Freizeit: Ausverkaufsmonster

Gestern habe ich in Zürich ein Monstern gesehen. Es sah etwa so aus:

 

Möglichweise ist dies leicht übertrieben. Eigentlich stammt dieses Bild von Trekkie Monster aus dem Musical “Avenue Q”, welches ich mit meiner Freundin Seline in New York besucht habe. Trekkie Monster ist ausserdem meine Lieblingsfigur. Aber das ist nur Nebensache. Die Hauptaussage ist, dass ich viele unheimliche Menschen am Ausverkauf nach Weihnachten gesehen habe, und einige waren richtig aggressiv und bösartig. Muss wohl am Hexen- und Monsterpunsch gelegen haben, welcher an einem Stand verkauft wurde.

Als ich heute meinen Freund fragte, ob er eine glorreiche Idee für einen Blogeintrag hätte, meinte er: “Schreibe über das Monster aus dem Laden.” Normalerweise versuche ich mich ja eher auf allgemeine Themen zu konzentrieren, aber da diese Seite hier beinahe als Online-Notebook fungiert, gehören Anekdoten genau so dazu. Meine Geschichte ist durchaus Teil von einem grösseren Ganzen, nämlich dem Shoppingwahn nach Weihnachten und was dieser mit ganz normal Otto-Normalverbrauchern anstellt. Wer braucht schon Vampire und Werwölfe, um Menschen in Gräuelwesen zu verwandeln, wenn es den Ausverkauf gibt?

Alles fing harmlos in irgendeinem Laden in irgendeiner Strasse an. Gedränge, zusammengezogene Augenbrauen, Elbow-Action. Zu wenig Garderoben, zu viele Kleider. Dann die resignierte Feststellung, dass jemand ganz dreist eine Garderobe einfach reserviert hatte, und frischfröhlich weiter im Laden herumstöberte. Mein Freund meinte ganz sachlich: “Wenn es alle nötig hätten, eine Garderobe zu reservieren, dann wären wir noch bis morgen da.” Dieser Satz hätte unser Ende bedeuten können.

Denn plötzlich schrie eine heisere Stimme: “Wenn es euch nicht passt, dann geht in einen anderen Laden ihr $!&%*’£! AAAAAAAARRRRGHHH!”

Ok. Vielleicht gab es keinen Kampfschrei und sie trommelte sich auch nicht auf die Brust. Der Effekt auf mein sanftes Gemüt war aber gleich: Vor mir baute sich ein riesiger Berg von Frau auf, breitbeinig und mit lodernden Augen voller Mordlust. Ihre Hände waren erschreckend gross und auf einmal war ich mir nicht mehr sicher, ob mein starker Freund mich auch wirklich beschützen könnte. Diese Amazone war eine Terminatrix.

Am liebsten hätte ich lauthals geschrieen und wäre schneller als der Wind aus dem Laden gerannt. Doch im nächsten Moment stellte ich fest, dass ich mich gar nicht zu beeilen brauchte. Sie würde sich nämlich nie und nimmer von den geliebten Klamotten trennen, um uns quer durch Zürich zu verfolgen. Ausserdem konnte sie sich in diesen engen Hosen kaum bewegen. Nein, es würde keine Natalie zum Abendessen geben, dessen war ich mir sicher.

Noch nie war ich nach einem Shoppingtag so müde. Ich musste mich den ganzen Nachmittag vor dem Zertrampeln retten und kämpfte um mein nacktes Leben. Es war anstrengend, aber trotzdem schön. Ausserdem war mir klar, dass alle diese Schnäppchenjäger, die mich geboxt,geschubst und fast zerdrückt hätten, bald wieder menschlich werden würden. Nach dem Ende des Ausverkaufs wird alles wieder normal.

Zum Schluss noch ein Lied für die Dominatrix und eine Idee für ihre Geldinvestition: http://www.youtube.com/watch?v=9uOENpIUVos

Notiz an mich selbst: Falls sie dies liest, bin ich tot. Hoffentlich weiss sie nicht wo ich wohne.

 

 

 

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3 Kommentare zu “Freizeit: Ausverkaufsmonster”

  1. Debi sagt:

    Hallo Natalie!
    Dein Blog ist einfach (leider finde ich kein passendes Wort) toll, super, geil, aussergewöhnlich.. Naja ich hoffe du weisst was ich damit sagen wollte. ;) Seit einigen Monaten habe ich deine Lebensweisheiten und Anekdoten nicht mehr gelesen. Als ich heute jedoch wieder auf deine Seite gestossen bin, musste ich feststellen, dass die Abstinenz ein grosser Fehler war. Mit deiner Ironie und deinem Witz bringst du mich immer zum lachen!

  2. Natalie sagt:

    Liebe Debi, lieber Thomas, liebe Kommenar-Schreiber im Allgemeinen,

    Danke für eure Rückmeldungen! Ich freue mich jedes Mal über eure Kommentare. Und, liebe Debi, ich finde deine Wortwahl wunderbar, ich sage ja auch immer nur “danke dir, das ist sehr motivierend, etc”, da herrscht keine grosse Abwechslung.:-) Hoffentlich kommst du mich wieder regelmässig auf meinem Blog besuchen und sagst mir deine Meinung!

    Nun zum letzten Blogeintrag: Ich finde es immer wieder unterhaltsam, wie von meinem Äusseren auf meine inneren Werte geschlossen wird. Meine Haare sagen anscheinend bereits alles über mich aus, da ich mich auch ausschliesslich damit beschäftige, bin ich froh…

    SPASS. Wie Debi und viele andere richtig erkannt haben, schreibe ich oft sehr ironisch, noch öfters selbstironisch. Nicht alle können das erkennen. Aber danke an die, welche meinen Schreibstil durchschaut haben!

    Die Tipps von Thomas fand ich übrigens sehr witzig und interessant. Das mit farbigen Höhle werde ich meinem Freund definitiv ausrichten!

    An dieser Stelle also von mir ein Dankeschön für EURE Lebensweisheiten,

  3. Guten Tag,

    ich hätte Interesse daran, gegen Bezahlung eine kleine Werbung auf ihrem Blog zu schalten. Leider habe ich keine andere Möglichkeit, Sie zu kontaktieren.
    Bitte melden Sie sich bei Interesse unter der angegebenen Emailadresse bei mir.
    Herzliche Grüße,
    Christopher K.

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