Natalies Lebensweisheiten: Morgendlicher Schock und überschminkte Frauen
Ich war etwa 14, als ich das erste Mal geschminkt in die Schule kam. Als ich durch die Strassen lief, kam es mir so vor, als würden mich alle anstarren. Kaum hatte ich das Klassenzimmer betreten, meinte meine ältere Schulkollegin S. sofort: “Jö, zieht nech das mau nie, s Nati het sich geschminkt! Mega härzig! ” So sehr ich sie auch mochte, in diesem Moment wollte ich ihr einen Klebstreifen quer über den Mund befestigen. Danke für den Hinweis und die ungewollte Aufmerksamkeit. Es war schon schlimm genug, als “es” bezeichnet zu werden.
Mam und Paps waren auch nicht gerade begeistert. Mam sagte zwar dauernd, dass Frauen mit ein bisschen Schminke (namentlich Wimperntusche) immer besser aussehen würden, da dadurch ihre Vorzüge betont werden sollten. Anscheinend war sie bei mir anderer Meinung, denn ihr vernichtender Kommentar lautete: “Liebes, du siehst aus wie ein Waschbär.” Als wären diese aufmunternden Worte nicht genug, kam dann auch noch Paps, in seiner Rolle als Charmebolzen: “Was soll denn diese Kriegsbemalung?” Naja, wenigstens sah ich angsteinflössend und nicht lächerlich aus, denn der Vergleich mit einem Clown wäre wohl auch naheliegend gewesen.
Inzwischen habe ich diese Erinnerungen verarbeitet, obwohl mir Waschbären immer noch suspekt vorkommen. Ich schminke mich meistens, allerdings deutlich dezenter. Im Ausgang darf es regelmässig etwas auffälliger sein, an anderen Tagen mag ich mich gar nicht bemalen, je nach Lust und Laune. Einige sagen, Frauen würden sich hinter ihrer Schminke verstecken. Wenn man das Zeug wegspachteln muss, um überhaupt das Gesicht dahinter erkennen zu können (Kim Kardashian-Style, Horror!), dann kann dies vielleicht in wenigen Fällen zutreffen. Bei den meisten Frauen ist es aber reine Routine und ein Unterstreichen der Dinge, die man betonen möchte, nicht mehr und nicht weniger. Es hat nichts mit Selbstwertproblemen oder einer Maske zu tun.
Dass es aber eine Verfälschung der Wahrheit sein kann, darf ich nicht leugnen. Taucht ausnahmsweise ein Pickel auf, dann schmiert Frau einen Abdeckstift drauf und der Bösewicht ist fast nicht mehr zu erkennen. Kritisch wird die Sache, wenn man die Person als Ganzes ohne Schminke fast nicht mehr erkennt. Dazu hat meine Mitbewohnerin ein wunderbares Bild auf meine Facebook-Seite gepostet:
Ich weiss ja nicht, wie es den anderen weiblichen Leserinnen geht, aber ich würde mir ziemlich blöd vorkommen, wenn mein Freund nach der ersten gemeinsamen Nacht morgens vor Schreck geschrien hätte. Da ich aber auch ungeschminkt Augenbrauen besitze, ist die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios relativ gering. Hurra!
Mit meinem Freund diskutiere ich ebenfalls gerne über dieses Thema. Wann ist es zu viel? Wann ist Natürlichkeit angebracht, wann passen rote Lippen? Um ihn auf den ersten bemalungsfreien Gesichtsauftritt meinerseits vorzubereiten, habe ich damals Schritt für Schritt die Schminke auf das Minimum reduziert, bis schliesslich gar nichts mehr da war. Zittrig hielt ich meinen Ausweis bereit, um meine Identität bei Bedarf nachweisen zu können. Er lächelte nur. “Was soll das bedeuten?”, fragte ich gereizt. “Nichts. Du siehst aus wie ein Engel.”
Und obwohl ich auch Jahre später immer noch nicht ganz daran glauben kann, finde ich es süss, dass er weiterhin behauptet, ich gefalle ihm ungeschminkt besser. Muss wohl an meinen tollen Augenbrauen liegen. Sorry, Mädchen auf dem Bild. Dieser dumme Spruch musste einfach sein.



Zum Glück bin ich keine Frau. . ..
Kriegsbemalung? Das fand ich die beste Aussage aus allen. So etwas habe ich niemals gehört, aber wenn mir jemand das gesagt hätte, hätte das mich gar nicht gestört
Ich liebe Schminke…ohne fühle ich mich nicht so gut…ich habe zwar Lippen und Wimpern und Augenbrauen auch ohne Schminke, aber ein wenig Mascara macht immer Wunder, und da meine Augen so schön blau-grün sind, warum sie nicht mehr betonen?!
Ich finde auch dass Schminke (aber nicht zu viel) die Besonderheiten eines Gesichts betonen kann. Deshalb benutze ich Schminke auch gerne. Es hängt natürlich vom Anlass ab…und natürlich ich finde es toll wenn man mit der Haare und etwas Schminke eine komplett andere Person wird…manchmal ist´s schon was wenn man sich anders fühlt, oder?
So wie die Elena, finde ich auch, dass die Schminke positiv ist im Sinne dass die Besonderheiten des Gesichts dadurch betonen werden können. Natürlich auch in diesem Fall wie in anderen, was zu viel ist kann beschädigen, und anstatt besser aus zu sehen kann man deswegen schlechter aussehen. Man muss auch in diesem Bereich ein wenig Kenntnisse besitzen.
Ich benutze Schminke fast gar nicht. Nur wenn es so eine spezielle Gelegenheit gibt…aber ansonsten, so täglich, nur Mascara und so ein bißchen Lippenstift. Aber ich muss zugeben dass auch Schminke seine Vorteile haben kann.
Wie Nina Simone, benutze ich auch kaum Schminke. Aber ich muss es zugeben, dass Schminke viele Vorteile hat. Man kann das auch aus den Fotos aus deinem Post gut sehen. Naja, zum Glück habe ich niemals niemanden am nächsten Morgen geschockt