Sommer Beauty Favoriten 2018

Jedes Jahr wieder, aber immer wieder nützlich: Sommer Beauty Favoriten. In keiner anderen Jahreszeit dauert es so lange, bis ich mein Reise-Necessaire gepackt habe, denn es fällt mir echt schwer, mich auf das zu beschränken, was wirklich “nécessaire” ist. Hautalterung und Sonnenschutz, aber gleichzeitig fresh fühlen. Feuchtigkeitspflege, aber bitte nicht so, dass man deswegen gleich noch mehr schwitzt. Leichtes Makeup, das trotzdem nach sonnengeküsst aussieht. Gar nicht so einfach. Falls es euch interessiert, kann ich euch meine Travel Must-Haves schon zeigen, allerdings bringe ich das meiste im Mini-Format. Deswegen zuerst einmal meine allgemeinen Beauty Favoriten für den Sommer, natürlich alle im Coop Universum (sprich Coop, Coop City, Body Shop, Import Parfumerie) erhältlich.

1. Feuchtigkeitspflege 

Japanese Camelia Cream (The Body Shop) und Daily UV Hair Protector (Ultra Sun)

Japanese Camelia Cream (The Body Shop) und Daily UV Hair Protector (Ultra Sun)

Japanese Camelia Cream (The Body Shop, 39.95 für 350 ml, online erhältlich https://www.thebodyshop.ch/de/japanese-camellia-cream.html)

Eine richtig geniale Feuchtigkeitspflege für den Körper ist im Sommer ein absolutes Muss. Allerdings bin ich wählerisch: Es soll sich leicht anfühlen, am besten noch kühlend. Es muss einen frischen, aber relativ neutralen und dezenten Duft haben. Ausserdem darf es keine weissen Rückstände hinterlassen (Horror, wenn man es mit Sonnencreme mischt), soll schnell einziehen und langanhaltend Feuchtigkeit spenden. Die erste Bodylotion, die meinen hohen Anforderungen gerecht werden kann, ist die “Japanese Camelia Cream” von The Body Shop. Ich gebe zu: Günstig ist sie nicht. Andererseits ist sie aber sehr ergiebig. Für den ganzen Körper brauche ich nur halb so viel, wie sonst – obwohl ich beim Auftragen durchaus grosszügig bin. Der Duft nach Kamalienöl ist zurückhaltend und weiblich. Die Haut fühlt sich danach samtweich und erfrischt an. Und wenn ich das Wort “samtweich” brauche, welches ich sonst gar nicht mag, weil es so ein bisschen creepy klingt, heisst es etwas.

SOS Comfort Nourishing balm mask (Clarins, 47.90 für 75 ml, online erhältlich https://www.impo.ch/de/Pflege/Gesicht/Masken/Clarins-Masque-sos-confort-75ml/p/6041148)

Von allen Marken, die bei Import Parfumerie erhältlich sind, ist Clarins mein absoluter Liebling. Meiner Meinung nach bringen sie regelmässig neue, zuverlässige Produkte heraus, die ihr Versprechen erfüllen. Eine gute Feuchtigkeitsmaske für strapazierte Sommerhaut, welche die Haut beruhigt und pflegt, ist die “SOS Comfort Nourishing bam mask with wild mango butter”. Für sehr ölige Haut würde ich sie zwar weniger empfehlen, aber für trockene, normale oder Mischhaut ist sie ideal, denn sie ist praktisch (10 Minuten einwirken lassen, Reste der Maske mit Wattepad unkompliziert entfernen), für sensible Haut geeignet (keine Rötungen, keine aggressiven Inhaltsstoffe) und sehr beruhigend, auch bei Sonnenbrand. Ich trage sie wöchentlich auf und zusätzlich dann, wenn meine Haut spannt und sich richtig trocken anfühlt, denn sie wirkt – wie der Name es schon verrät – wie eine SOS Kur. Null Bock, ein Produkt regelmässig anwenden zu müssen, um einen Effekt zu sehen, wenn meine Haut sich wie Sandpapier anfühlt.

