Der faulste Hund der Welt

Ich will ehrlich mit euch sein: Ich hab’s nicht so mit Katzen. Vielleicht mag das an meinen Erfahrungen mit ihnen liegen. Als Kind hatten wir eine Katze namens Shadow. Einen passenderen Namen als “Schatten” hätte es für sie nicht gegeben- ich schwöre, sie hatte ein Stalker-Gen. Sie war überall, nur bemerkte ich sie erst, als es schon zu spät war und ich einen kleinen Schock erlitten hatte. Sie war nicht knuddlig und ihr Schnurren war irgendwie unheimlich. Wenn sie mich mit ihren Augen anstarrte, war ich überzeugt, dass sie heimlich die Weltherrschaft an sich reissen wollte.

In den Jahren darauf wurde ich immer überzeugter davon, dass viele Katzen treulose Seelen sind. Sie mögen dich genau dann, wenn du ihnen zu fressen gibst und sie streichelst. Ich versuchte es immer wieder. Ich liess sogar einmal die Katze einer Freundin während eines ganzen Films auf meinem Schoss sitzen. Als Dank sabberte sie mich an. Ich dachte, das wäre ein Hundeding, aber anscheinend lag ich falsch.

Daher bin ich ein überzeugter Hundemensch. Seit meiner Geburt hatten meine Eltern immer wieder Berner Sennenhunde (weibliche, damit sie nicht alle 5m anhalten und via Urinbrunnen ihr Revier markieren müssen). Sie waren immer Mitglieder der Familie und standen sogar auf der Klingel, was viele dazu verleitete zu glauben, ich hätte eine Schwester. Das ist nicht ganz falsch, denn meine Eltern haben eine Tendenz dazu, unsere Hündin Nahla masslos zu verwöhnen.

In dieser Position und mit diesem Gesichtsausdruck sehe ich Nahla am meisten. Ich bin überzeugt, dass sie der faulste Hund der Welt ist. Von ihrer Fresssucht wollen wir erst gar nicht anfangen. Mam nennt sie “bottomless pit”- der bodenlose Abgrund, wo alles Futter auf nimmer Wiedersehen verschwindet. Als ich zu Weihnachten einen Käse via Post zugeschickt bekam (natürlich in einer Kartonschachtel) und mein Vater es auf meinen Stammplatz im Esszimmer legte, waren seine Tage schon gezählt. Am nächsten Morgen fanden wir Nahla auf ihrem Rücken liegend vor. Sie hatte den Käse mitsamt seiner Plastikverpackung und Kartonschachtel gefressen. 5 Minuten später sass sie bereits wieder vor dem Futternapf und sah und herzerweichend an, als wollte sie sagen: “Gibt es denn kein Mittagessen? Das war nur ein Mitternachtssnack!” Nein, nicht nach 1kg Käse.

Ich glaube, dass ihre Faulheit an ihren Essgewohnheiten liegt. Wenn ich ab und zu mit ihr spazieren gehe, sagen andere Hundehalter regelmässig: “Oh, ja, sie ist schon älter, oder? Aber sie sieht immer noch super aus!” Ja, das liegt daran, dass sie erst 2 Jahre alt ist und sich wie eine Grossmutter gebärdet. Langsam setzt sie eine Pfote vor die andere, schnüffelt an allem- es könnte ja potentiell etwas Essbares sein, hurra!-, sitzt dann ab und starrt zurück in Richtung Haus. Das fängt etwa 10m nach dem Verlassen des Hauses an.

Deswegen möchte ich sie auf Diät setzen. Nur ein paar Kilos sollten runter, bevor wir sie vor uns herschieben müssen auf einem Spaziergang. Das einzige Problem ist ihr Blick. Sie sieht dich an, als wäre sie kurz vor dem Hungertod, auch wenn sie kurz davor etwas zu fressen bekommen hat. Aber es gibt nichts anderes, als hart zu bleiben. Oder ich gebe ihr eine Sonnenbrille, damit ich ihren bittenden Blick nicht sehen muss.

 

 

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