Die zweite Heimat

Oh, hello there, ich bin in den USA. Genauer Standpunkt: Minneapolis, im Bundesstaat Minnesota. Es gibt zwar aufregendere Plätzchen auf dem Planeten Erde, aber die jährliche Rückkehr hierhin hat einen triftigen Grund: Familie. Meine Grossmutter lebt in Owatonna, einem kleinen Städtchen etwa eine Stunde entfernt. Owatonna hat genau eine Bar, sie heisst “The Dog Pound Bar”, mit krakeliger Schrift auf ein schräges Schild gekritzelt. Und trotzdem fühlt es sich richtig und wichtig an, immer wieder hierhin zu kommen, weil es eine zweite Heimat ist. Ein Stückchen zu Hause auf einem anderen Kontinent, weil Menschen hier sind, die einem nahe stehen.

Viele von uns haben Familienmitglieder oder Freunde, die wie Familie sind, im Ausland. Ob mit oder ohne Migrationshintergrund – ist es nicht so, dass dieser Satz eine gewisse Wahrheit in sich birgt?

Home is where the heart is.

Ich bin zwar weder in den USA aufgewachsen, noch habe ich jemals hier gelebt, aber die paar Wochen die ich hier verbringe fühlen sich nicht wie die typischen Touri-Ferien an. Das, was man als amerikanische Kultur definieren kann, war Teil meiner Kindheit. Twinkle Lights an Weihnachten, überlautes Gelächter, Dr. Seuss und amerikanische Kinderlieder. Aber kein Käse aus der Sprühdose, versprochen. Grandma als Urgestein der Weisheit, die fast jedes Telefonat mit dem obligaten “Don’t get pregnant” beendet, weil die Ausbildung immer vorgehen soll. Die Menschen hier sind anders, das ist wahr, aber ich geniesse die Zeit. Ein schnelles Lächeln, Gespräche mit Fremden und gefühlt kilometerlange Supermarktgänge mit superungesunden Cornflakes. Aber es gehört einfach zur zweiten Heimat. Das bisschen Identität in der Ferne ist kostbar. Aber richtig nach Hause zu kommen fühlt sich immer wieder gut an.

Ähnliche Beiträge

Tags: , , , , , , , , ,


Einen Kommentar schreiben