Die Sache mit dem Pech

Pech kommt selten in Massen. Entweder ganz oder gar nicht, könnte jedenfalls bei mir das Motto sein. Meistens überstehe ich meinen Alltag relativ stressfrei. Ein bisschen Unglück gehört auch irgendwie dazu – wenn alles immer komplett rund laufen würde, wäre es fast ein bisschen langweilig. Aber wenn Pech, dann eine Lawine davon, die mich ächzend darunter begräbt.

Ich schreibe gerade von Alexandria aus diesen Eintrag. Ägypten ist  erwartungsgemäss chaotisch, spannend, kulturell faszinierend. An meiner Uni habe ich Freunde aus Kairo und Alexandria getroffen. Und wie es dann so geht, sassen wir alle zusammen und beschlossen spontan, Flüge hierhin zu buchen, politische Lage und Militärdiktatur hin oder her. Mit lokalen Leuten lebt es sich echter, denn die pure Touristenperspektive ist nicht das wahre, realitätsgetreue Erlebnis. Das Pech hat an sich nicht viel mit dem Land zu tun, aber ich musste trotzdem grinsen, denn im Ausland fällt es einem richtig auf, wenn das Unglück sich gerade multipliziert. Denn man spricht die Sprache nicht, kennt meistens niemanden und Google ist nicht der beste Lehrer, wenn es um Gepflogenheiten geht. Aber ausgerechnet hier hat das Pech beschlossen, mich heimzusuchen. Unser gemietetes Haus in El Gouna litt an einem Wasserleck: Überschwemmungen und Stromschlaggefahr inklusive, deswegen mussten wir in ein Hotel umziehen, wo es weder warmes Wasser noch schliessende Türen gab. An praktisch jedem Ort, an dem wir uns befanden, lag das Wifi flach. Wir nehmen es mit Humor, denn es gibt natürlich Schlimmeres. Und trotzdem musste ich mich fragen, warum das Unglück immer gerade dann ins Leben tritt, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann. Viele sagen, es sei stimmungsabhängig. Schlechte Laune lässt einen Unglück suchen, sozusagen. Doch ab und zu gibt es einfach diese eine Pechsträhne, die sich schier endlos hinzieht und sich in allen Lebenslagen breitmacht. Der berühmte Domino-Effekt, vielleicht. Seit Wochen werde ich vom Pech verfolgt. 8 Wochen Infektionen, Prüfungen an der Uni deswegen verschoben, dann wieder krank, und so weiter und so fort. Mit einer optimistischen Einstellung lässt sich alles leichter ertragen, aber wer wie ich ans Karma glaubt, fragt sich dann doch ab einem gewissen Punkt, ob man das denn wirklich verdient. Andererseits stellt es einen auf die Probe. Als überzeugte Optimistin versuche ich mich deswegen nicht entmutigen zu lassen. Alles halb so schlimm. Denn wenn man sich über Pech in den Ferien beklagt, ist man wenigstens in den Ferien, oder?

Ähnliche Beiträge

Tags: , , , , , , , , , , , ,


Einen Kommentar schreiben