2. Sonnenschutz

Daily UV Hair Protector (Ultra Sun), SPF 30 Sun Protect (Labello)

Ich weiss, dass ich wie deine Mutter klinge, aber es ist wahr: Sonnenschutz ist das A und O im Sommer. Haut ist nachtragend, und wer will schon frühzeitig mit Falten kämpfen?

Daily UV Hair Protector (Ultrasun)

Konnte ich online nicht finden, aber grundsätzlich kann es auch von einer anderen Marke sein. Wichtig ist, dass auch die Haare vor schädlichen Einflüssen wie UV Strahlen, Chlor und Salzwasser geschützt werden. Die Kopfhaut wird dadurch gleichzeitig geschützt, denn der Ansatz ist eine der typischen Stelle, die vergessen wird. Viele schneiden sich die Haare, bevor sie in die Ferien gehen. Ich mache es normalerweise gerade umgekehrt, denn nach ein paar Wochen Strand und Spass weiss ich bereits, dass meine Spitzen wieder aussehen, als hätten sie einen Toaster von Innen gesehen. Seit ich aber regelmässig ein Produkt brauche, welches die Haare vor der Sonne schützt, sieht meine Mähne deutlich weniger strapaziert aus.

SPF 30 Sun Protect (Labello, 4.90, online erhätlich https://www.coopathome.ch/de/supermarkt/schönheit%2C-hygiene%2C-bekleidung-%26-baby/gesichtspflege–%26-reinigung/gesichtspflege/lippenpflege/labello-lippenpflege-sun-protect-mono/p/5647901

Wer sich schon einmal die Lippen verbrannt hat, weiss, wie verdammt schmerzhaft das Ganze ist. Ich spreche leider aus Erfahrung. Deswegen ist Sommerzeit für mich die Zeit, in der meine Mission NIE WIEDER startet. Grundsätzlich ist der Wechsel ganz einfach: Der normale Labello wird einfach gegen eine Lippenpflege mit mindestens SPF 30 ausgetauscht. Ganz simpel, aber wirksam.

3. Sommerliches Makeup

Ich werde mich hier auf den Teint beschränken, denn jeder hat im Sommer andere Vorlieben. Einige tragen nur noch Mascara, andere greifen zu kräftigen Lippenfarben, um die Bräune zu unterstreichen, während andere Bronzetöne auf den Lidern schimmern lassen. Die meisten sind sich aber einig, dass sehr deckende, schwere Foundations während dieser Zeit eine Verschnaufpause verdient haben. Hier also meine liebsten Produkte für Haut, die gleichmässig und gesund aussieht, aber atmen kann.

Nude Magique Cushion Foundation (L’Oréal), Diorskin Mineral Nude Bronze (Dior)

L’Oréal Nude Magique Cushion Foundation (Coop City)

Falls ich es heute noch in die Stadt schaffe, werde ich den Preis für diese Foundation oben noch einfügen. Zuerst einmal rate ich davon ab, die Cushion Foundation mit dem beiliegenden Applikator aufzutragen, denn er scheint den Grossteil des Produkts bereits vor dem Auftragen zu absorbieren. Ich verwende dafür einen klassischen Foundation-Pinsel, um die Deckkraft selbst kontrollieren zu können (leicht bis mittel). Die Foundation fühlt sich schwerelos auf der Haut an, enthält aber kein SPF – deswegen bitte vorher auftragen. Trotzdem gleicht sie den Teint aus und verdeckt rötliche Venen, z.B. bei der Nasenpartie. Eine gute Alternative zu den BB- oder CC-Creams, die ich sonst im Sommer gerne trage.

