Mysterium Frau: Nachhilfeunterricht betreffend “Logik einer Frau”

Die Welt ist voller Mysterien. Wissenschaftler versuchen sie zu lösen, kleine Mädchen und Jungs fragen erstaunt ihre Eltern darüber aus und Philosophen schreiben Texte darüber, damit alle erhellt werden. Und dann gibt es darüber sicher noch eine Facebookgruppe.

Nichts auf diesem Planeten scheint davon verschont zu bleiben. Es gibt Fanseiten über Joghurts, Bretzel und Stars, Politiker, Autoren und Tiere. Dann gibt es noch Hassseiten für die Menschen, die unzufrieden mit sich selbst beziehungsweise über die Welt und ihre Ungerechtigkeit sind. Schliesslich gibt es die Seiten, welche tausende Fans haben und sich primär mit den Unterschieden zwischen den Geschlechtern beschäftigen und trotzdem keine Antwort bereit halten.

Heute sah ich auf Facebook dieses Bild, welches eine mir nahestehende männliche Person gepostet hatte. Natürlich fragte ich ihn aus Fairness um seine Erlaubnis, diese Frage hier aufgreifen zu dürfen. Ok, vielleicht hat er nicht explizit “Ja” gesagt, aber was kann ich denn dafür, wenn er eine meiner liebsten Inspirationsquellen darstellt?

Das Thema scheint Männer wirklich zu beschäftigen. Da stolzieren diese seltsamen weiblichen Wesen doch im Sommer schamlos in Bikinis durch die Gegend und erschrecken dann zutiefst, wenn jemand unerwartet ins Zimmer/in die Umkleidekabine platzt und sie in Unterwäsche sieht. Da ist doch kein Unterschied, oder?

Eben doch.

Die Antwort liegt darin, dass wir Frauen nicht alle Brasilianerinnen sind. Nicht, dass die alle gleich wären, aber trotzdem existiert ein Bikini, der dieses Mysterium anschaulich erklären kann: Der brasilianische Bikini. Diesen wenigen Zentimetern Stoff überhaupt einen Namen zu geben ist lächerlich, da sie praktisch inexistent sind. Ob Eva nun einen solchen Bikini trug wäre Adam wohl sowieso nicht aufgefallen, weil er vor lauter nackter Haut geblendet und überfordert gewesen wäre.

Es mag vielleicht ein paar Ausnahmen geben, aber die meisten mir bekannten Frauen bevorzugen etwas, das doch mehr bedeckt. Immerhin sind wir nicht alle Playmates und die, welche eine Chance dazu hätten, wollen es hoffentlich nicht sein. Wenn wir schon bei den Tieren sind: Die Badi ist kein Ponyhof. Dort gibt es genug  ”Grüsle”, denen man sich nicht auf dem Präsentierteller als hirnloses Lustobjekt zeigen möchte.

Unterwäsche ist eine ganz andere Kategorie. Sie ist persönlich und nicht für alle bestimmt. Ausserdem ist sie meist deutlich freizügiger, als Bikinis es sind. Es gibt natürlich auch hocherotische Ausnahmen, beispielsweise mit Schäfchen oder Snoopy drauf, dann versteht man den peinlich-erschrockenen Gesichtsausdruck der Frau rechts besser. Genauer möchte ich eigentlich gar nicht darauf eingehen, sonst lotse ich noch Lustmolche auf diesen Blog, die solche Bilder googeln.

Zum Schluss möchte ich nur noch eines sagen: So sehr sich Männer auch das Hirn über diese Logik zermartern mögen, insgeheim sind sie froh. Warum? Ich nehme Mal nicht an, dass sie sonderlich Freude hätten, wenn ihre Freundin voller Stolz und ohne Scham ihre Unterwäsche der Welt präsentieren würde.

 

Lesefutter: Ferdinand von Schirachs “Verbrechen”

Inmitten der Vorbereitungen für die Ankunft unserer kleinen Hündin Nahla, zwischen Gummiknochen und Zäune bauen, kam es mir in den Sinn. Unglaublich, aber wahr: Ich hatte neben all dem Hundefutter mein Lesefutter vergessen!

