifa- oder Poker-Abende mit einem 12er-Pack Bier sind nicht mein Ding. Fussballspiele auch nicht unbedingt. Aber es gibt doch viele geschlechtsneutrale Aktivitäten, die verbinden könnten. Oder wenigstens Gespräche! Denn ich bin definitiv nicht eine Frau, die nur über Schminke und Modeheftchen diskutieren kann oder will. Ganz im Gegenteil. Ich interessiere mich für verschiedene Kulturen, liebe Reisen, Literatur und Politik. Es wird mir gesagt, ich sei ziemlich locker, intelligent, fun und nicht allzu zickig. Wo ist also das Problem? Warum hat jede Männerfreundschaft bei mir ein Ablaufdatum? Ich suche Bewerber um einen Freundschaftsposten in meiner weiblichen dominierten Umwelt. Bei Interesse bitte melden, thx.

10 Menschen, die man im Fitness antrifft

Seit es kälter ist, gehe ich wieder öfter ins Fitness. In den wärmeren Monaten ist es einfach zu verlockend, lange draussen zu sitzen, zu grillen und eher lockeren Sommersport zu betreiben. Da ich inzwischen aber wieder das Bedürfnis verspüre, eine Ganzkörpersocke anzuziehen, zieht es mich wieder öfter in die Indoor-Sportarena. Einige Dinge habe ich vermisst, andere weniger. Das Gym ist ein ganz besonderer Ort mit ganz besonderen Menschen. Etwas überspitzt und nicht böse gemeint: Hier 10 Menschen, die jeder kennt, der mindestens einmal im Leben ein überteuertes Fitnessabo gekauft hat:

1. Die Glamour-Queen: Voll geschminkt – Lidschatten, Lippenstift, Foundation – und mit ganz viel Schmuck schwingt sie sich (mehr oder minder) elegant auf das Velo oder allenfalls auf einen Stepper, um dort dann im Schneckentempo ein bisschen zu “spörteln”. Dabei sieht sie sich dauernd nach potentiellen Paarwilligen um. Meine Augen rollen bereits während dem Schreiben unkontrolliert.

2. Der Protzer: Wenn er könnte, würde er in seinem (geleasten) BMW direkt in der Mucki-Bude parkieren. Man findet ihn vor einem Spiegel, wo er laut vor sich hin stöhnt/prustet, weil er sich selbst mit dem Gewicht der Hanteln überschätzt hat.

3. Der Friends-Sucher: Irgendwie ist diese Person immer im Fitness, jedoch nie am Sport machen. Stattdessen redet sie mit allem und jedem. Ein Wandernomade, der dauernd auf der Suche nach neuen Bekanntschaften ist. Sorry, aber irgendwie bin ich ein bisschen busy.

4. Der Schwitzer: Der Boden ist mit Schweisstropfen übersät und in der Mitte sitzt der Schwitzer, das T-Shirt nass am Körper klebend. Er kann nichts dafür, aber es wäre echt nett, wenn er dann wenigstens den Platz säubern konnte, damit niemand ausrutscht.

5. Die Vollblut-Yoga-Menschen: Sie schleichen sich fast unbemerkt in den Yogaraum, machen ihre Posen und finden ihr inneres Chi. Danach hauen sie so schnell wie möglich wieder ab und rümpfen dabei die Nase. Viel zu viel stressige Energie hier, echt.

6. Die Rapper: Meine persönliche Lieblingsgruppe, weil sie irgendwie charmant sind. Sie sind mit ihren Ohrstöpseln und dem dazugehörigen Sound einfach in ihrer eigenen Welt und lassen dann den inneren Eminem bzw. die tief in sich schlummernde Bad Bitch heraus. Dabei merken sie jedoch nicht, dass ihre Rapeinlagen mehr als nur ein Flüstern sind.

7. Die Tomate: Klingt fies, ist aber überhaupt nicht so gemeint. Bereits die 10 Meter Weg zum Raum regen die Durchblutung an, denn die rote Birne bedeutet nicht, dass sie unsportlich sind. Es sieht aber aus, als würden sie jeden Moment zusammenbrechen, obwohl dem vielleicht nicht so ist. Gibt es einen Arzt in der Nähe, nur für den Fall der Fälle?

