Natalie’s Lebensweisheiten: Streiche mit Schrei-Garantie

Ich werde nicht abstreiten, dass Streiche spielen ein bisschen kindisch ist. Ein bisschen ist wohl sogar eher eine Untertreibung- eigentlich sind Streiche Lausbuben und Präpubertierenden vorbehalten, jedenfalls wenn man der allgemeinen Anschauung folgt. Da ich aber überzeugt davon bin, dass man ein glücklicheres und erfüllteres Leben führt, wenn das innere Kind ab und an zum Vorschein kommen darf, werde ich diesen Text nun trotzdem schreiben. Auch wenn dabei die Gefahr besteht, dass diese Geschichte mich später irgendeinmal einholen könnte, wenn ich ein hundertprozentig seriöses Leben zu führen beginne, was sowieso eher unwahrscheinlich ist.

Einen richtigen guten Streich erfolgreich in die Tat umsetzen zu können ist eine Kunst, die in unserer heutigen Gesellschaft zu wenig geschätzt wird. Deswegen pflegen wir diese Kultur in unserem kleinen WG-Paralleluniversum weiter. Vor einigen Wochen hat meine Mitbewohnerin versucht, mich mit einer Plastikspinne zu erschrecken. Um es kurz und schmerzlos für sie zu machen, werde ich die peinlichen Details (u.a. die Tatsache, dass die Spinne in der Mitte meines Computers platziert war) ausblenden und nur sagen, dass ihr Erfolg bescheiden war. Genauer gesagt war ihre Erfolgsquote inexistent, denn ich habe schon von weitem gesehen, dass die Spinne nicht echt sein konnte.

Ein echter Streichmeister lässt sich seine Rachepläne natürlich nicht anmerken. Als sie vor wenigen Tagen nichtsahnend nach Hause kam, hatte ich schon mindestens 4 Exemplare dieser auch nicht sonderlich überzeugenden Fake-Fliege in ihrem Zimmer versteckt: Unter der Decke, auf dem Boden, bei ihren Pyjamas. Ich hatte das schon fast vergessen, als ich ihre panische Stimme während des Telefonierens mit ihrer Mutter hörte. “Mam, ich muss auflegen! Es ist ein riesiger Käfer auf meinem Teppich! Oh mein Gott! Er ist so hässlich!”

Als gute Mitbewohnerin bin ich ihr natürlich sofort zur Hilfe geeilt. Sie hatte schon die Türe zum Balkon aufgerissen und kalkulierte innerlich ihren Fluchtweg, den sie mit dem “Käfer” (der eigentlich eine Fliege war) in einem Nastuch begehen wollte. Als Retterin in der Not hatte ich mein dickstes Buch dabei. “Was hast du mit dem Buch vor? Nati? Nati!!!!” Aber es war schon zu spät. Ich hatte das Buch schon direkt auf das gummige Ungeziefer fallen gelassen. Der Schrei, der darauf folgte, hallte wohl durch den ganzen Block. “MEIN TEPPICH!”

Ab diesem Moment konnte ich mein Lachen nicht mehr unterdrücken. Ich war das personifizierte ROFL (rolling on the floor laughing). Zuerst war sie ungläubig, dann wollte sie mich für einen kurzen Moment umbringen, aber schon kurz darauf musste sie lachen. Denn richtige Streichliebhaber können dem anderen niemals böse sein- vor allem, wenn sie sich die Rache so was von selber eingebrockt haben.

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