8 Dinge, die Swissness ausmachen.

Hola, bonjour, good day. Diese tripartite Teilung zeigt ziemlich genau das, was inzwischen meinen Genfer Alltag ausmacht: Viele Fremdsprachen, wenig Deutsch. Das ist absolut in Ordnung, denn ich liebe andere Kulturen und Sprachen. Aber ich habe mich noch nie so schweizerisch gefühlt wie hier, denn wir scheinen in Genf eine Minderheit zu sein. Damit habe ich überhaupt kein Problem, denn Swiss Friends habe ich genug. Mein engster Freundeskreis an der Uni besteht aus ziemlich genau 0 % Schweizern. Ich liebe es, aber gleichzeitig fallen mir deutlich mehr Dinge an mir selbst auf, die zu meiner Schweizer Hälfte gehören. Klischees hin oder her, einige Züge kann ich nicht leugnen. Nun also ein selbstreflektierender Einblick in Swissness, mit einer gesunden Prise Humor und Überzeichnung.

1. UHRZEIT: Es ist das älteste Schweizer-Klischee der Welt, aber ich muss es trotzdem wiederholen. Ja, wir schätzen Pünktlichkeit. Und obwohl wir vielleicht nicht besessen davon sind, besteht die Toleranz-Marge bei mir irgendwo zwischen 5 und 15 Minuten. Danach ist die andere Person schlicht und einfach zu spät. Ich warte regelmässig 30, 40, 60 + Minuten auf meine Freunde, die dann glückselig und komplett ohne schlechtes Gewissen eintrudeln. Und ich schreibe sogar eine WhatsApp-Nachricht, wenn ich 10 Minuten zu spät komme. Als Antwort erhalte ich meistens lachende Smileys. Selbstredend.

2. Aromat/Maggi: Ich schätze Salz durchaus, aber Aromat ist eben nicht Salz. Es ist ungesund, zugegeben, aber nichts rundet für mich ein Gericht besser ab als diese goldfarbenen Körner, die himmlisch nach Heimat schmecken. Pathos beiseite – ich brauche mein Aromat. Oder Maggi, für Suppen.

3. Käse Snob: Wenn wir schon bei den Vorurteilen sind, fahren wir doch gleich damit fort. Käse ist Life. Viele unserer Nationalgerichte kommen ohne Käse nicht aus, aber Käse ist nicht gleich Käse. Es gibt Stufen und er muss passen. Dieses orange Zeugs aus der Sprühdose (USA-Style) ist vieles, aber ganz sicher nicht Käse.

4. Spicy: Es gibt viele, die hier vielleicht nicht zustimmen würden, aber ich muss trotzdem sagen: Rein erziehungstechnisch ist unser Toleranzniveau für scharfes Essen einfach nicht gleich wie für andere Nationalitäten. Im Verlauf der Jahre bin ich weiser geworden und frage deshalb in den Restaurants vorsichtig nach, ob es denn “Schweizer scharf” sei – denn ich weiss ganz genau, dass authentische Schärfe aus Thailand/Mexiko/etc. zu einem brennenden Rachen und dem Hinunterwürgen von einem Glas Milch führen wird. Erfahrung, you know.

5. 3 Küssli: Es wird für viele Nicht-Schweizer ewig ein Mysterium bleiben, warum wir uns nicht 2, sondern 3 Küsschen geben. Gierig seien wir. Es sei einfach zu viel und ein bisschen unheimlich. Ausserdem werde die Gefahr für unangenehme Augenblicke drastisch gesteigert, denn ein frühzeitiges Zurückziehen bringt das Gegenüber oft in Verlegenheit. Und nein, 3 Küsschen bedeuten nicht, dass man besonderes Interesse an der Person hat.

6. Teuer, tout normal: Ich habe zwar schon oft gesagt, ich werde mich niemals an die Preise hier gewöhnen, aber im Unterbewusstsein ist es doch irgendwo verankert, dass “teuer=normal” ist. Dadurch kann man auch unser Verhalten im Ausland erklären: Das erstaunte Jauchzen, wenn das 3-Gang-Menu in einem spanischen Restaurant nur 11 Euro kostet. Das ekstatische Zücken des Portemonnaies, wenn man für ein gutes Glas Wein nicht 8-10 Franken hinblättern muss. Ich werde die schockierten Gesichter meiner Freunde ab den McDonalds-Preisen in der Schweiz nie vergessen. Tout normal, non?

7. Distanzen: An einem normalen Arbeitstag mit typischen Verkehr dauert mein Weg an die Uni innerhalb der gleichen Stadt fast 45 Minuten. Ich fühle mich deshalb als würde ich in einer riesigen Metropole mit Unmengen von Verkehr leben. Was für ein Weg, wow! Für andere aus echten Grossstädten ist Genf ein winziges Dorf, wo jeder jeden kennt.

8. Die Sache mit dem Grillieren: Für andere ist Sommerzeit Partyzeit. In der Schweiz gibt es vielleicht Festivals und Rooftop Bars, aber normalerweise kein Nacktbaden um 10 Uhr Morgens an einem nichtexistenten Strand. Zu erklären, das “Böötle” und “Grilliere” für viele Schweizer die Hauptaktivitäten des Sommers sind, ist gar nicht so einfach. Grillieren ist eine Kunst, nicht einfach eine Ernährungsform. Und nein, einmal pro Woche reicht nicht.

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