Das hat verschiedene Gründe. Früher verschlang ich monatlich mehrere Bücher, konnte über die Autoren und den Hintergrund der Geschichte recherchieren. Seit meinem Dasein als Studentin lese ich noch genau drei Dinge regelmässig: Die Zeitung, Time Magazine und meine Studienbücher. So sehr ich Romane auch liebe, irgendwann habe selbst ich genug Buchstaben gesehen. Ganz verzichten kann ich natürlich nicht. Auf meinen Nachttisch liegen ein Riesenschmöcker (The Pillars of the Earth von Ken Follet), ein unterhaltsamer Roman (Freunde von Simon Rich) und der Kurzgeschichtenband, den ich euch empfehlen möchte: Ferdinand von Schirachs “Verbrechen”.

Vorgestellt wurde uns dieses Werk während einer Vorlesung im Strafrecht. Laute Stimmen, die Geräusche von herauffahrenden Computern und das Rascheln von Blättern. Es war Freitag Morgen früh, die meisten wären lieber im Bett geblieben, der Rest fieberte bereits dem Wochenende entgegen. Doch plötzlich schaffte es der Assistent des Professors, unsere Aufmerksamkeit mit einem alten Trick auf sich zu lenken: Er las uns eine Geschichte vor.

Ferdinand von Schirach ist Rechtsanwalt und hat die Gabe, simpel und trotzdem packend zu erzählen. Die Ehrlichkeit seiner Worte ist fesselnd. Er schafft es, dem Leser einen Blick hinter die Kulissen zu gewähren und den juristischen Hintergrund mehr oder weniger erblassen zu lassen, damit die Figuren in den Vordergrund treten können. Man liest in einem kurzen Abschnitt in der Zeitung von einem Verbrechen und fragt sich, wie ein Mensch zu so etwas fähig sein kann. Wir verurteilen und stempeln die Täter oft automatisch als krank ab und schütteln den Kopf. Was aber, wenn hinter den Verbrechen ein normaler Mensch steht? Einer, der sein ganzes Leben lang eine unglaublich schwere Bürde tragen musste? Was, wenn eine junge Frau ihren Bruder aus Liebe tötete oder hinter der Tat noble Absichten standen?

Genau solche Geschichten schildert von Schirach. Sie klingen zum Teil unfassbar, aber sie sind wahr. Nur jemand, der am Prozess beteiligt und die Menschen hinter den Taten kennen lernte, kann ihr Schicksal auf diese Art beschreiben. So gelingt es dem Autor, etwas zu schaffen, was mir bis dahin relativ fremd war: Ich hatte teilweise Mitleid mit den Tätern. 

Es lohnt sich, diesen Band zu lesen. Sei es auch nur für die wunderbare Weise, wie Ferdinand von Schirach die Gesellschaft und unsere Vorstellung von Gerechtigkeit hinterfragt.

 

Notizen an mich selbst: 10 Dinge, die ich immer mache, wenn ich lernen sollte

Was, dieser Bücherstapel wirkt auf dich nicht anziehend? Du verspürst keinen ungebändigten Drang, ihn zu umarmen oder zu streicheln? Echt, etwas stimmt mit dir nicht. WEIRD.

Mit solchen Motivationsreden versuche ich mich dazu zu bewegen, mich endlich hinter mein Pult zu klemmen und das Zimmer stundenlang nicht zu verlassen. Es liegt nicht daran, dass mich die Materie nicht interessieren würde. Ich bin lernwillig und geniesse es unter Umständen sogar, neue Informationen zu verarbeiten. Trotzdem schaffe ich es manchmal einfach nicht, die Sonne draussen zu ignorieren, den Anruf einer Freundin nicht zu beantworten oder den anderen ach-so-nicht-Unistoff-mässigen Roman beiseite zu legen. Dazu kommen noch viele weitere Dinge, die vielleicht nicht so naheliegend und normal sind.

Hier ist also meine Liste von Dingen, welche ich in diesem Ausmass nur mache, wenn ich eigentlich lernen müsste.

1. Alle 20 Minuten in die Küche gehen und etwas Essbares suchen

2. Freudig aufräumen

3. Meine Socken nach Farben sortieren

4. Mit Leuchtstiften tanzende Männchen malen

5. Mit Leuchtstiften Mam anzumalen versuchen

6. “We don’t need no education” von Pink Floyd singen

7. Bilder von Minipigs auf dem Internet anschauen

8. Mails an entfernte Verwandte schreiben

9. SMS-Abkürzungen wörtlich nehmen und ausleben (Wer hat schon einmal “rofl” (rolling on the floor laughing) ausprobiert? Macht richtig Spass!)

