Mode WTF: Slip Dresses und weisse Shirts

Es braucht echt viel, dass ich mir die Zeit nehme, über einen ganz bestimmten modisch (Un)trend zu schreiben. Das letzte Mal drehte es sich noch um die Sumoringer-Frisur (untere Hälfte rasiert, oben ein winziger Man-Bun), welche immer noch durch die Welt geistert und mich weiterhin besonders unattraktiv dünkt. Vorerst aber noch eine kleine Randnotiz, um mein Internet-Karma zu retten: Ich habe sicher bereits einige Sachen getragen, die einige Leute schrecklich finden. Meine Eltern zum Beispiel, wenn es um Destroyed Jeans geht – ein Trend, der wohl von den meisten genetischen Produzenten meiner Generation als komplett unlogisch empfunden wird. Zweitens will ich an dieser Stelle noch anbringen, dass jeder tragen soll, was ihm gefällt. Mode soll Spass machen. Ausserdem wäre es ja langweilig, wenn alle den gleichen Geschmack hätten. Da ich aber das Gefühl habe, inzwischen bereits zur Minderheitsmeinung zu gehören, was die hier zu beschreibende Strömung anbelangt (“WTF WIESO?!”), empfinde ich es als akzeptabel, auf möglichst anständige Weise darüber zu schreiben, obwohl es meine Augen schmerzt.

Das Bild habe ich vor Kurzem gemacht, als ich mit einer Freundin durch Bern schlenderte. Ich muss zwar sagen, dass die Schaufenster im Ausland noch öfter diesen Trend aufzeigten. Ausserdem ist das obige Beispiel definitiv nicht die Ausgeburt der schlimmsten Version. Das Prinzip ist aber dennoch erkennbar: Man nehme einen Slip oder wahlweise auch ein Nachthemd aus Satin, da die beiden für mich verdächtig ähnlich aussehen, und trage darunter ein weisses T-Shirt oder eine Bluse. Soll cool und laid back wirken, unangestrengt und so. Als wären die heutigen Hipster in die 90er Jahre zurückgebeamt worden und hätten der Mutter ihr damaliges Pyjama geklaut. Für mich sieht es aber eher so aus, als hätten sich die Leute im Dunkeln bzw. sturzbetrunken angezogen und dabei vergessen, dass das Unterhemd eigentlich unter die sonstige Kleidung gehört. Versteht mich nicht falsch – ich rege mich nicht darüber aus. Ich finde es vielmehr unterhaltsam. Geschmacksverirrung hin oder her, have fun with it. Aber ich trage meine Unterwäsche weiterhin gerne drunter, so wie hingehört. Merciiiii.

 

 

 

Von Internetfreiheit und Selbsteinsicht

12 Tage. 12 Tage, abgeschottet von der „Welt“, aber irgendwie habe ich mich schon seit langem nicht mehr so mit genau dieser Welt verbunden gefühlt. Richtig geerdet, die Augen offen – 12 Tage (mehr oder weniger) ohne Internet. Ich war in den USA bei meiner Oma im Altersheim. Ich habe ihr den Rücken gekrault, Gesichtsmasken aufgetragen, vorgelesen und mit ihr über unsere divergierenden politischen Ansichten (Trump, echt jetzt?!) diskutiert. Es war eine tolle Zeit, aber eine Zeit ohne Wifi. Auf Datenpakete gibt es nämlich leider nach wie vor keinen Studentenrabatt.

