10 ÖV-Typen, die jeder kennt

Diese Liste gab es zwar schon einmal, aber inzwischen bin ich weiser geworden. Wenn man bei der Google Suchmaschine “Pendler in der Schweiz” eingibt, stechen einige Titel ins Auge: “Pendeln – der mobile Wahnsinn” (safe), “Pendler leiden unter Stress” (äuä, weil ich Solothurnerin und zeitweise Wahlbernerin war), “Ab 50 Minuten macht pendeln krank” (Quelle: 20 Minuten). Wenn ich am Ende meines Lebens zusammenrechnen könnte, wie viel Zeit ich zusammengenommen während meiner gesamten Existenz in ÖV verbracht habe, würde ich mich wohl gleich von einer Wolke stürzen. Man solle produktiv sein im Zug, habe ich gehört. Das kann nur von Leuten kommen, die nicht wirklich oft Zug fahren (oder eine wahnsinnige Abgrenzungs- und Konzentrationsgabe haben, wieder eine Minorität). Denn in Realität gibt es 10 verschiedene Typen, die jeder mindestens einmal in ÖV angetroffen hat. Übrigens habe ich aus reiner Faulheit die Kategorien männlich benannt, aber offensichtlich ist das Ganze gender-neutral. Nicht böse nehmen, denn eigentlich bin ich kein Wutmensch. Alles mit einer guten Prise Humor, meine Lieben.

1. Das Arbeitstier: Es gibt Dinge, die interessieren mich nicht. Und dann gibt es Dinge, die mich wirklich nicht interessieren, die ich aber zwangsweise mitbekomme, weil ich keine Wahl habe. Wir sprechen hier vom Maximalfall Schwätzer, der mit einem durchdringenden Tenor durch das ganze Abteil schreit. Oft wird dabei betont, wie unglaublich wichtig dieses Gespräch doch sei, weil hohes Tier von XY. Erstens kratzt mich das echt nicht, und zweitens stellt sich dann die Frage: Was machst die Person dann bei uns Proletariern in der 2. Klasse?

2. Der Schnäuzer: Auch kranke Menschen wollen ÖV fahren. Das verstehe ich, ist bei mir nicht anders. Allerdings möchte ich dabei nicht mit den gebrauchten Kleenex anderer dauernd konfrontiert werden. Die gehören in eine Hosentasche oder sonst irgendwo hin, aber ganz sicher nicht auf den Tisch in der Mitte oder auf den Sitz. Und was noch schlimmer ist: Der Schnäuzer, der lauthals drauflos niest und dabei die Hände nicht vor den Mund hält. Bakterienschleuder, merci.

3. Die Herzigen: Wir wollen ja nicht schwarzmalen. Es gibt auch die Herzigen. Vor kurzem habe ich zum Beispiel ein altes Ehepaar gesehen, die die ganze Zugfahrt von Olten bis Genf Händchen hielten und dabei miteinander tuschelten – Zukunftsziel. Dann gibt es auch die süssen Kinder, die (still) winken und dich anstrahlen. Hach, im Zug kann’s auch schön sein.

4. Die Gangster: Als ich 14 war, dachte ich, es sei eine unschöne Erscheinung unserer Generation. Aber nein, es gibt sie überall und wahrscheinlich für immer: Die Gruppe Jugendliche, die extrem laut extrem aggressive Musik hören und gleichzeitig schreien, damit sie einander überhaupt verstehen können, da Gedröhne. 15 Minuten? Meinetwegen. Aber eine ganze Zugfahrt lang andere quälen und dabei meistens noch eine Sonnenbrille tragen, obwohl es keine Sonne hat – wirklich?

5. Die Sitzbesetzer: Ein Klassiker. Der Bus/das Tram/der Zug ist vollgestopft, Feierabendverkehr. Egal wie viele Menschen sich wie Sardinen auf einer zu kleinen Fläche befinden, es wird immer diesen einen Menschen geben, der so tut, als bemerke er das nicht und sich: entweder an den Rand setzt, obwohl daneben ein Sitz frei wäre (1.) oder auf den freien Randplatz sein ganzes persönliches Gepäck ablegt, obwohl der Boden dafür durchaus geeignet wäre (2.). Wenn du dann nett fragst, ob er das bitte ändern könnte, wird lauthals geseufzt. Mein Mitleid ist grenzenlos, echt. NOT.

