Freundschaften und Beziehungen

Freundschaft ist ein schönes Wort. Schöne Erinnerungen fühlen sich für einen Moment wieder real an, als würde man wieder Tränen lachen oder diese Worte hören, die genau gepasst haben. Als Einzelkind waren für mich Freundschaften schon immer zentral. Ich hatte keine anderen Spielkameraden, deswegen war das Pflegen von menschlichen Kontakten schon im Kindergartenalter wichtig – auch wenn ich Tim niemals vergeben werde, dass er mich gegen Nina auf der Schaukel ausgetauscht hat. Aber ganz im Ernst: Mit einem guten Umfeld lässt sich alles leichter meistern. Mit einem guten Gespräch kann der Nebel eines trüben Tages teilweise gelichtet werden. Und es ist Gold wert, wenn man weiss, dass man auf andere zählen kann, wenn man sie wirklich braucht – oder auch nur den aktuellsten Gossip des Tages austauschen will.

Ich stelle mir diese Verbindungen dann immer sehr stabil vor. Freunde fürs Leben, in jeder Lebenslage, selbstverständlich. Doch man verändert sich, der Job oder der Wohnort wird gewechselt, Interessen werden zu verschieden, und so weiter. Was aber bei mir meistens die grössten Veränderungen bewirkt hat, sind Beziehungen. Man will den anderen glücklich sehen, das ist klar. Aber man will die Person eben immer noch sehen. Oft findet aber diese seltsame Metamorphosis statt, wo aus zwei Menschen plötzlich ein unzertrennliches Etwas wird. Es macht Sinn, dass die Freundin weniger Zeit hat oder vielleicht nicht mehr so spontan für einen Trip zu haben ist. Aber innerhalb kurzer Zeit ist es schon vorgekommen, dass sie unerkennbar wurden. Plötzlich interessieren sie sich für Dinge, die sie früher verabscheut haben (“Ich werde die verstehen, was an 22 Männern, die an einem Ball hinterher rennen, spannend sein soll…” zu Instagram-Posts mit Fan-Trikot und aufgemalter Flagge auf der Backe). Man könnte sagen, der Horizont sei erweitert worden, was positiv sein kann. Aber kann ein Partner wirklich Freunde ersetzen? Muss das denn überhaupt sein? Kann der andere dir genau das geben, was dir vorher viele andere mit ganz unterschiedlichen Charakteren gegeben haben? Und was, wenn es dann doch nicht klappt – willst du dann wirklich alleine dastehen?

Das Ganze klingt jetzt wahnsinnig dramatisch, aber das soll es nicht. Zusammen ist man anders als alleine und gemeinsam wachsen ist in einer Beziehung zentral. Bei vielen läuft es ganz anders. Ich kenne Paare, mit denen lässt es sich sogar zu dritt wunderbar abhangen, weil sie einfach wunderbar sind und trotzdem noch andere an ihrem Glück teilhaben lassen. Goals.

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