Nach ehrlicher Selbsteinsicht muss ich sagen, dass ich anfangs schon etwas Mühe hatte. Grundsätzlich gehöre ich nicht zu der Kategorie Techniksuchti, die dauernd am Handy hangen. Ich schätze menschlichen Direktkontakt und hasse es, wenn ich mit Freundinnen einen Film schaue, sie aber parallel dazu konstant den Facebook Feed checken. Ausserdem besteht während Abendessen auswärts eine Regel: Der Tisch bleibt elektronikfrei, denn nichts ist schlimmer als diese Dates, bei denen beide während 20 Minuten schweigend die Nachrichten lesen. Das Beobachten alleine löst bei mir schon peinlichen Berührtsein aus. Trotzdem ertappe ich mich oft dabei, wie ich automatisch zum Smartphone greife, wenn es mir im Zug langweilig wird. Endlich die Sprachnachricht hören, die mit 12 Minuten schon ziemlich lang ist. News lesen, damit das Allgemeinwissen über das Weltgeschehen ebenfalls ein Update erfährt. Diese elenden Endlosgespräche in Gruppenchats überfliegen, weil man vorher ja nie Zeit hatte. Hauptsache abgelenkt und beschäftigt, oder?

Ich fühle mich nach meiner Auszeit richtig entspannt. Meine Oma will kein Smartphone. Die Begründung: „Ich habe 95 Jahre ohne Natel überlebt und es hat mir nie gefehlt. Wieso sollte ich das jetzt anders sehen?“ Wenn ich 6-Jährige mit Smartphone sehe, wird es selbst mir mulmig. Sich wirklich mit sich selbst oder anderen auseinandersetzen ist erst dann möglich, wenn man die technische Verbindung kappt. So praktisch es auch ist, immer und überall erreichbar zu sein, desto grösser ist auch die Gefahr, dadurch weniger empfänglich zu werden für wirklich wichtige Botschaften.

Freizeit: Ich fliege!

Was für ein catchy Titel, nicht? Leider ist es mir immer noch nicht möglich, ohne Hilfsmaschine zu fliegen, obwohl ich mir das als Mini-Me – so wie viele andere Kinder eben auch – sehnlichst gewünscht habe und es wohl immer noch tue. Ich fliege heute noch in die Vereinigten Staaten, um meine Familie zu besuchen. Im wunderschönen Owatonna, von dem bestimmt noch niemand jemals etwas gehört hat. In Owatonna gibt es genau eine Bar, die “Dog Pound Bar”, in der breitschultrige Trucker Limonade trinken. Owatonna befindet sich im Gliedstaat Minnesota, von dem wohl die meisten ebenfalls noch nie etwas gehört haben, abgesehen von der dort sehr aktiven “Black Lives Matter” Kampagne und Marshall von “How I met your mother”.

Es gibt ja bekanntlich Menschen, die sich richtig freuen, wenn sie in ein Flugzeug steigen dürfen. Ich gehöre definitiv nicht zu dieser Kategorie. Zwar nicht, weil ich als Grumpy Cat durch die Welt laufe, sondern weil es mir schlecht wird. Wenn ich nicht einmal rückwärts im Zug sitzen kann, dann könnt ihr euch ja vorstellen, wie es mir vor allem bei Abflug/Landung und Turbulenzen geht. Das kleine Säckchen im Vordersitz wurde für Leute wie mich entworfen, genau wie diese seltsamen Uhr-Gadgets, die angeblich durch ihre Impulse meinen zickigen Magen milde stimmen sollen. Wenn ich fliege, sehe ich aus, als hätte ich eine Urwaldtour geplant. Wasserflasche, Sprays, eben genanntes Gadget, Pillen und Schutzanzug (ist ja immer so kalt, dort drinnen).