8. Die Orientierungslosen: Jeder, der einmal in seinem Leben in einem Groupfitnesskurs war, wo ein Minimalgrad an Orientierungssinn bzw. Rhythmusgefühl verlangt wird, hat diese Spezies bereits kennengelernt. Wenn alle nach links gehen, laufen sie nach rechts. Sie stehen auf, wenn andere in die Hocke gehen und heben die Arme dann, wenn der Rest sie baumeln lässt – aber irgendwie merken sie es nicht. Sie wirken dauerverwirrt, aber irgendwie süss. Doch wie geht das überhaupt?

9. Die Nährsuchenden: Ich habe überhaupt nichts gegen meine Mitmenschen. Doch wenn 10 Stepper frei sind und ich ganz links in Ruhe am trainieren bin – wieso gerade neben mir? Meistens starren sie dann noch auf meinen Bildschirm und analysieren das, was ich gerade schaue. Dude, du hast deinen eigenen Bildschirm! Das sind auch die Menschen, die im Zug die Zeitung vom Sitznachbar mitlesen. Just why?

10. Die Fitness-WG-Bewohner: Es gibt ein paar besonders sportliche Exemplare, die wirklich immer im Fitness sind. Immer. Sie müssen fast arbeitslos sein, anders lässt sich die Daueranwesenheit nicht erklären. Oder sie haben sich extra gleich um die Ecke eine Wohnung gesucht. An sich unnötig, denn sie könnten genauso gut einfach vor Ort übernachten.

Von Veränderungen und Entfremdungen

Je älter ich werde, desto mehr hinterfrage ich alles. Das war zwar früher bereits der Fall, aber inzwischen geschieht es immer wie mehr. Ich habe eine Grundzufriedenheit, die vieles in einem anderen Licht und anderes klarer erscheinen lässt. Go with the flow – aber lenke den Flow ab und zu in die richtige Richtung. Es geht weniger um Laisser-faire, sondern eher darum, dass ich mir nicht alles gefallen lasse und mir (mehr oder weniger) klar ist, was ich will und was nicht. Gewisse Dinge passen nicht in mein Weltbild und sollen es auch gar nicht. Einige Menschen rauben mir mehr Energie, als sie mir geben. Doch wann ist es an der Zeit, endgültig den Riegel zu schieben?

Mit 16 war ich mir absolut sicher, dass für immer diesen Freundeskreis haben werde. BFF-Schnickschnack und “Lysm”-SMS sind aber keine Garantie dafür, dass man wirklich forever auf der gleichen Wellenlänge bleiben wird. Interessen verändern sich, Leute ziehen in eine andere Stadt, Hobbys und Beziehungen prägen den anderen und einen selbst. Diese Einsicht war belastend und beängstigend, weil sie Veränderungen mit sich brachte. Die ehemalige BFF, die total unsportlich und humorvoll war, ist vielleicht dank ihrem neuen Freund eine strenge Fitnessfanatikerin geworden, die nur noch beim Gewichtheben so etwas wie ein Lächeln hinauspressen kann. Das ist ein Beispiel als nicht etwas Autobiographisches, weil ich die meisten meiner engen Freundinnen von früher immer noch habe und genau gleich schätze, wenn auch zum Teil aus anderen Gründen. Das Leben passiert halt einfach und prägt jeden auf eine andere Weise. Manchmal ist die Person kaum mehr erkennbar und der Unterschied zu gross, um weiterhin stundenlang am Telefon quatschen zu können. Aber manchmal merkt man doch auch, dass die Veränderungen nicht unbedingt etwas Negatives waren. Neue Seiten entdecken und sich zusammen weiterentwickeln – warum eigentlich nicht? Wäre es nicht langweilig, wenn wir alle gleich bleiben würden? Doch ab und zu verliert man sich aus den Augen, freiwillig oder unfreiwillig. Dann begegnet man sich einmal auf der Strasse, wie Fremde, die doch irgendwie aufgrund gemeinsamer Erlebnisse noch vertraut sind. Ein Kopfnicken, ein Lächeln. Der alten Zeit willens, die zwar gut war, aber nicht mehr der Gegenwart entsprechen muss.