6. Der Hungrige: Zwiegespalten, denn manchmal bin ich ehrlich gesagt einfach nur neidisch, weil ich selbst essen möchte. An anderen Tagen will ich einfach nur das Fenster runterlassen und tief die frische Luft einatmen, weil das ganze Abteil plötzlich nach Döner mit Knoblauchsaucé stinkt, genussvolles Schmatzen inklusive. Nichts gegen Knoblauch, aber damn, das Zeug riecht mächtig.

7. Die Gossip Queen: Mich stört es nicht, wenn jemand in normaler Lautstärke telefoniert oder mit dem Nachbar redet – das wäre Typ 8. Aber was gar nicht geht, ist wenn jedes peinlich minutiöse Detail der persönlichen Lebensgeschichte auf dem Silbertablett serviert wird, weil dieses elende Tablett leider im ÖV ist. Deine Beziehungsprobleme und Bettgeschichten gehören wirklich nicht dorthin, wo viele unschuldige Ohren zwangsläufig mithören. Sonst landest du vielleicht eines Tages in einer dieser Pendler-Kolumnen oder hier.

8. Die Ruhenden: ÖV ist keine Wohlfühloase. ÖV ist kein Meditationszenter. ÖV ist kein Spa-Wochenende. Dort darf man Ruhe erwarten. In Verkehrsmitteln leider nicht. Alles hat natürlich seine Grenzen (vgl. oben), aber wenn man schon böse angeschaut wird, wenn man nur atmet, geht es zu weit. Auch im Ruhe-Abteil ist es möglich, dass man sich kurz bewegen muss und dabei vielleicht etwas raschelt. Dafür verdient man nicht diesen vernichtenden Blick.

9. Der Fuss-Nudist: Ok, rein theoretisch ist der Fuss nicht ganz nackt, aber es könnte fast sein. Warum, warum, würde jemand im Zug seine Schuhe ausziehen? Im Sommer kann es heiss sein, ja. Aber dafür gibt es Sandalen. Und im Winter sind diese Wuschelsocken zwar schön warm, aber im Zug ist es eben auch schön warm. Das gibt niemandem das Recht, die unausgesprochene Regel jedes öffentliches Verkehrsmittels zu verletzen, dass Schuhe an den Füssen zu bleiben haben.

10. Die Offenen: Geschmacksache und abhängig vom Tag sowie den Gegebenheiten, aber grundsätzlich mag ich die Offenen. Das sind die, die spontan mit dir ein Gespräch anfangen, weil sie einen Blick auf den Artikel erhaschen, den du gerade liest/schreibst. Das wären auch die, welche nach Tipps für die Region fragen oder einfach nur ein chilliges Gespräch mit einer fremden Person anfangen wollen, weil: Wieso nicht? Wir sind eh alle hier gefangen, wir können genau so gut das Beste daraus machen.

Die Moral der Geschicht’: Leidensgenossen können auch Freunde für eine kurze Fahrt werden. Leider reimt sich das nicht.

Entschuldige meine Entschuldigung

Entschuldigungen können heilend sein. Einsicht, das Versprechen von Besserung, das Realisieren eines Fehlers. Therapeutisch wirken sie, sagen einige. Das aber nur unter einer Bedingung: Wenn sie ehrlich gemeint sind.

Das klingt banal, aber es schwingt viel Wahrheit mit. Während ich früher nur zähneknirschend ein halbherziges “Sorry” flüstern konnte, fällt es mir heute relativ leicht, mich zu entschuldigen, wenn ich es denn auch so meine. Ich kann nur schwer einen Fehler eingestehen, wenn ich nicht verstehe, warum es überhaupt ein Fehler war. Simpel, könnte man meinen, aber ein kursorischer Blick in meine Umgebung zeigt, dass dem vielleicht doch nicht so ist. Beziehungsdramen sind anstrengend genug, aber für eine nachhaltige Versöhnung ist es unabdingbar, dass der andere versteht, was denn schief gelaufen ist. Ansonsten wird sich die Sache wiederholen und zusätzlich mit Frustration multiplizieren – ein Powerpaar, dem ich lieber aus dem Weg gehe. Aber wie erkennt man eine aufrichtige Entschuldigung? Was passiert, wenn der andere genau weiss, was man denn hören möchte, aber sein Verhalten nicht ändert? Oder es sogar einsieht, aber es nicht schafft, sich entsprechend anzupassen?

