Das Leben mit Studentenbudget. Autsch.

Das Leben als Studentin hat viele Sonnenseiten. Die Flexibilität, das Lernen-Dürfen (denn es ist schliesslich kein Müssen, auch wenn es einige so darzustellen scheinen), die langen Ferien. Es ist eine Zeit, in der man sich selbst und seine eigenen Interessen wirklich kennen lernt. So sehr ich also mein Studentenleben schätze, gibt es da so ein klitzekleines Thema, welches regelmässig beim Anblick des Bankkontos dazu führt, dass ich einen Schreikrampf unterdrücken muss: Das Budget.

Glücklicherweise habe ich den besten Nebenjob der Welt. Jeder denkt da anders, aber die Unabhängigkeit von den Eltern ist mir wichtig. Sie stützen mich, helfen mir mit den Studiengebühren und der Krankenkasse, aber bei dem soll es auch bleiben. Es gibt Studenten, die sich mit 25 noch komplett von den Eltern finanzieren lassen. Das wäre mir schlicht unangenehm, denn meine Eltern arbeiten lange und hart für ihr Geld. Deswegen würde ich sie nie fragen, ob sie mir meine Reisen quer über den Globus oder meine Kleidung bezahlen. Ich kann diese Dinge, die eben gerade Luxus sind und nicht überlebensnotwendig, viel mehr geniessen, wenn sie aus meiner eigenen Tasche bezahlt werden. Ohne schlechtes Gewissen.

Aber dann kommt eben die Budgetplanung, die halb aus Realitätskonfrontation und halb aus bewusster Realitätsverleugnung besteht. Es geht schon so weit, dass ich manchmal absichtlich meine Brille oder Kontaktlinsen zu Hause lasse, wenn ich Geld abhebe. The sweet bliss of ignorance. Seit ich in Genf verweile, ist das Ganze noch viel schmerzhafter geworden. Inzwischen habe ich mir eine Sammlung an Konservendosen angelegt, für die Stunde 0. Mich trifft regelmässig fast der Schlag, wenn ich die Preise für Essen sehe. 3.80 für 4 Äpfel? Waren Äpfel nicht immer die Dinge, die ich im Znüni-Sack so herzlos und undankbar, gar grollend entgegennahm? Entschuldigt den Pathos, aber ihr versteht schon den Drift. Ich brauche das Aktionsheftli, bitte.

Natürlich beklage ich mich auf hohem Niveau. Und trotzdem ist der Umgang mit Geld etwas, das man erst ab einem gewissen Alter richtig lernt oder eben lernen muss. Avocados sind im Essensolymp so etwas wie die goldbetuchten Götter meiner Träume, zusammen mit den überteuerten Shrimps (danke meerfreie Schweiz, wirklich). Stattdessen heisst es Umsteigen von Poulet auf Trutenfleisch, Aktionspack und eine überfüllte Gefriertruhe, weil grössere Packungen manchmal eben preiswerter sind. Ich steige mit meinen Bons und Treuekarten in den Ring. Und es ist in Ordnung so, denn das alles gehört dazu. Lasst mich nicht mit dem Wein aus dem Tetrapack an den Studipartys beginnen. Das ist eine Story ganz für sich.

 

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