Entschuldige meine Entschuldigung

Entschuldigungen können heilend sein. Einsicht, das Versprechen von Besserung, das Realisieren eines Fehlers. Therapeutisch wirken sie, sagen einige. Das aber nur unter einer Bedingung: Wenn sie ehrlich gemeint sind.

Das klingt banal, aber es schwingt viel Wahrheit mit. Während ich früher nur zähneknirschend ein halbherziges “Sorry” flüstern konnte, fällt es mir heute relativ leicht, mich zu entschuldigen, wenn ich es denn auch so meine. Ich kann nur schwer einen Fehler eingestehen, wenn ich nicht verstehe, warum es überhaupt ein Fehler war. Simpel, könnte man meinen, aber ein kursorischer Blick in meine Umgebung zeigt, dass dem vielleicht doch nicht so ist. Beziehungsdramen sind anstrengend genug, aber für eine nachhaltige Versöhnung ist es unabdingbar, dass der andere versteht, was denn schief gelaufen ist. Ansonsten wird sich die Sache wiederholen und zusätzlich mit Frustration multiplizieren – ein Powerpaar, dem ich lieber aus dem Weg gehe. Aber wie erkennt man eine aufrichtige Entschuldigung? Was passiert, wenn der andere genau weiss, was man denn hören möchte, aber sein Verhalten nicht ändert? Oder es sogar einsieht, aber es nicht schafft, sich entsprechend anzupassen?

Zukunftsbilanz in der Gegenwart ziehen ist überhaupt nicht einfach. Zu negativ und man gibt dem Gegenüber nicht wirklich eine Chance. Zu positiv und man erhöht die Wahrscheinlichkeit, verletzt zu werden. Emotionsgeladen neutral zu bleiben scheint unmöglich. Dieses “Warten und mal Schauen” klingt vielversprechend, aber nicht jeder schafft es, sich so gelassen zurückzulehnen und Vollgas Richtung unsichere Zukunft zu fahren. Klar ist nur, dass eine Entschuldigung, die nur zur Streitschlichtung dient, wenig Wert hat. Einsicht ist immerhin der erste Schritt Richtung Besserung.

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