Zukunftsbilanz in der Gegenwart ziehen ist überhaupt nicht einfach. Zu negativ und man gibt dem Gegenüber nicht wirklich eine Chance. Zu positiv und man erhöht die Wahrscheinlichkeit, verletzt zu werden. Emotionsgeladen neutral zu bleiben scheint unmöglich. Dieses “Warten und mal Schauen” klingt vielversprechend, aber nicht jeder schafft es, sich so gelassen zurückzulehnen und Vollgas Richtung unsichere Zukunft zu fahren. Klar ist nur, dass eine Entschuldigung, die nur zur Streitschlichtung dient, wenig Wert hat. Einsicht ist immerhin der erste Schritt Richtung Besserung.

Take it or leave it?

Es gibt Sätze, die können nicht 1:1 übersetzt werden, ohne etwas zu verlieren. Sie beschreiben eine Situation innerhalb von wenigen Worten, lösen einen inneren Aha-Moment aus oder sind einfach nur treffsicher. So geht es mir mit dem Satz: “Take it or leave it”. Nimm es (an), oder lass es (sein) – hat auch was, aber der Rotzgören-Effekt bleibt etwas aus, was in gewissen Situation durchaus etwas Positives hat.

Heute will ich über das Thema Verändern schreiben. Nicht im Sinne einer Bauarbeit an sich selbst, die wir alle laufend unternehmen sollten, denn niemand will stehen bleiben. Es geht mir eher darum, ob es wünschens- oder erstrebenswert sein sollte, jemand anderen zu verändern, sei das nun in der Freundschaft oder bei einem (potentiellen) Partner. Soll man den anderen so annehmen, wie er nun einmal ist? Oder ist es ganz normal, wenn man gewisse Charaktereigenschaften trimmen will? Und wenn ja: Dürfen das auch fundamentale Dinge sein oder nur schlechte Angewohnheiten?

Den anderen als Projekt zu betrachten, ist ziemlich sicher nicht der Weg zum Glück. Früher schien alles ein bisschen einfacher zu sein. In der ersten Beziehung waren beide noch etwas formbarer; es war ein Geben und Nehmen mit ganz viel Lernen. Beide veränderten sich im Verlaufe der Jahre, bis dieser Moment kam, an dem man sich fragen musste: Passen wir noch zusammen? Oder sind wir ganz andere Menschen geworden, mit anderen Mindsets? Vielleicht spreche ich hier eher aus eigenen Erfahrungen, aber ich habe inzwischen den Eindruck, dass diese Formbarkeit abhanden gekommen ist, jedenfalls bis zu einem gewissen Grad.

Ich weiss inzwischen, was meine Stärken und Schwächen sind, wo Kompromissbereitschaft möglich sein wird und wo es für mich nicht in Frage kommt. Man kennt sich selbst besser und weiss eher, was passt und was nicht. Es gibt gewisse Eigenschaften oder Ansichten, die einfach nicht in meine Welt passen. Was, wenn vieles stimmt, aber eben doch nicht alles? Wenn es Banalitäten sind, kein Problem. Aber was passiert, wenn es Grundlegenderes betrifft, z.B. ob die andere Person dauernd locker Sachen verspricht, sie dann aber nicht einhält, oder die Wahrheit immer etwas zurechtbiegt? Vieles führt auf die Kindheit zurück, wie jemand erzogen wurde, was er in vergangenen Beziehungen erlebt hat, usw. Ich bin ungeduldig, zum Beispiel, und obwohl ich daran arbeite werde ich nie ein Engel der Geduld sein, realistisch betrachtet. Nicht jede Eigenschaft passt klar ins Raster “gut/schlecht”. Meine Präferenzen diktieren nicht, was moralisch akzeptierbar ist oder was nicht. Wenn es also solche Reibungsflächen gibt, die langsam wirklich schmerzen: Gehen oder bleiben? Ist es möglich, jemand anderen genau so anzunehmen, wie er ist und das Gleiche von dem Gegenüber zu verlangen? Idealerweise wäre die Antwort ja. Aber manchmal klopft Realität an die Tür. Und ihr wisst ja, ich bin ungeduldig.

