Anekdote einer Beziehung: Sinnlose Nachrichten und Würmer
Irgendeinmal ist man an einem Punkt der Beziehung angelangt, an der man sich so wohl fühlt, dass man sich in gewissen Bereichen gehen lässt. Das muss nicht heissen, dass man ungepflegt wird oder nur noch Fastfood isst. Es können auch ganz andere Dinge sein, die sich im Laufe der Zeit ändern. Insgesamt sind mein Freund und ich seit 2 einhalb Jahren zusammen. Er kennt mich in- und auswendig, weiss wie ich ticke, was ich gerne mag, was ich überhaupt nicht leiden kann. Umgekehrt ist es gleich. Ich weiss zum Beispiel, dass er Sportsocken “Baby-Söckli” nennt und dass er vorallem Filme mag, in denen brennende Autos und sinnlose Massaker statt finden. Er weiss, dass ich Massagen über alles liebe und deshalb tut er mir den Gefallen, während ich ihm dafür die Haare kraule.
Mit anderen Worten: Wir machen uns nichts mehr vor. Deswegen trage ich auch manchmal mein Hello-Kitty Pyjama, wenn ich zu ihm schlafen gehe, weil es halt viel bequemer ist als ein Négligé. Kindisch? Wahrscheinlich. Dafür muss ich morgens nicht ins Bad schleichen und mich chic machen, damit ich beim Aufwachen so aussehe wie die Frauen in Serien, welche immer geschminkt und gestylt ins Bett gehen müssten. Wir teilen den gleichen (ab und zu doch etwas seltsamen) Humor. Früher schrieben wir einander ellenlange, hochromantische SMS. Obwohl wir dieses Ritual immer noch pflegen, ist es nicht mehr Alltag. Wir haben nämlich Whatsapp (wer es nicht kennt kann es ja googeln) und können somit unserem weird-humor freien Lauf lassen.
Ein Ausschnitt unserer zusammenhangslosen Gespräche:
Ich: Schatz, i bi am fahre gsi, lüte dir när ah. (Bild eines grünen Würmchens)
Er: Kes Problem. (Bild eines Äffchens)
Ich: Auso, i freue mi uf spöter! (Bild eines Schweins)
Er: Ohh u mir schicksch e Sau?
Ich: I liebe Söili, mi gross Traum isch es Minipig, das weisch.
Er: (Smiley mit hochrotem Kopf). I schicke (Bild eines Aliens) um di z entfüehre. De wärsch ehnder bi mir.
Die Bilder von Tieren, die man gleich nach den Smileys bewundern kann, sind absolut sinnlos und passen meist überhaupt nicht ins Gespräch. Manchmal schreiben wir absichtlich Sätze, damit wir beispielsweise das Bild eines grinsenden Häufchens Kot schicken können. Wirkt vielleicht sehr seltsam, gehört aber zu uns. Wir sind einfach so. Manchmal sind wir halt doof und machen kindische Dinge. Aber genau um das sollte es auch in Beziehungen gehen können. Wieso nicht einander Würmchen schicken, wenn der andere dann lachen muss? Müssen wir einander denn etwas beweisen? Es geht darum, den anderen so zu akzeptieren, wie er ist. Auch wenn man dann ein Schwein geschickt bekommt.


