Natalies Lebensweisheiten (als Beziehungstherapeutin): Angurten, bitte!
Wer kann sich mit seinen Freundinnen treffen und nicht über den Freund (oder in anderen Fällen den Typen, den man gerade kennengelernt hat) reden?
Männern scheint dies immer wunderbar zu gelingen. Bei Frauen und besonders in meinem Freundinnenkreis gestaltet sich dies sehr schwierig. Es gibt einfach zu viele Anekdoten, die anderen möglicherweise unwichtig erscheinen würden, aber so viel über eine sich anbahnende oder bereits bestehende Beziehung aussagen. Letzthin war ich mit einer Freundin in einer Bar. An diesem Ort, inmitten vieler Menschen, stellte sie mir die Frage: “Über was streitet ihr beiden eigentlich am häufigsten?” Wenige Sekunden später hat sie das wohl bereut. Auch wenn sie es nicht zugeben will.
Ich schaffe es nämlich ebenfalls nicht, einfach normal zu reden. Ich spreche jeweils mit Händen und Füssen. Besonders bewegende Geschichten spiele ich unter Umständen sogar vor, wenn es die Peinlichkeitsskala erlaubt. Ich singe, ich tanze, ich schneide Grimassen. Es ist actionreiches Erzählen, sage ich euch.
Genau auf diese Muster bin ich zurückgefallen, als sie mich das gefragt hat. Denn so lächerlich meine Antwort auch klingen mag, eine Welt lag darin: “Wir streiten am meisten über seine Unfähigkeit, sich anzugurten.”
Ja, ihr habt schon richtig gelesen. Betrügereien und solche Themen sind nicht wirklich unser Ding. Wir streiten uns lieber über Sachen, die absolut selbstverständlich sein sollten. Das Problem ist aber, dass mein Freund nicht gleicher Meinung ist. Er schafft es einfach nicht, daran zu denken. Ist ja auch wahnsinnig schwierig…Schlechteste Ausrede aller Zeiten.
Es liegt wohl daran, dass er am liebsten quasi liegend Auto fährt. Den absoluten Chill-Out Faktor würde ein Sicherheitsgurt übermässig stören. Stelle ich dieses Verhalten fest, schaue ich ihn zuerst missbilligend an:
Da er diesen Blick konsequent ignoriert, meine ich dann: “Schatz, könntest du dich bitte angurten?”- “Ich fahre gerade.”- “Dann halte an.”- “Kann ich nicht.” Er fährt einfach weiter und fordert das Schicksal heraus. Dann kommt Phase 2:
“Weisst du eigentlich, wie sehr ich dich liebe? Wie leer mein Leben ohne dich wäre?” Ob dieser krassen Romantik wird sogar er stutzig. Das heisst natürlich nicht, dass es nicht stimmen würde. “Könntest du dich nicht wenigstens pour moi angurten? Bitte?” Er starrt auf die Strasse. Als würde das etwas bringen, wenn ein Reh auf die Fahrbahn springen würde. “Schatz, es ist gefährlich.”- “Ach was, es passiert schon nichts!”- “Ah ja? Und was machst du wenn ein Nashorn plötzlich auf die Strasse spaziert?”- “Es wird kein Nashorn kommen.”- “Der Zirkus Knie ist gerade in der Nähe, sei dir nicht so sicher!”
An dieser Stelle ist meine Geduld meist am Ende. Echt, wie können einen solche schlagenden Argumente nicht überzeugen? Was stimmt mit ihm nicht? Er muss einfach lernen, auf mich zu hören. Und wer nicht hören will muss fühlen.
“GURTE DICH AN! SOFORT! ”
Ich würde euch gerne demonstrieren, mit welcher Nashorn-Lautstärke ich diesen Satz schreie, aber das würde euren Computer wahrscheinlich explodieren lassen.
Nach einem erschrockenen und gleichzeitig angsterfüllten Blick (Ich bin mit einer Wahnsinnigen zusammen!) gurtet er sich dann an. Ich habe den Sieg davongetragen. Nächste Etappe: Ihn von Anfang an dazu zu bringen, sich anzugurten. Um seiner Vergesslichkeit entgegenzuhalten habe ich diesen schönen Zettel vorbereitet:
Wer meine Schrift nicht lesen kann: 11. Gebot: Du sollst deiner weisen Freundin nicht widersprechen und dich angurten!
Dieser Zettel wird ab morgen auf seinem Lenkrad kleben. Wer widerspricht schon den neuerdings 11 Geboten? Sonst liest vielleicht ja ein Polizist gerade diesen Blog. Wenn eine Busse nicht der Anfang einer Besserungskur ist!



Das mit den Gesprächen hat was. Ich weiss manchmal nicht mal, ob ein Kollege eine Freundin, Affäre oder sonstiges hat
Hmm. Also ich als Frau würde das mit der Zeit lassen – bringt nix. Solange Du Dich angurtest… es ist sein Leben.
also das find ich ja schon ein bisschen hart. ” sein Leben ”
übrigens gurtet sich mein Vater auch nie an. und als ich das nächste mal mit im ihm auto sass, hab ich die gurt-dich-sofort-an-oder-ich-steig-aus
nummer abgezogen.
er hat sich schliesslich angegurtet