Diorskin Mineral Nude Bronze (in der Farbe 2 von Dior, 59.90, online erhältlich https://www.impo.ch/de/Dior-Mineral-Nude-Bronze-PDR-1-sunrise/p/6136553)

Wer Beauty Produkte sammelt und gerne hübsche Produkte ausstellt, wird diesen Bronzer lieben. Ganz klar Boujie, aber wer sich etwas gönnen will, kann bei Import im Laden den “Diorskin Mineral Nude Bronzer” swatchen. Bei solchen Luxusprodukten empfehle ich generell, das Produkt wenn möglich zuerst vor Ort zu testen, damit sich die Investition auch lohnt. Dieses Produkt ist mit goldenen Mineralien angereichert und schützt zudem die Haut vor äusseren, schädlichen Einflüssen. Wer zu Pickeln neigt, wird sich ausserdem freuen, dass es angeblich auch Unreinheiten bekämpft. Ich habe meinen Bronzer in der Farbe 02, aber Achtung: Ich trage ihn nicht wie einen klassischen Bronzer auf, sondern verwende ihn als Blush, denn der Unterton ist pinkstichig-rötlich, was sich mit meinem goldenen/gelbstichigen Unterton weniger gut verträgt. Ich liebe ihn aber, weil er der Haut einen gesunden Glow verleiht und deswegen als 2-in-1 Produkt wirkt. Spart etwas Zeit, denn ein Bronzer erübrigt sich damit trotzdem. Kleiner Tipp: Ganz leicht auf dem Nasenrücken auftragen, sieht wunderbar natürlich nach einem Tag am Strand aus.

 

 

Vom Single-Sein.

In den letzten 10 Jahren war ich 8 Jahre in einer Beziehung. Um genau zu sein, waren es mehrere. Sie waren wunderbar, aber es hat aus verschiedenen Gründen einfach nicht geklappt oder nicht gepasst. Es gab Pausen, aber nicht wirklich. Eine Pause verdient nur dann wirklich diesen Namen, wenn eine gewisse emotionale Distanz besteht, aber weniger, wenn der Kopf noch mittendrin ist. Abstand ist vielleicht passender, aber der ist oft nur körperlich, nicht gedanklich. Sprich: Es ist schon echt lange her, dass ich eine längere Zeit Single war. Und ich finde es genial.

Die bemitleidenden Blicke, die man manchmal erhält, wenn man sagt, man habe keinen Partner, bringen mich zum Schmunzeln. Sozialer Druck lässt mich sowieso kalt, erst recht, wenn er vom Typ Mensch “Bettina aus Wohnung XY mit ihrem Freund Patrick, der dauernd raucht und Videogames spielt” kommt. Jeder soll das machen, was ihn glücklich macht – aber ein 0815 Mann, der zu anderen perfekt passt, ist nichts für mich. Nicht, dass damit etwas nicht stimmt – diese Partner sind sicher toll, aber für andere. Ohne respektlos sein zu wollen, würde auf viele Freunde aus meinem Bekanntenkreis diese Beschreibung gut passen: Netter Kerl, der gerne Fussball spielt, sich nur am Rande für das Weltgeschehen interessiert (vor allem dann, wenn es ihn selbst betrifft), gerne zockt (wie der Freund unserer fiktionalen Bettina), seine Stammbeiz hat, am Wochenende mit Kollegen eins trinken geht und dann am Montag glücklich seufzend eine Woche anfängt, die genau gleich aussieht, wie die vorherige. Non, merci. Ich bin natürlich selbst nicht perfekt, aber idealweise hätte ich gerne jemanden, der in meinen Augen spannend ist. Kein Abklatsch meines eigenen Charakters und meiner persönlichen Vorlieben, sondern jemand mit einem schelmisch-schlauen Humor, der Abwechslung liebt, mehr als eine Sprache spricht, so viel wie möglich reist, gerne liest, emotional und auch sonst intelligent ist, Sport macht aber auch Mal eine Pizza verdrückt und sich bei Wein besser auskennt, als ich es tue. Alles zusammen wäre natürlich ideal, aber das Idealbild und die Realität müssen und sollen nicht deckungsgleich sein. Kurz gesagt: Ich hätte gerne jemanden, der mich glücklich macht, aber mein Interesse aufrecht zu erhalten vermag und mich auch gut findet. Nur will ich den nicht jetzt.

