Natalies Lebensweisheiten: Von Beziehungen, Autos und Fahrtechnik

Ich gehöre zu der Sorte Mensch die glaubt, dass man das Schicksal nicht herausfordern sollte. Stur davor hinzustehen und ihm den Stinkefinger zu zeigen ist nicht mein Ding. Es wäre so, als würde man auf einem Bahngeleise campen. Als würde man auf Stromleitungen Seiltanzen. Oder als sänge man bei Musicstar (oder wie die Sendungen auch immer heissen) trotz Minnie-Mouse-Stimme vor und würde sich dadurch freiwillig dem Gespött anderer auf ewig aussetzen, was einem sozialen Selbstmord gleichkäme. Wenn mein Leben schon an einem seidenen Faden hängt, dann meide ich alle überdimensionalen Scheren.

Eine solche ist zum Beispiel das rücksichtslose Fahren. Es gibt natürlich verschiedene Stufen des verrückten Fahrens. Meine Messlatte dafür ist tief. Eine Ameise würde dabei wohl sogar beim Limbo versagen. Das liegt wohl daran, dass meine Mam mir schon als Kleinkind beibrachte, wie man mit Rasern umzugehen hat. Rauschte einer an uns vorbei kurbelte sie grinsend das Fenster runter und sagte, ich solle die Zunge herausstrecken. Das muss man einer Mini-Natalie oder irgendeinem Knirps nicht zwei Mal sagen.

Seltsamerweise bin ich nun trotzdem an einen Mann geraten, der damals einer Zungenaktion würdig gewesen wäre. Er ist zwar kein Raser und kann den schweizerischen Verkehrsalltag gut von The Fast and The Furious unterscheiden. Er geniesst seine PS (die er auf Schweizer Autobahnen sowieso nie brauchen darf und daher überflüssig sind) auf eine andere Weise: Mit einem ruckartigen Anfahren und dauerndem Bremsen/Anfahren. Bei einer Freundin, der selbst beim Rückwährtsfahren im Zug schlecht wird, ist das keine gute Idee.

In einer Zeitung habe ich gelesen, dass der gegenseitige Fahrstil einer der primären Gründe für Beziehungsstreit ist. Deshalb versuche ich mich zurückzunehmen, wenn er das Auto haarscharf an etwas vorbeimanövriert. Vor kurzem fuhren wir einige Tage nach Italien. Eine vierstündige Autofahrt stand uns bevor und ich versuchte innerlich all das gute Karma zu sammeln, welches ich hoffentlich im Verlaufe meines noch relativ kurzen Lebens angesammelt hatte. Den Wegbeschrieb hatte ich vorher ausgedruckt, das Streitrisiko war durch den Nichtgebrauch meiner Kartenleser-Fähigkeiten schon deutlich vermindert. Kaum stieg ich ins Auto ein musterte ich ihn aber bereits kritisch.

“ANGURTEN!!!!”, schrie ich. Vielleicht würde dieser befehlshaberische Tonfall Erinnerungen an seine Militärzeit hervorrufen und zu Gehorsam führen. Dann versuchte ich durch reine Gedankenkraft seinen Sessel in eine normale Position zu bringen. Senkrechtes Liegen plus Fahren ist bereits ein Oxymoron. Als es dann losging versuchte ich zu seiner Fahrtechnik zu schweigen. Bei brenzligen Situationen kniff ich einfach die Augen zusammen oder stiess einen leisen Schrei aus. Auf sein “Was isch jetz wider?” lächelte ich nur möglichst unschuldig. Die Fahrt in die Ferien sollte ein guter Vorbote für die bevorstehende gemeinsame Zeit sein. Ziel: Harmonie. Aber vielleicht wäre ein Veloausflug doch besser gewesen.

 

 

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6 Kommentare zu “Natalies Lebensweisheiten: Von Beziehungen, Autos und Fahrtechnik”

  1. Matthias sagt:

    Tanzen auf Stromleitungen ist ungefährlich, solange Du keine andere Leitungen oder den Masten berührst. Bei Betreten der Leitung muss Du springen, da Du nicht gleichzeitig den Masten und die Leitung berühren darfst. . .. ;-) lg.

  2. Stefan sagt:

    Isch aues haub so wild ha ja e Ängu ufem bifahrersitz :-)

    • Natalie sagt:

      Danke für d Korrektur .Stelle mir üs eifach vor d Gfahr wär wäg dr Höchi, das vereifachts:-))
      Und a mi Stefan: I findes super wie du mini Iträg mit Humor nimmsch…Wäge däm liebi di unter anderem;-)

  3. Lilliana sagt:

    Ich habe mit meinem Freund niemals im Auto gestritten…und niemals über Fahrtechnik. Viellecht liebt es daran das er mich das Fahren beigebracht hat. :D

    • Lizbeth sagt:

      :) ) Das finde ich toll. Wenn ich fahre und mein Mann bei der Seite liegt, dann muss er immer mir etwas sagen…etweder fahr ich zu schnell, oder zu langsam, oder ich hab den Ausgang verpasst…oder…oder…oder

  4. Dulce sagt:

    Meine Eltern streiten sich sehr oft wenn sie fahren. Meine Mutter meint mein Vater fährt zu schnell. Und wenn sie den Weg nicht kennen und sie für das erste mal irgendo fahren, dann wird´s wirklich laut.

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