Erste Eindrücke 101

Sympathie ist so eine Sache. Es ist  dieses “je ne sais quoi”, das entweder zu einer sofortigen Annäherungen führt, weil man einfach irgendwie auf der gleichen Wellenlänge durch das Leben zu surfen scheint. Andererseits kann es auch ein leicht mulmiges Bauchgefühl hervorrufen, wo kein Abschied zu früh ist. Ich mag das Wort Antipathie nicht, denn es schwingt etwas Endgültiges mit. Sympathien können sich jedoch ändern. Aber es ist schwierig, den ersten Eindruck zu überwinden.

Vieles hängt dabei von Zufall ab. Die Umstände, das Gesprächsthema, die Begleitung – alles sind Faktoren, die mehr oder weniger unbewusst einen sehr oberflächlichen Einblick zu schaffen scheinen. Dann gibt es grundlegendere Eigenschaften, die schnell ans Licht gelangen und bei mir oft zum Stempel “über- oder unterbeleuchtet” führen. Klingt, zugegebenermassen, nicht gerade sympathisch und etwas fies, ist aber nicht so gemeint. Zu den Überbeleuchteten gehören die Hipster, die immer und zwangsmässig gegen alles sind, was Mainstream zu sein scheint. Dieses Anti-Gehabe, gepaart mit dem ständigen Geltungsdrang, die eigene Intelligenz in den Vordergrund zu stellen, ist nicht mein Ding. Dieses wertende Heben der Augenbraue, wenn jemand politisch unkorrekt witzelt, ebenfalls nicht. Das Leben ist eine Achterbahn, wo sich tiefere Gespräche und Leichtigkeit abwechseln dürfen, jedenfalls in meiner Welt. Andererseits gibt es dann die Unterbeleuchteten, die oft mit einem Gangstergehabe auffallen und die Tendenz haben, vielem mit Aggressivität oder Passivität zu begegnen. Das wäre dann dieses “Mir-doch-egal”-Getue, das auch nicht ganz so meinem Vibe passt. Leben und leben lassen, ja – aber manchmal einfach nicht unbedingt in meiner Nähe, merci. Und etwas, das immer and überall unsympathisch wirkt, ist Arroganz und Diva-Gehabe. Nein, danke. Never ever.

Aber solche Eindrücke sind nicht immer richtig. Ich erwische mich oft dabei, wie ich zu schnell jemanden in eine Schublade einordne. Grundsätzlich vertraue ich meiner Intuition, aber man sollte die eigene Menschenkenntnis nicht überschätzen. Vieles ist Unsicherheit, Unwohlsein oder einfach nur ein schlechter Tag. Einige meiner engsten Freundschaften hätte ich heute nicht, wenn wir unsere ersten Einschätzungen nicht hinterfragt hätten. Ich habe bereits gehört, ich wirke arrogant, weil ich einfach kein Morgenmensch bin und erst ab 10:00 soziale Kontakte zu pflegen beginne. Andererseits wurde mir ebenfalls gesagt, ich sei überfreundlich, einschüchternd, zu direkt, zu laut, zu leise. Ich habe einige meiner besten Freunde als leicht eintönig, eindimensional, kalt oder unnahbar eingestuft. Und ich hätte nicht falscher liegen können. Deswegen sollte man diese ersten Eindrücke als genau solche hinnehmen: Oberflächlichkeiten, bei denen es sich manchmal lohnt, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen – und manchmal eben nicht.

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