Genug ist genug. Wann reicht es aber wirklich?

Eigentlich bin ich keine sonderlich geduldige Person. Es gehört zu meinen grössten Schwächen, dass mir manchmal die nötige Distanz zu mir selbst fehlt. Ich nehme mich selbst als Referenzpunkt und erwarte dann von anderen, das sie Dinge gleich handeln wie ich, weil das eben für mich Sinn macht. Wieso nicht einfach sprechen, wenn darüber reden am meisten Klarheit schafft? Wieso nicht einfach die Wahrheit sagen, wenn Lügen eine komplizierte Sache zu einer unlösbaren verwandeln können? Weil eben nicht alle Menschen gleich sind und weil es nicht allen gleich leicht fällt, direkt zu sein. Das ist mir zwar jetzt in diesem Moment klar, aber die Einsicht währt meistens nicht allzu lange.

Trotzdem schleicht sich oft eine vage Erinnerung an diese Gedanken von hinten an und tippt mir auf die Schulter, wenn ich mich gerade halstief in einer solchen Situation befinde. Das sind die Augenblicke, wo ich plötzlich geduldig werde – fast zu geduldig. Denn so schön Unterschiede zwischen Menschen auch sein mögen, manchmal sind sie einfach zu gross. Wenn dadurch die Verbindung gekappt und nur noch statischen Summen übrig bleibt, hätte genug genug sein sollen. Aber wann reicht es wirklich? Zu früh aufzugeben ist eine Angst, die in uns allen wohnt. Niemand will sich später fragen, was denn hätte sein können. Dafür verantwortlich zu sein; für diese Frage, die wohl keine Antwort mehr finden wird, ist noch schlimmer. Gleichzeitig frage ich mich im Nachhinein auch manchmal, wieso ich es nicht früher einsehen wollte, obwohl ich doch eigentlich wusste, dass es nicht passt. So von Mensch zu Mensch, Charakter neben Charakter. Vielleicht waren wir einfach nicht auf der gleichen Wellenlänge und ich tat es als Schüchternheit ab. Jeder hat eine Vergangenheit, die das Verhalten bis zu einem gewissen Grad zu erklären vermag. Aber ab welchem Grad hängt der Haussegen dann zu schief?

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