Das Interesse am Desinteresse

Einige Einsichten sind zwar schön und gut, nur bringen sie nur bedingt etwas. Ich hätte da ein ziemlich grosses Arsenal, aber davon sticht eine Tatsache (ja, ich wage sogar zu behaupten, es sei eine Tatsache) besonders heraus: Das Interesse am Desinteresse. Immer wieder bewahrheitet sich diese These. Und wenn ich ganz ehrlich bin, bin ich selbst nicht ganz unschuldig daran. Damn, Selbsteinsicht tut weh.

Der Ablauf ist meistens in etwa so: Männlein trifft Weiblein, eine Person davon meldet sich regelmässig, fast ein bisschen zu oft. Vielleicht sitzt man in einem gemütlichen Kaffee zusammen, hat es gut – aber auch wieder nicht so gut – und geht dann wieder nach Hause, wo alles emotional mehr oder weniger beim Gleichen bleibt. Wieder kurz darauf eine SMS, man antwortet so halb aus Anstand, so halb weil man die Person ja schon ziemlich nett findet. Und dann plötzlich ebbt der Kontakt ab. Plötzlich steht ein grosses Fragezeichen im Raum. Wieso denn das? Irgendwie habe ich mich doch an die täglichen Nachrichten gewöhnt und es ist nichts Dramatisches passiert? Auf einmal kommt einem die Person viel öfter in den Sinn. Man starrt den Bildschirm an, analysiert die vergangenen Nachricht und sucht nach Hinweisen. Habe ich etwas Falsches gesagt? Habe ich zu desinteressiert gewirkt? Und genau dort ist der springende Punkt: Eigentlich war man das ja auch. Doch weil der Gegenüber auch kein Interesse mehr zu haben scheint, vergisst man das und bildet sich ein, man hätte da eine Wahnsinns-Connection gehabt.

Es nervt. Denn eigentlich weiss man ja, das die Person zwar sicher toll und wunderbar war, aber es ja nicht gefunkt hat. Man war nicht wirklich auf der gleichen Wellenlänge, das Gespräch hatte keinen natürlichen Flow, es war eher ein Frage-Antwort-Spiel. Wie kann es also sein, dass ich all das vergesse und der Typ mir dann im Kopf herumschwirrt, während die vergangenen (bescheidenen) Momente mit Zuckerguss überzogen werden? Eben, das Interesse am Desinteresse. Es wird dadurch irgendwie spannend, unklar. Man hinterfragt sich selber. Wieso findet er (oder sie) mich nicht mehr so gut wie vorher? Dabei war das Ganze von Anfang zeitlich limitiert, weil es nicht sein sollte. Man “verliert” nichts, weil nichts da war. Diese logische Erklärung anderen aufzutischen: No problem. Diese Erklärung auf die eigene Situation anwenden: Easy. Aber die Einsicht spiegelt sich leider dann doch nicht immer im Verhalten. Notiz an mich selbst, mit fetten schwarzen Buchstaben: Chill out, du warst gar nie interessiert!

Ähnliche Beiträge

Tags: , , , , , , , , , , ,


Einen Kommentar schreiben