Lesefutter: Das Versprechen von Dürrenmatt

Mein Lesefutter teile ich mir jeweils in Portionen ein. Ich schaffe es nicht, nur ein Buch auf einmal zu lesen. Nach einem Büchereinkauf liegen sie auf meiner Kommode, und alle üben eine so grosse Anziehungskraft aus, dass ich mich nicht nur für ein Buch entscheiden kann. Momentan lese ich also nicht nur Anna Karenina (inzwischen habe ich mich bis auf Seite 724 vorgearbeitet), sondern auch noch ein paar andere. Und weil ich vor einiger Zeit “Das Versprechen” zum zweiten Mal gelesen habe, dachte ich mir, ich schreibe etwas darüber.

Einer der Gründe, warum ich glaube, dass ich trotz meiner Fondueabneigung meinen Schweizer Pass behalten darf, ist mein Respekt gegenüber Schweizer Autoren. Leider liegen die meisten davon bereits unter der Erde. Auf meiner Maturitätsliste für die Deutschlektüre tummelten sich neben Goethe’s Faust 1  und anderen Klassikern auch Friedrich Dürrenmatt. Während man bei anderen Autoren oft durch poetische und philosophische Sätze nach der Hauptaussage graben muss, war “Das Versprechen” eine leichte und relativ einfache Lektüre. Auf den ersten Blick erscheint die Geschichte klar und schnörkellos: Es ist ein Krimi, bei dem es um die Ermordung eines kleinen Mädchens geht. Der Ermittler Matthäi stellt eine Falle, die fehlerlos zu sein erscheint- und trotzdem schnappt sie nicht zu, weshalb Matthäi langsam zu Grunde geht. Oder wäre sie es, wenn der Zufall nicht seine Hand im Spiel gehabt hätte?

Allerdings hat der Roman auch einen tieferen Sinn. Es ist eine Reflexion über die klassische Detektivgeschichte und deren Richtigkeit. Reicht logisches Denken, um einen Fall zu lösen? Welche Rolle spielt der Zufall und das Schicksal? Sind diese Geschichten realistisch, oder könnten sie in der wahren Welt niemals überleben? Es ist ein Roman, der mich zwar nicht tief berührt, aber doch zum Denken angeregt hat.

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