Die Sache mit dem Interesse

Schreiben ist meistens eine Art Selbsttherapie. Bezogen auf Dinge, die ich im Leben realisiert, gelernt, (endlich, jedenfalls halbwegs) verstanden habe, sei das in Bezug auf mein Umfeld, mich selbst oder auf das Universum per se. Es ist wie ein schriftliches Festhalten von Erkenntnissen. In Momenten des Schwankens oder der Zweifel ist es ganz praktisch, wenn man auf solche Momente der Klarheit zurückgreifen kann. Andererseits ist es auch ein Teilen mit der Hoffnung, dass andere sich damit identifizieren können. À la: You are not alone. Und nein, das ist nicht auf Aliens bezogen.

Ich merke immer wieder, wie schnell ich mein Interesse verliere. Das bezieht sich in meinem Fall in erster Linie auf Menschen. Klingt asozial, ist aber überhaupt nicht so gemeint. Schöngeredet könnte man auch behaupten, ich sei anfänglich einfach begeisterungsfähig. Neue Bekanntschaften haben es so an sich, dass es einen ganzen Pool an (potentiellen) unentdeckten Eigenschaften gibt, die echt spannend sein könnten. Dieses “können” birgt aber die Gefahr, dass man sich zu viel erhofft oder es der eigenen Fantasie zu viel Projektionsfläche verschafft. Versteht mich nicht falsch – ich erweitere gerne meinen Bekanntenkreis und mag Menschen eigentlich ganz generell. Vielleicht liegt es an vergangenen Erlebnissen, aber möglicherweise ist es auch einfach eine Charaktereigenschaft. Denn relativ schnell merke ich jeweils, wie ich mich immer weniger interessiere. Parallel dazu frage ich mich dann meistens, was mit mir nicht stimmt. Wie kann es sein, dass es mir so schnell “absteut”, ein wunderbares schweizerdeutsches Wort, dass diesen allmählichen Shut-down der anfänglichen Begeisterung beschreibt. Ich habe die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfisches, würde man meinen.

Aber hey, ich bin nicht alleine. Meinen engsten Freundinnen geht es oft genau gleich. Wir reflektieren dann im Nachhinein darüber, an was es liegen könnte. Zu hohe Erwartungen? Zu wenig Geduld unsererseits? Fehlende Zeit im Leben allgemein? Who knows. Wahrscheinlich ist es ein Mix von allem. Andere fangen immer wieder neue Hobbies an und hören urplötzlich ohne erkennbaren Grund einfach damit auf. Trotzdem kann ich nicht aufhören, zu denken, es sei vielleicht eine Ausgeburt unserer Generation, die bekanntermassen zu viel zu schnell erwartet. Die Welt schuldet uns nämlich gar nichts. Wir bauen unser Umfeld selbst auf und nicht jeder Baustein muss perfekt sein.

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