Ich habe nämlich als Single viel zu viel Spass. Alleine zu schlafen ist echt friedlich, sorry. Keine Rechtfertigungen und Erwartungen. Niemand, der versucht, mich zum WM gucken zu nötigen. Stattdessen verschiedene Charaktere, die so unterschiedlich sind wie meine Launen. Wenn man keine Konstante will, schätzt man Abwechslung. A, mit dem man schön essen gehen kann, der aber nicht den nötigen Humor hat. C, der zwar witzig ist, aber nicht die nötige Tiefe hat. D, mit dem man im Park spörteln kann, aber ein Chicken Nugget niemals berühren würde. S, mit dem Party machen echt Spass macht, der aber ein bisschen zu viel feiert. Jeder hat seine Vorteile, aber keiner passt so wirklich und genau das stimmt so für mich. Ich wäre im Moment auch keine gute Partnerin, denn mein Dasein als sozialer Schmetterling gefällt mir sehr. Ich verbringe viel Zeit mit Freundinnen, plane Spontan-Trips und lese endlich das Buch, welches seit Monaten auf meinem Regal Staub ansammelt. T, der interessant ist, aber leider bereits eine Familie gründen möchte. Win-Win, wenn man die begrenzte Zeit zusammen geniesst, aber sich bewusst ist, dass es begrenzt ist.

8 Dinge, die Swissness ausmachen.

Hola, bonjour, good day. Diese tripartite Teilung zeigt ziemlich genau das, was inzwischen meinen Genfer Alltag ausmacht: Viele Fremdsprachen, wenig Deutsch. Das ist absolut in Ordnung, denn ich liebe andere Kulturen und Sprachen. Aber ich habe mich noch nie so schweizerisch gefühlt wie hier, denn wir scheinen in Genf eine Minderheit zu sein. Damit habe ich überhaupt kein Problem, denn Swiss Friends habe ich genug. Mein engster Freundeskreis an der Uni besteht aus ziemlich genau 0 % Schweizern. Ich liebe es, aber gleichzeitig fallen mir deutlich mehr Dinge an mir selbst auf, die zu meiner Schweizer Hälfte gehören. Klischees hin oder her, einige Züge kann ich nicht leugnen. Nun also ein selbstreflektierender Einblick in Swissness, mit einer gesunden Prise Humor und Überzeichnung.

1. UHRZEIT: Es ist das älteste Schweizer-Klischee der Welt, aber ich muss es trotzdem wiederholen. Ja, wir schätzen Pünktlichkeit. Und obwohl wir vielleicht nicht besessen davon sind, besteht die Toleranz-Marge bei mir irgendwo zwischen 5 und 15 Minuten. Danach ist die andere Person schlicht und einfach zu spät. Ich warte regelmässig 30, 40, 60 + Minuten auf meine Freunde, die dann glückselig und komplett ohne schlechtes Gewissen eintrudeln. Und ich schreibe sogar eine WhatsApp-Nachricht, wenn ich 10 Minuten zu spät komme. Als Antwort erhalte ich meistens lachende Smileys. Selbstredend.

2. Aromat/Maggi: Ich schätze Salz durchaus, aber Aromat ist eben nicht Salz. Es ist ungesund, zugegeben, aber nichts rundet für mich ein Gericht besser ab als diese goldfarbenen Körner, die himmlisch nach Heimat schmecken. Pathos beiseite – ich brauche mein Aromat. Oder Maggi, für Suppen.

3. Käse Snob: Wenn wir schon bei den Vorurteilen sind, fahren wir doch gleich damit fort. Käse ist Life. Viele unserer Nationalgerichte kommen ohne Käse nicht aus, aber Käse ist nicht gleich Käse. Es gibt Stufen und er muss passen. Dieses orange Zeugs aus der Sprühdose (USA-Style) ist vieles, aber ganz sicher nicht Käse.

4. Spicy: Es gibt viele, die hier vielleicht nicht zustimmen würden, aber ich muss trotzdem sagen: Rein erziehungstechnisch ist unser Toleranzniveau für scharfes Essen einfach nicht gleich wie für andere Nationalitäten. Im Verlauf der Jahre bin ich weiser geworden und frage deshalb in den Restaurants vorsichtig nach, ob es denn “Schweizer scharf” sei – denn ich weiss ganz genau, dass authentische Schärfe aus Thailand/Mexiko/etc. zu einem brennenden Rachen und dem Hinunterwürgen von einem Glas Milch führen wird. Erfahrung, you know.

