10 Anzeichen, das man vielleicht die Jobwahl überdenken sollte

Meine Weihnachtszeit war nicht gerade festlich. Kein Glühwein, keine Lichterketten, sondern nur der schummrige und leicht deprimierende Schein meiner Bürotischlampe, welche den Stapel Papier auf meinem Schreibtisch noch grösser erscheinen liess, als er bereits war. Für Studenten ist die Weihnachtszeit oft die Prüfungszeit, weil wir anscheinend kein fröhliches Fest verdienen, dafür aber im Januar vor uns hinvegetieren dürfen. Weihnachtsguezli als Hirn-Food, der Xmas-Pulli als Auffangnetz für die vergossenen Tränen einer verlorenen Jugend. Ironie off – denn in meinem Fall bin ich absolut selber Schuld, da ich einen zweiten Master anstrebe. Denn während des Studiums habe ich gemerkt, dass der typische Anwaltsberuf nichts für mich ist. Wenigstens bin ich noch auf der gleichen Schiene, wenn auch im internationalen Bereich des Rechts. Aber hey, ich bin nicht allein. Hier 10 Anzeichen, die darauf hindeuten, dass man bei der Berufswahl vielleicht etwas danebengegriffen haben könnte, subjektiv von einer Jus-Studentin geprägt. Aber bitte nicht persönlich nehmen – zum Glück sind wir ja alle anders und haben andere Vorlieben.

1. Schlaffördernd: Wer morgens um 8 im Büro oder im Vorlesungssaal sitzt und regelmässig einnickt, trotz Kaffee, hat sich diese Frage wohl schon mehr als einmal gestellt. Wenn der Inhalt einfach so unglaublich öde ist, so dass es wie eine Gute-Nacht-Geschichte wirkt…

2. Grumpy: Der Gedanke an die Arbeit macht vielleicht auch solche nicht gerade glücklich, die ihren Job eigentlich mögen. Aber wenn gewisse Themengebiete sich wie Horrorfilme in Dauerschleife anfühlen, dann sollte man sie wenn möglich vermeiden (Erbrecht, Scheidungsrecht, Steuerrecht).

3. Uhrzeit: Wenn man eine Uhr bevorzugt, die nicht nur die Minuten anzeigt, sondern sogar die Sekunden, damit man die Leidenszeit ganz genau abschätzen kann, dann ist es definitiv kein gutes Zeichen. Ich gebe zu: Für gewisse Themen habe ich sogar die Stoppuhr auf dem Handy benutzt. Maximaler, dramatischer Countdown-Effekt.

4. Ende des Lateins: Witzigerweise war Latein sogar mein Lieblingsfach im Untergymi. Inzwischen frage ich mich aber regelmässig, ob ich Recht oder Latein studiere. Kurze Ausdrücke wie “verbatim” oder “ergo” sind kein Problem, sogar übersichtliche Mini-Sätze sind akzeptabel (“de minimis non curat lex”, z.B.). Aber wenn es ganze Maxime sind, die ein Professor mit Latein auszudrücken versucht, erinnere ich mich nur an “Asinus stultus est” (“Der Esel ist dumm”).

5. Ferien für immer: Die Ferienzeit kann durchaus dazu führen, dass man tiefe Gespräche führt und gewisse Dinge hinterfragt. Wenn aber jede Ferienwoche zu einer kurzen Sinnkrise plus potentieller neuer Lebensausrichtung führt, wäre es vielleicht an der Zeit, Google nach Weiter- oder Umbildungen zu fragen.

6. Neue Sprache: Für Sprachliebhaber wie mich gibt es nichts Angsteinflössenderes, als wenn die Ausbildung zu einer Distortion der eigenen Sprache führt. Seit wann substantiviere ich alles? Und wieso schauen mich meine Freunde manchmal an, als hätte ich gerade eine komplett fremde Sprache gesprochen? Ach ja, weil mein Ausbildungsgebiet eine ganz eigene Kommunikation pflegt, die Outsider nur ansatzweise verstehen oder verstehen wollen.

7. Pausengespräche: Es gibt die Menschen, die in der Pause gerne abschalten und über andere Dinge reden. Und dann gibt es die Menschen, die Pausen als Verlängerungen der Arbeit ansehen, in denen man über arbeitsverwandte Themen sprechen kann. Enough said.

8. “Ach was”-Momente: Stereotypen sind doof, da sind wir uns einig. So vielfältig Ausbildungen sind, so vielfältig sind auch die Personen, die den gleichen Beruf ausüben. Aber wenn man dauernd mit überraschten Gesichtern konfrontiert wird, wenn man den (anvisierten) Beruf nennt, könnte es doch ein Anzeichen sein, dass man ein Einhorn unter Pferden ist.

9. Träumen ist erlaubt: Der Verlauf der Suchmaschine auf Google sieht etwa so aus. Ist Prinzessinnen-Sein ein anerkannter Job? Wie wirke ich an einem Vorstellungsfeld motivierter als ich eigentlich bin? Wie trete ich einem Zirkus bei?

10. Boden der Tatsachen: Nach langem, nicht ganz ernst gemeintem Jammern nun zurück auf den Boden der Tatsachen. Es ist ganz normal, das man nicht jeden Aspekt der Arbeit liebt. Und schliesslich gibt es immer die Dinge, die man toll findet. Vielleicht ist eine komplette Neuausrichtung nicht nötig. Wenn es möglich ist, sich auf die Aspekte zu konzentrieren, die man faszinierend findet, dann ist alles halb so wild.

 

 

 

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