Dann setze ich mich widerwillig auf meinen Platz, obwohl immer noch ein Funke Hoffnung in mir schlummert, dass ich einen kleinen Teil der Reisezeit werde schlafen können (Erfolgsquote bei ca. 0, 5 %). Als Vorwort muss ich hier nun abringen, dass ich Kinder mag. Ich mag Kinder vor allem auch sehr, wenn sie nicht neben mir sitzen. Das klingt fies, ist aber nicht so gemeint. Denn es ist so, dass ich auf jedem – wirklich jedem – Transatlantikflug ein Kleinkind neben mir habe. Es ist ein Fluch, weil Kleinkinder eben noch klein sind und der Druck auf den Ohren und alles drumherum einfach noch ungewohnt ist. Dafür habe ich Verständnis, weswegen ich anfangs noch lächle und nicke und meine Armlehne mit dem kleinen Menschen teile. Meistens geht aber dann unsere Beziehung bergab. Es schreit, strampelt, klagt und schreit noch ein bisschen mehr. Bei meinem letzten 8h + Flug sass ein Baby neben mir, welches während meinem Dösen in aller Seelenruhe begann, eine Strähne meiner langen Haare zu essen. Vielleicht dachte es, meine Haare seien Spaghetti, ich weiss es nicht. Aber nachdem es einen Hustenanfall bekam, wachte ich auf. Es hatte meine Strähne immer noch im Mund. Die Mutter zog sie aus dem Mund heraus und gab mir wortlos meine von Sabber triefende Strähne wieder zurück. Oh, merci. Wie nett von Ihnen. Wenn ich so überlege, kann es eigentlich nur besser werden.

10 seltsame Fakten über mich

Inzwischen sind es schon einige Jahre, in denen ich auf diesem Blog persönliche Gedanken – tiefgründigere und solche, die mir einfach so in den Sinn kommen und irgendwie unterhaltsam sind – teile. Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir deswegen wohl auf einer Wellenlänge sein müssen. Internet Friends sind wir, sozusagen. Deswegen will ich auch ein paar (um genau zu sein, 10) seltsame Fakten über mich teilen, damit wir uns noch ein bisschen besser kennenlernen. Übrigens dürft ihr mir gerne in den Kommentaren mitteilen, welche gewöhnungsbedürftigen Angewohnheiten oder Talente euch zugeschrieben werden. Denn nachdem ich diese Liste geschrieben habe, fällt mir auf, dass ich wohl als etwas weird eingestuft werden könnte. Zusammen kauzig sein macht doch so viel mehr Spass, oder?

1. Ich bin von Minipigs besessen. Ich wollte schon immer eins haben, wobei ich es wahlweise “Tiger” oder “Katze” taufen wollte. Allerdings waren meine Eltern nicht so von der Idee begeistert und zerschmetterten auf diese Weise meinen Traum. Buhu.

2. Dafür hasse ich Nagelfeilen. Ich schwöre, es gibt nichts Schlimmeres auf dieser Welt als Nagelfeilen. Sie sehen komisch aus, fühlen sich schrecklich an und sind zudem noch ineffizient. Nur schon beim Gedanken daran, eine Nagelfeile benutzen zu müssen, bekomme ich Gänsehaut.

3. Ich habe das beste Fake-Holländisch. Liegt wohl an meinen Genen, weil man Vater regelmässig ein ziemlich überzeugendes Fake-Russisch spricht. Er hat bereits meinen Onkel angerufen – er arbeitet im Gefängnis – und schrie auf Russisch herum, während dieser vor Nervosität kaum atmen konnte. Holländer empfinde ich zwar als weniger angsteinflössend als Russen, trotzdem ist er mein Vorbild. Wirkt übrigens wunderbar, wenn man in einer Bar Typen abwimmeln will.

4. Callcenter? No problem. Mir tun die Leute zwar immer etwas Leid, aber leider besteht ihr Job vor allem darin, andere zu nerven. Dummerweise antworte ich meistens automatisch und muss mir dann überlegen, wie ich besonders schnell und elegant aus der Sache fein heraus komme. Ich bin Meisterin darin, Callcenter-Mitarbeiter abzuwimmeln. Besonders effektiv ist der Spruch: “Ich wasche gerade meine Grossmutter”. Was will man da schon noch sagen?

5. Geschenke einpacken? Big problem. Eigentlich habe ich einen relativ hohen IQ; weshalb ich es mir selbst nicht erklären kann, wieso mir so etwas Simples wie Geschenke einpacken so verdammt schwerfällt. Ich kann es einfach nicht. Meine Geschenke sehen aus, als wären sie von einem Dreijährigen eingepackt worden. Das ist wohl sogar für Dreijährige beleidigend, dieser Vergleich.