5. 3 Küssli: Es wird für viele Nicht-Schweizer ewig ein Mysterium bleiben, warum wir uns nicht 2, sondern 3 Küsschen geben. Gierig seien wir. Es sei einfach zu viel und ein bisschen unheimlich. Ausserdem werde die Gefahr für unangenehme Augenblicke drastisch gesteigert, denn ein frühzeitiges Zurückziehen bringt das Gegenüber oft in Verlegenheit. Und nein, 3 Küsschen bedeuten nicht, dass man besonderes Interesse an der Person hat.

6. Teuer, tout normal: Ich habe zwar schon oft gesagt, ich werde mich niemals an die Preise hier gewöhnen, aber im Unterbewusstsein ist es doch irgendwo verankert, dass “teuer=normal” ist. Dadurch kann man auch unser Verhalten im Ausland erklären: Das erstaunte Jauchzen, wenn das 3-Gang-Menu in einem spanischen Restaurant nur 11 Euro kostet. Das ekstatische Zücken des Portemonnaies, wenn man für ein gutes Glas Wein nicht 8-10 Franken hinblättern muss. Ich werde die schockierten Gesichter meiner Freunde ab den McDonalds-Preisen in der Schweiz nie vergessen. Tout normal, non?

7. Distanzen: An einem normalen Arbeitstag mit typischen Verkehr dauert mein Weg an die Uni innerhalb der gleichen Stadt fast 45 Minuten. Ich fühle mich deshalb als würde ich in einer riesigen Metropole mit Unmengen von Verkehr leben. Was für ein Weg, wow! Für andere aus echten Grossstädten ist Genf ein winziges Dorf, wo jeder jeden kennt.

8. Die Sache mit dem Grillieren: Für andere ist Sommerzeit Partyzeit. In der Schweiz gibt es vielleicht Festivals und Rooftop Bars, aber normalerweise kein Nacktbaden um 10 Uhr Morgens an einem nichtexistenten Strand. Zu erklären, das “Böötle” und “Grilliere” für viele Schweizer die Hauptaktivitäten des Sommers sind, ist gar nicht so einfach. Grillieren ist eine Kunst, nicht einfach eine Ernährungsform. Und nein, einmal pro Woche reicht nicht.

Good Vibes.

Eine positive Einstellung ist Gold wert. Nicht unrealistisch oder überoptimistisch, sondern eine gesunde Portion Good Vibes, meine ich. Das ist nichts Neues, aber ich hatte letzten Sonntag im Bett mit einer meiner besten Freundinnen ein wunderbares Gespräch über genau das. Und weil ich ja gerne mit euch teile, wollte ich dieses Thema kurz ansprechen.

Es ist eine Lebenseinstellung. Wir erleben alle schwierige Momente, in denen man vor einer Gabelung steht, jedenfalls metaphorisch. Das Geschehene zu verarbeiten ist wichtig, gleichzeitig sollte man sich darin nicht verlieren. Ereignisse verändern den Menschen, natürlich. Aber aus emotionaler Verletzlichkeit kann vieles wachsen. Die schwersten Zeiten meines Lebens haben mich, so glaube ich jedenfalls, zu einer besseren Person gemacht. Man lernt das Leben schätzen und realisiert, wie unglaublich wertvoll Familie und Freunde sind. Man erkennt die eigene Stärke und die Möglichkeit, die Gedanken bis zu einem gewissen Grad zu steuern. Wenn ich mich in solchen Momenten in die dunkelsten Ecken meiner Erinnerungen verkriechen wollte, holte mich jemand anderes oft dort heraus – oder, und das ist eben entscheidend, ich tat es selbst. Ich mag das Wort Rückschlag nicht. Es klingt zu statisch, als würde man nach hinten katapultiert. Dabei sind Rückschläge vielleicht einfach besonders anstrengende Fortschritte.