Beauty Quickies: 4 Produkte, die nun offiziell leer (und empfehlenswert) sind.

Produkte ausprobieren macht Spass, aber wenn man das öfters tut, bleibt dabei viel liegen. Einiges wird weiterverschenkt, anderes nach hinten in den Badezimmerschrank verbannt. Unter diesen Umständen muss ich ein Produkt wirklich lieben, um es in den inneren Zirkel zu lassen. Wenn ich mit Freundinnen über Produktempfehlungen spreche, interessiert es mich oft am meisten, was sie denn aufgebraucht haben. Das ist ein wahrer Liebesbeweis im Lifestyle- und Beautybereich. Hier also kurz 4 Produkte, die ich euch von Herzen weiterempfehlen kann – comme toujours.

 

1. Dove “Reichhaltige Body Milk“ (5.20 für 400 ml) 

Es gibt Körperpflegeprodukte, wo es sich absolut lohnt, etwas mehr zu investieren. Vor allem im tiefen Winter greife ich zu sehr feuchtigkeitsspendenden Bodylotions, um vor der beissenden Kälte zu schützen. In der Zwischenzeit ist meine Routine zweigeteilt: Für den Oberkörper brauche ich eine (wenn möglich natürlich) parfümierte Lotion, für den Unterkörper und hartnäckige Stellen wie Ellbogen und Knie eine neutrale, preiswerte Variante, die aber trotzdem zuverlässig pflegt. Aufgebraucht habe ich die “Reichhaltige Bodymilk” von Dove, spezifisch für trockene Haut entwickelt. Kein penetranter Duft, ziemlich dickflüssig, zieht aber schnell ein, langanhaltende Feuchtigkeit. Wer eine günstige, aber gute Lotion sucht, liegt hier richtig.

2. The Body Shop “Vitamin C Energizing Face Spritz” (Alternative für 14.95 bei The Body Shop

Ich weiss, das ist jetzt ein bisschen fies, aber natürlich mache ich das nicht ohne Grund. Dieses Szenario ist den meisten von uns wahrscheinlich schon mindestens einmal passiert: Produkt wird geliebt und geht zu Ende, man will es nachkaufen, aber muss resigniert feststellen, dass es das Produkt nicht mehr gibt. Keine Panik – dafür sind Kundenberater da. Oft gibt es nämlich ein Nachfolgerprodukt oder es wurde einfach umbenannt. Ideal wäre es, wenn man schildern könnte, welche Eigenschaften oder Effekte man besonders schätzte. Für mich war es der revitalisierende Frischekick, gepaart mit kaum spürbaren Schicht Feuchtigkeitsbarriere. Zudem verschmolz der Spray mit meinem Makeup und liess meinen Teint weniger “pudrig” erscheinen, ein Look der nur vom Sonnenkönig Louis XIV gerockt wurde. Als Alternative gibt es deswegen neu bei The Body Shop den “Mandarin Facial Mist” als Pick-Me-Up für müde, stumpf aussehende Haut.

3. Dessange “Nährendes Elixier” (bei grösseren Coop City erhältlich) 

Hier ist ein Beispiel für ein Produkt, das inzwischen ein neues Aussehen und damit eine neue Verpackung erhalten hat, aber immer noch den gleichen Effekt erzielt wie vorher. Das nährendende Elixier von Dessange liegt im mittleren Preisbereich und enthält zwei nährende Öle, kommt aber als handliche Crème aus der Pumpe. Für jemanden, der mit Öl oft etwas zu grosszügig umgeht, ist das ideal – keine Gefahr, dass danach die Mähne nach einer Woche ohne Waschen aussieht. Vor allem für längere Haare mit trockenen, ausgefransten Spitzen würde ich dieses Produkt empfehlen. Kann auch bei trockenen Haarstellen allgemein verwendet werden und macht das Haar wieder geschmeidig.