10. “Uiiiii” rufen und mich auf dem Bürostuhl in Kreisen drehen

 

Natalies Lebensweisheiten (als Beziehungstherapeutin): Angurten, bitte!

Wer kann sich mit seinen Freundinnen treffen und nicht über den Freund (oder in anderen Fällen den Typen, den man gerade kennengelernt hat) reden?

Männern scheint dies immer wunderbar zu gelingen. Bei Frauen und besonders in meinem Freundinnenkreis gestaltet sich dies sehr schwierig. Es gibt einfach zu viele Anekdoten, die anderen möglicherweise unwichtig erscheinen würden, aber so viel über eine sich anbahnende oder bereits bestehende Beziehung aussagen. Letzthin war ich mit einer Freundin in einer Bar. An diesem Ort, inmitten vieler Menschen, stellte sie mir die Frage: “Über was streitet ihr beiden eigentlich am häufigsten?” Wenige Sekunden später hat sie das wohl bereut. Auch wenn sie es nicht zugeben will.

Ich schaffe es nämlich ebenfalls nicht, einfach normal zu reden. Ich spreche jeweils mit Händen und Füssen. Besonders bewegende Geschichten spiele ich unter Umständen sogar vor, wenn es die Peinlichkeitsskala erlaubt. Ich singe, ich tanze, ich schneide Grimassen. Es ist actionreiches Erzählen, sage ich euch.

Genau auf diese Muster bin ich zurückgefallen, als sie mich das gefragt hat. Denn so lächerlich meine Antwort auch klingen mag, eine Welt lag darin: “Wir streiten am meisten über seine Unfähigkeit, sich anzugurten.”

Ja, ihr habt schon richtig gelesen. Betrügereien und solche Themen sind nicht wirklich unser Ding. Wir streiten uns lieber über Sachen, die absolut selbstverständlich sein sollten. Das Problem ist aber, dass mein Freund nicht gleicher Meinung ist. Er schafft es einfach nicht, daran zu denken. Ist ja auch wahnsinnig schwierig…Schlechteste Ausrede aller Zeiten.

Es liegt wohl daran, dass er am liebsten quasi liegend Auto fährt. Den absoluten Chill-Out Faktor würde ein Sicherheitsgurt übermässig stören. Stelle ich dieses Verhalten fest, schaue ich ihn zuerst missbilligend an:

Da er diesen Blick konsequent ignoriert, meine ich dann: “Schatz, könntest du dich bitte angurten?”- “Ich fahre gerade.”- “Dann halte an.”- “Kann ich nicht.” Er fährt einfach weiter und fordert das Schicksal heraus. Dann kommt Phase 2:

 

“Weisst du eigentlich, wie sehr ich dich liebe? Wie leer mein Leben ohne dich wäre?” Ob dieser krassen Romantik wird sogar er stutzig. Das heisst natürlich nicht, dass es nicht stimmen würde. “Könntest du dich nicht wenigstens pour moi angurten? Bitte?” Er starrt auf die Strasse. Als würde das etwas bringen, wenn ein Reh auf die Fahrbahn springen würde. “Schatz, es ist gefährlich.”- “Ach was, es passiert schon nichts!”- “Ah ja? Und was machst du wenn ein Nashorn plötzlich auf die Strasse spaziert?”- “Es wird kein Nashorn kommen.”- “Der Zirkus Knie ist gerade in der Nähe, sei dir nicht so sicher!”

An dieser Stelle ist meine Geduld meist am Ende. Echt, wie können einen solche schlagenden Argumente nicht überzeugen? Was stimmt mit ihm nicht? Er muss einfach lernen, auf mich zu hören. Und wer nicht hören will muss fühlen.

“GURTE DICH AN! SOFORT! ”

Ich würde euch gerne demonstrieren, mit welcher Nashorn-Lautstärke ich diesen Satz schreie, aber das würde euren Computer wahrscheinlich explodieren lassen.

Nach einem erschrockenen und gleichzeitig angsterfüllten Blick (Ich bin mit einer Wahnsinnigen zusammen!) gurtet er sich dann an. Ich habe den Sieg davongetragen. Nächste Etappe: Ihn von Anfang an dazu zu bringen, sich anzugurten. Um seiner Vergesslichkeit entgegenzuhalten habe ich diesen schönen Zettel vorbereitet:

 

Wer meine Schrift nicht lesen kann: 11. Gebot: Du sollst deiner weisen Freundin nicht widersprechen und dich angurten!

