Neuer Wohnort, Neuanfang?

Adieu, Bern. Ich sage das schweren Herzens, denn ich liebe unsere Hauptstadt. Die gemütlichen Bars und Cafés, die verschlungenen Gässchen, der gemächliche Gang der Dinge. Als Solothurnrein hat mich der Charme von Bern nicht mehr losgelassen. Aber jetzt nach dem Studium ziehe ich nach Genf. Das grosse, unübersichtliche, kosmopolitische Genf, das mir zwar auch immer gefallen, aber auch ein bisschen Angst gemacht hat. Ich bin zwar eher Stadt- als Landmensch, aber Solothurn ist eine Kleinstadt, mit Kleinstadtmenschen und Schweizerdeutsch. Obwohl ich Französisch liebe, habe ich Respekt davor. Vor allem vor Slang und der Tatsache, dass es lange gedauert hat, bis ich begriffen habe, das “meuf” die Verlan-Version von “femme” ist. Pourquoi?

Wir sind dieses Wochenende umgezogen. Die Kartons haben sich gestapelt, die Putztücher wirbelten wild umher und es wurden Tränen vergossen. Vor allem, als meine langjährige Freundin und Mitbewohnerin und ich in der leeren, unpersönlichen Wohnung standen, die mit so vielen persönlichen Erinnerungen verbunden ist. Es war für uns beide die erste, eigene Wohnung – und sie hätte nicht besser sein können. Ich bin mit knapp 20 dort eingezogen und nun, fünf Jahre später, hat sich so viel verändert. Wir sind dort quasi erwachsen geworden, jedenfalls erwachsener. Wir haben dort gelernt, gelitten, geliebt. Es ist zwar nur ein Ort, aber die knarzige Treppe und die ringhörigen Wände waren unser zu Hause. Man sollte Emotionen nicht so stark mit Objekten verbinden, aber es geschieht bei mir automatisch. Ich sehe einen Gegenstand und verbinde es mit Erlebnissen. Das Gelächter auf dem Sofa, die Balkonsessions mit Moscato und die Herdplatte mit unseren ersten, nicht ganz so überragenden Kochversuchen. Das Alleinleben klingt so einsam, wenn man sich gewöhnt ist, dass immer jemand da ist. Aber es ist Zeit für einen Neuanfang, wie alle sagen. Neue Stadt, neues Leben, oder jedenfalls ein neuer Lebensabschnitt. Mit letzterem bin ich einverstanden. Es ist eine Art Neuanfang, aber ich hänge an der Vergangenheit. Und die Gegenwart ist weiterhin geprägt von den Menschen, die mich bisher immer begleitet haben. Ein Neuanfang mit Stützrädern, sozusagen.

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