4. Wet n Wild “Photofocus Foundation” (bei Coop City, weniger als 7 Franken, yaaaas!) 

Die ideale Foundation zu finden ist immer ein Kampf: Entweder ist die Farbauswahl nicht ideal, das Produkt zu teuer oder die Textur unangenehm, einige lassen den Teint maskenhaft wirken und andere wiederum halten nicht lange genug. Ich benutze zwar verschiedene Foundations, welche ich jeweils für verschiedene Anlässe einsetze, aber für den Alltag ist mein Favorit die “Photofokus Foundation” von Wet n Wild. Preis unschlagbar, aber trotzdem in einer edlen Glasflasche verpackt. Die Deckkraft ist leicht bis mittel, lässt sich aber aufbauen. Wer gerne Selfies macht, wird sie ebenfalls lieben, denn der Name kommt von der Tatsache, dass das Makeup beim Fotografieren keinen Weiss-Schleier verursacht. Ausserdem lässt sie sich wunderbar einarbeiten, wo sie nahtlos mit der Haut verschmilzt. Die Farbauswahl lässt zwar etwas zu wünschen übrig, dafür ist aber der Unterton weder zu pink noch zu gelb. Nachpudern wird zwar nötig sein, aber grundsätzlich ist die Haltbarkeit gut. Wer also im Alltag eine Option sucht, die den Teint auf natürliche Weise perfektioniert, liegt hier genau richtig!

 

Zurück in die Kindheit.

Als ich 16 war, konnte ich es kaum erwarten, 20 zu werden. Als ich 20 wurde, hielt ich 25 für einen Meilenstein zum Status eines hochoffiziellen, extra-erwachsenen Erwachsenen. Und nun, mit über 25, will ich irgendwie so bleiben. Denn langsam multiplizieren sich Freunde, heiraten oder ziehen mit ihrer manchmal besseren, manchmal weniger guten Hälfte zusammen. Ich bin noch nicht so weit, Hilfe.

Jeder soll natürlich das tun oder lassen, was ihm zusagt. Diese leicht dramatische Einleitung soll aber eigentlich einem anderen Zweck dienen: Dem Erinnern an die Kindheit, wo alles so viel simpler war, ausser wenn man unter der Decke versucht hat, Gameboy zu spielen und danach erwischt wurde. Samstags war ich zu Besuch bei einer guten Freundin in Bern. Sonntag Morgen realisierten wir dann, das beim”Adulting” definitiv noch Luft nach oben bleibt. Sie zuckte entschuldigend die Hände, als wir in ihren leeren Kühlschrank starrten. “Ich habe nur Fruchtzwerge”, meinte sie dann lachend. Und eine Welle der Erinnerungen schwappte über uns, denn Fruchtzwerge sind so was von Kindheit. Eins kann ich euch sagen: Sie sind viel schneller leer und kleiner, als sie damals erschienen.

Ab und zu denke ich noch darüber nach, dass wir wohl die letzte Generation sind, die in den Neunzigern ohne Handy aufgewachsen ist. Um ganz ehrlich zu sein, bin ich darüber echt glücklich. Wir spielten im Garten, bauten Hütten aus Holz und “Höhlen” aus Wolldecken im Wohnzimmer, wenn es zu kalt war. Im Restaurant gab es noch diese papiernen Untergedecke zum Ausmalen und die Kellner brachten die farbigen Stifte, die bereits von unzähligen anderen gelangweilten Kindern vor mir gebraucht wurden. Mario Kart war das Highlight, aber ich durfte keine Playstation haben – wieder etwas, für das ich dankbar bin, denn dafür hatte ich nach 5 Jahren Primarschule die ganze (wenn auch überschaubare) Schulbibliothek durchgelesen, von Pünktchen und Anton bis Sachbücher über das Weltall. Paps liess sich von mir schminken und meine Mam liess ihre Haare von mir verunstalten.

Aber das Ganze geschah ohne Online-Präsenz, ohne Facebook im Alter von 10 Jahren und ohne fiese Kommentare online, die deutlich weniger Mut erfordern und nicht so schnell überhört werden. Ich klinge vielleicht sehr nostalgisch, aber das liegt daran, weil es auch bin. Denn wenn ich heute Kinder sehe, haben viele mit 8 bereits ein Smartphone und können ihren Blick kaum davon lösen. Es ist erschreckend, aber ein Abbild unserer Zeit, in der Interaktion und Gespräche vielen leichter fallen, wenn sie durch eine Tastatur geschehen. Ein bisschen ironisch, das ich das gerade schreibe, während ich blogge. Aber trotzdem: Nichts kann einen echten, atmenden Moment ersetzen – oder Fruchtzwerge.