Paps Märchenstunde: Pseudorussisch und das echte Leben
Neulich erschien in der Coopzeitung die Kolumne “Also, Paps.” Meine Eltern und Freunde sind es langsam gewohnt, dass sie ab und zu in einem meiner Texte auftauchen. Wenn ich mich schon regelmässig über mich selbst lustig mache, liegt es wohl auch in meiner Natur, meine Lieblingspersonen ab und zu aufs Korn zu nehmen. Natürlich geschieht dies in aller Liebe, und meistens frage ich auch nach ihrem Einverständnis, bevor ich beispielsweise über ihre ehemaligen Achselhaare schreibe (vgl. Neuste Coopzeitung, mögen die Störgeister in Frieden ruhen). Es kann aber auch passieren, dass ich es vergesse, so wie es bei der Paps-Kolumne geschehen ist. Glücklicherweise ist mein Vater gutmütig und hat sich schon daran gewöhnt, dass er eines meiner Lieblingsthemen ist.
Nachdem ich einige Mails von Freunden und Bekannten unserer Familie erhalten habe beschloss ich, wieder einmal ein Märchen aus dem schier endlosen Repertoire von Paps zu erzählen. Der Inhalt war meistens: “Hey Natalie, musste lachen, als ich deine Kolumne über deinen Vater gelesen habe.” Warum? Weil er wirklich so ist und sie ihn erkannt haben. Damit will ich sagen: Obwohl die Geschichten vielleicht unglaubwürdig erscheinen, sind sie es nicht. Es weilen wirklich solche Charaktere unter uns, und niemand scheint es zu ahnen.
Nun zum eigentlichen Sinn dieses Blogeintrages. Ich habe schon beschrieben, dass Paps ein wunderbarer Verwandlungskünstler ist und es ihm Freude macht, anderen Menschen einen Bären aufzubinden. Vor vielen Jahren hat er seinen inneren Russen entdeckt, den er seither nicht mehr losgeworden ist. Deswegen wohne ich nicht nur mit ihm, sondern auch mit seinem indianischen Alter-Ego “Chief Eagle Eye” und dem Russen zusammen, der eigentlich kein Russisch spricht. Wenn er die Überhand gewinnt, kann es auch vorkommen, dass er zum Telefonhörer greift und einen Bekannten anruft, der oft mit ausländischen Geschäftsmännern zu tun hat.
“Hallo?”, fragt der Arme. Chrabschnibakchikach (Pseudorussisch). “Ähm, wer ist dran?” Unbeirrtes Weiterreden. “Do you speak English?” Paps redet einfach weiter, während sein Ton immer agressiver wird. Sein Opfer wird immer nervöser. “Vous parlez français?” Nein, nur Pseudorussisch. Nachdem dieses Spiel einige Minuten so weiterging und der Bekannte meines Vaters immer gestresster wurde, weil er einen wichtigen Kunden am anderen Ende der Leitung erwartete, wurde er endlich erlöst. Tiefes Ausatmen auf einer Seite, Genugtuung auf der anderen. Damit muss man rechnen, wenn man Paps kennt. Pure Hartnäckigkeit. Klingt fies? Ach was. So ist das Leben. Selber Schuld, wenn man selbst kein Russisch spricht.