Dieser Zettel wird ab morgen auf seinem Lenkrad kleben. Wer widerspricht schon den neuerdings 11 Geboten? Sonst liest vielleicht ja ein Polizist gerade diesen Blog. Wenn eine Busse nicht der Anfang einer Besserungskur ist!

Freizeit: Ausverkaufsmonster

Gestern habe ich in Zürich ein Monstern gesehen. Es sah etwa so aus:

 

Möglichweise ist dies leicht übertrieben. Eigentlich stammt dieses Bild von Trekkie Monster aus dem Musical “Avenue Q”, welches ich mit meiner Freundin Seline in New York besucht habe. Trekkie Monster ist ausserdem meine Lieblingsfigur. Aber das ist nur Nebensache. Die Hauptaussage ist, dass ich viele unheimliche Menschen am Ausverkauf nach Weihnachten gesehen habe, und einige waren richtig aggressiv und bösartig. Muss wohl am Hexen- und Monsterpunsch gelegen haben, welcher an einem Stand verkauft wurde.

Als ich heute meinen Freund fragte, ob er eine glorreiche Idee für einen Blogeintrag hätte, meinte er: “Schreibe über das Monster aus dem Laden.” Normalerweise versuche ich mich ja eher auf allgemeine Themen zu konzentrieren, aber da diese Seite hier beinahe als Online-Notebook fungiert, gehören Anekdoten genau so dazu. Meine Geschichte ist durchaus Teil von einem grösseren Ganzen, nämlich dem Shoppingwahn nach Weihnachten und was dieser mit ganz normal Otto-Normalverbrauchern anstellt. Wer braucht schon Vampire und Werwölfe, um Menschen in Gräuelwesen zu verwandeln, wenn es den Ausverkauf gibt?

Alles fing harmlos in irgendeinem Laden in irgendeiner Strasse an. Gedränge, zusammengezogene Augenbrauen, Elbow-Action. Zu wenig Garderoben, zu viele Kleider. Dann die resignierte Feststellung, dass jemand ganz dreist eine Garderobe einfach reserviert hatte, und frischfröhlich weiter im Laden herumstöberte. Mein Freund meinte ganz sachlich: “Wenn es alle nötig hätten, eine Garderobe zu reservieren, dann wären wir noch bis morgen da.” Dieser Satz hätte unser Ende bedeuten können.

Denn plötzlich schrie eine heisere Stimme: “Wenn es euch nicht passt, dann geht in einen anderen Laden ihr $!&%*’£! AAAAAAAARRRRGHHH!”

Ok. Vielleicht gab es keinen Kampfschrei und sie trommelte sich auch nicht auf die Brust. Der Effekt auf mein sanftes Gemüt war aber gleich: Vor mir baute sich ein riesiger Berg von Frau auf, breitbeinig und mit lodernden Augen voller Mordlust. Ihre Hände waren erschreckend gross und auf einmal war ich mir nicht mehr sicher, ob mein starker Freund mich auch wirklich beschützen könnte. Diese Amazone war eine Terminatrix.

Am liebsten hätte ich lauthals geschrieen und wäre schneller als der Wind aus dem Laden gerannt. Doch im nächsten Moment stellte ich fest, dass ich mich gar nicht zu beeilen brauchte. Sie würde sich nämlich nie und nimmer von den geliebten Klamotten trennen, um uns quer durch Zürich zu verfolgen. Ausserdem konnte sie sich in diesen engen Hosen kaum bewegen. Nein, es würde keine Natalie zum Abendessen geben, dessen war ich mir sicher.

Noch nie war ich nach einem Shoppingtag so müde. Ich musste mich den ganzen Nachmittag vor dem Zertrampeln retten und kämpfte um mein nacktes Leben. Es war anstrengend, aber trotzdem schön. Ausserdem war mir klar, dass alle diese Schnäppchenjäger, die mich geboxt,geschubst und fast zerdrückt hätten, bald wieder menschlich werden würden. Nach dem Ende des Ausverkaufs wird alles wieder normal.

Zum Schluss noch ein Lied für die Dominatrix und eine Idee für ihre Geldinvestition: http://www.youtube.com/watch?v=9uOENpIUVos

Notiz an mich selbst: Falls sie dies liest, bin ich tot. Hoffentlich weiss sie nicht wo ich wohne.