6. Turbo-WC. Auf meinen Bewerbungsschreiben sollte ich eigentlich dieses Talent aufführen. Meine Freunde wissen es zwar, staunen aber weiterhin, wie schnell ich einen Klobesuch hinter mich bringe. Was ich mich frage: Was macht ihr denn so lange dort? Immerhin geht man ja dorthin, weil man einen gewissen internen Druck verspürt, oder?

7. Immer drei. Ich muss immer drei Mal niesen. Nicht einmal, nicht zwei Mal, sondern genau drei Mal. Es ist sogar so weit gekommen, dass meine Freunde mich fragen, ob alles in Ordnung ist, wenn ich es nicht auf meine gewohnte Anzahl schaffe.

8. Pyjama-Tick. Ich besitze mindestens 20 Pyjamas. Warum, kann ich selbst nicht nachvollziehen. Eigentlich braucht kein Mensch eine solche Auswahl an Nachthemden bzw. Sets mit peinlichen Prints (u.a. Minions, Betty Boop und ein besonders hässliches Exemplar in Pink mit dem Aufdruck “Princess”, weil ich es witzig fand). Ja, ich bemitleide meinen Freund ebenfalls.

9. Ich kann nicht böse gucken. Es ist wirklich eine Hürde in meinem Leben, weil sich meine Gesichtsmuskulatur einfach weigert. Ich versuche es ja wirklich, aber meine bösen Blicke sind ziemlich lächerlich. Trotzdem hasse ich es, wenn man mich dann nicht ernst nimmt. Niemals – aber auch wirklich niemals – wurde jemals ein Streit durch ein “Du bist so süss, wenn du wütend bist” beigelegt. Never ever.

10. Ich habe noch nie in meinem Leben geraucht. Seltsam, weil es wohl wenige Menschen gibt, die es nicht einmal probiert haben. Nicht ein einziges Mal, weil ich es wirklich ekelhaft und sinnlos finde. Rauchen bietet in meinen Augen keinen einzigen Vorteil. Als rationaler Mensch gelange ich so zu der automatischen Konklusion, dass ein Ausprobieren ebenfalls sinnlos wäre. Logisch, oder?

 

Filter der Generation Y

Gefiltert. Oder doch filtrieren? Wird es dadurch wirklich an Sinn verlieren; dieses Erlebnis – dieses Leben, das mit Filter doch so viel farbenfroher und lebendiger wirkt. Erinnerungen – durchzogen mit Nebelschwaden, unperfekt, wie der Alltag eben so ist. Makellos, wie er doch eigentlich sein sollte. Falten werden geglättet, Unebenheiten eben gemacht. Kaschiert, maskiert, weil Ehrlichkeit doch so viel Mut erfordert. Filtern, diese Augenblicke, die eigentlich nur im gelebten Leben wirklich real sind. Die Macht, die man darüber hat, nachdem der Moment verflogen ist. Einen Filter drüberziehen, weil Blindheit mehr Sicherheit bedeutet. Leuchtender, diese Sekunden, die eigentlich der Vergangenheit angehören und in die Gegenwart katapultiert werden. Scheinwerfer, die darauf gerichtet sind. Blendend; dieser Druck, alles verschönern zu müssen. Einen Filter applizieren, weil das Vergangene dadurch verzerrt werden kann. Verlängert, diese guten Erlebnisse. Ein Lifting, wenn man einen Durchhänger hatte, und das Schönscheinende eben doch nicht so schön war. Ein Aufsteller, wenn man kurz am Boden war. Abstauben, diese blutenden Knie, weil Schwäche uncool ist. Ihr wisst schon, in unserer Generation. So wichtig, was andere denken könnten. Immer im Konjunktiv, diese Minuten, die zerrinnen. Stunden, die sich zu einer Lebenszeit verdichten können, wenn man nicht aufpasst. Ungefiltert, diese Einsicht, die doch nur an der Oberfläche kratzt, geblendet durch die Oberflächlichkeit dieser Generation.