Dabei hilft eben eine positive Einstellung. Damit sehen wir die Welt anders. Die genau gleichen Geschehnisse werden von einem Optimisten anders wahrgenommen als von einem Pessimisten. Es fallen andere Dinge auf, denn das Augenmerk ist anders ausgerichtet. Ich will nicht behaupten, ich ziehe das “good vibes only” 24h, 7 Tage die Woche durch. Ich probiere es aber. An einigen Tagen fällt es leichter, an anderen schwerer. Aber ich bin mir sicher, dass ich mir selbst damit den grössten Gefallen mache. Wenn der Bus verspätet hat, höre ich eben 2,3 meiner Lieblingslieder mehr oder lese 5, 10 zusätzliche Seite eines richtig guten Romans. Wenn eine Verabredung nicht so läuft, wie ich es mir erhofft habe, versuche ich zu verstehen, warum es so sein musste und es einfach zu akzeptieren. Wenn jemand aus dem nächsten Kreis krank wird, versuche ich von mir selbst zu abstrahieren und zu realisieren, dass es okay ist, wenn sie gehen, denn sie werden dann nicht mehr leiden. Von den kleinsten Dingen im Leben zu den grössten, alles wird damit eine Spur leichter.

Sich verbessern und Lektionen, die das Leben schreibt.

Meine etwas längere Abwesenheit hat seinen Grund. Nachdem ich glücklich mein Master-Diplom letzten Sommer entgegen genommen hat, war es anscheinend noch nicht genug. Nein, ich merkte ziemlich schnell, dass das klassische Anwalts-Dasein wohl doch nichts für mich sein würde. Scheidungen und Erbschaften haben mich leider nicht wirklich gepackt, deswegen bin ich inzwischen in Genf und habe dort einen etwas anderen Weg eingeschlagen. Stimmt so für mich, aber trotzdem muss ich sagen: Wie kann es sein, dass ich nach meiner doch schon relativ langen akademischen Karriere so wenig dazugelernt habe?

Natürlich meine ich weniger den Inhalt, den mein Gehirn wird ständig mit Informationen gefüttert. Die Chance zu haben, weiterzulernen und ständig zu wachsen, schätze ich durchaus. Allerdings habe ich es nach all diesen Jahren immer noch nicht geschafft, einen anständigen und realistischen Lernplan aufzustellen. Ich fange immer zu spät an, lerne dann immer zu detailliert und rege mich dann immer entsprechend auf, weil die endgültige Fragestellung an der Prüfung meistens genau das ist, welches ich übersprungen habe. Über das Resultat kann ich mich selten beklagen, aber schliesslich ist eine gute Note ja schön und gut, aber das Wissen sollte auch nach einer Woche noch abrufbar sein. Tolles Kurzzeit-Gedächtnis hin oder her, im Arbeitsleben will ich keine Nachtsessionen schieben müssen. Wie kann es also sein, dass wir in manchen Bereichen so lern-resistent sind?

Das Bild eines echten homo sapiens geht mir einfach nicht aus dem Kopf. Ich stelle mir den Prozess folgendermassen vor: Mensch macht Fehler. Mensch lernt daraus, da lernfähig und selbstreflektierend. Mensch macht entsprechend nicht mehr den gleichen Fehler. Doch bei der Umsetzung hapert es bei mir gewaltig. Ich realisiere zwar, dass ich das nicht so machen sollte, aber ich mache frischfröhlich weiter. Why? Habe ich eine fehlende Neuronen-Verbindung oder bin ich einfach resistent? Bei anderen gibt es aber ähnliche Verläufe, die gleich internalisiert sind. Freundinnen, die immer wieder den gleichen Typ Mann daten, der sie einfach schlecht behandelt. Andere, die glauben, sie hätten sich verändert, aber danach das genau gleiche Verhalten an den Tag legen. Sicher sind wir lernfähig, aber das Ganze fängt mit der Einsicht an. Einsicht alleine genügt allerdings nicht, denn es braucht einen Schlachtplan, um das Problem wirklich anzugehen. Und es braucht einen Willen und die nötige Energie, dem schädlichen Verhalten ins Gesicht zu blicken. Ich gebe mein Bild über den homo sapiens nicht auf. Es wird dann schon irgendwann besser. Spätestens dann, wenn ich nicht mehr studiere und den zweiten Master-Titel im Sack habe. Von Problemen wegrennen: Kann ich.