Hach, die Liebe: Die Sache mit dem Aufschieben

Man könnte dies als virtuellen Frustrationsschrei bezeichnen. Es ist sogar ziemlich sicher genau das. Alle, die mit jemandem eine Beziehung führen, der fundamental anders tickt, wird das verstehen. Grundsätzlich finde ich ja schon, dass man den Partner so akzeptieren soll, wie er ist. Ich weiss aber gleichzeitig, dass diese Sichtweise vor allem Menschen eigen ist, die eine kompromissbereite und einsichtsfähige zweite Hälfte haben. Denn wenn die Nerven nicht mehr Drahtseile, sondern kleine, dünne, mickrige Fäden sind, hat doch niemand die Geduld, diesen Vorsatz in die Realität umzusetzen. Er muss sich ändern. Jetzt.

Kennt ihr so Leute, die nach dem Motto: “Was du heute kannst besorgen, verschiebe doch lieber auf morgen (obwohl dafür keine Gründe bestehen und es die Freundin dazu zwingt, in tiefe Abgründe der eigenen Seele zu blicken)” leben? Okay, die persönliche Klammerergänzung dürft ihr sonst beim Überlegen ausblenden. Ich bin wirklich kein solcher Bünzli, dass ich alles Monate im Voraus perfekt geplant und umgesetzt habe. Ich leugne in keiner Weise, dass auch ich eine chaotische Seite und Fehler habe. Aber ich kann nicht verstehen, wie man alles nur auf den letzten Drücker erledigen kann. Wenn dafür triftige Gründe bestehen, habe ich Verständnis. Gründet es aber in Faulheit und realitätsfremdem Optimismus (“Es wird schon alles gut kommen”), kann ich den daraus resultierenden Stress nicht ertragen. Ist es nicht gemütlicher, wenn man Sachen rechtzeitig macht und sich dann zufrieden zurücklehnen kann? Geht es nicht mit Seelenfrieden einher, wenn man vor 23:59 des letztmöglichen Datums die Sache mental abhaken kann?

Mein Freund ist ein chronischer Aufschieber. Ich habe alles versucht, um das zu ändern. Und langsam muss ich wohl einsehen, dass der Zug abgefahren ist und inzwischen irgendwo in Sibirien, weit weg vom meinem Einflusskreis, friedlich vor sich hinfährt. Mein Freund ist der Typ, der 40 Minuten vor Abflug quer durch den Flughafen rennt, weil er nicht früher aufstehen konnte, d.h. wollte. Er ist derjenige, der um eine Fristverlängerung für eine Seminararbeit bittet, obwohl er 3 Monate Zeit dafür hatte. Er ist der Typ, der immer eine Ausrede bereit hält, falls ihn jemand daran erinnert, dass er doch eigentlich…Leider ist er eben auch der Typ, der dann charmant-verschmitzt lächelt und sich entschuldigt, obwohl er das nie ändern wird. Irgendwie kann ich dann nicht mehr wirklich böse sein. Immerhin muss er dann auch meinen Koffer auf Turbo mitschleppen, während ich leichtfüssig hinter ihm renne. Immerhin ist er ja verantwortlich für die Verspätung, oder?

Ähnliche Beiträge

Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , ,


Einen Kommentar schreiben