Food Eidgenossen-Style: Aromat und Maggi

Anfangs hatte ich das Gefühl, es sei lediglich Zufall. Die Listen über schweizerische Eigenarten waren sicher subjektiv und ganz sicher nicht repräsentativ. E lustige Seich, aber Seich nichtsdestotrotz. Eine ganze Kultur in ein gewisses Schemata pressen und verallgemeinern ist sowieso nicht ganz so mein Ding, auch wenn ich regelmässig darüber witzle. Doch inzwischen muss ich zugeben, dass zumindest die Esskultur eines Landes authentisch in einer Liste erfasst werden kann. Vielleicht sage ich das aber auch nur, weil auf fast jeder Liste über die eidgenossischen Lieblingsspeisen Aromat einen Ehrenplatz einnimmt, und ich Aromat liebe.

Deswegen bin ich wohl nicht ganz so neutral, wie ich es eigentlich sein sollte (haha, ich weiss, toller Witz). Aber ernsthaft: Meine Bindung zu Aromat ist seit Jahren ungebrochen. Es ist zwar nicht das Gesündeste der Welt, aber ein paar Laster sind menschlich. Anstatt Salz brauche ich einfach Aromat. Ich habe sogar schon Aromat mit auf Reisen genommen, weil wir uns nicht trennen konnten. Ich liebe es, eine Gurke in feine Scheiben zu schneiden und dann genüsslich mit Aromat zu bestreuen und zu essen. Mein Nichtschweizer-Freund konnte mich anfangs nicht verstehen. Argwöhnische Blicke; ein überzeugtes Greifen nach dem normalen Salz. Doch langsam und schleichend wandelten sich seine Angewohnheiten. Ich konnte immer wieder etwas Rot/Gelbes in seinen Händen sehen, das verdächtig nach Aromat aussah. Inzwischen bringt er Aromat zu seiner Familie, wenn er sie im Ausland besucht. Und ich denke nur: That’s my boy.

Andererseits gibt es aber die erbitterten Maggi-Verteidiger, die nicht nur Suppe maggimässig verbessern, sondern es irgendwie schaffen, diese Flüssigkeit (pff, Flüssigkeit- Aromat ist wenigstens körnig!) überall beizumischen. Als meine beste Freundin ihre Mandeln entfernen musste, brachte ich ihr einen Liter Maggi ins Spital. Ich wollte natürlich nicht, dass ihr Leiden noch schlimmer wird, so ganz ohne Maggi. Ich glaube, es war das beste Geschenk, welches ich ihr jemals machen konnte. Diese Glückseligkeit auf ihrem Gesicht- unbezahlbar. “Als ich Suppe heute Mittag gegessen habe, fehlte schon etwas,” meinte sie grinsend. Ich nickte verständnisvoll.

 

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