Reisebericht: Von Walen und Pech

Eines vorweg: Ich reise nicht sonderlich gerne. Ich wollte zwar als Kind immer Astronautin werden, aber dieser Traum hat sich sehr schnell in Luft aufgelöst als ich gemerkt habe, dass ich nicht einmal rückwärts Zug fahren kann. Auf einem Boot fühle ich immer die Versuchung, “Haie! Haie! Zurück an Land!” zu schreien, auch wenn wir auf dem Thunersee friedlich dahinschippern und es dort keine Haie gibt. Ich würde sogar liebend gerne einen Business-Sitzplatz  mit einem Economy-Sitzplatz tauschen, damit ich wenigstens nicht Po voran in die Luft gehoben werde. Nicht, dass ich jemals Business geflogen wäre, aber rückwärts fliegen wäre wohl so etwas wie mein grösster Alptraum.

Umso schlimmer war es also für mich, als unsere diesjährige USA-Reise eine Katastrophe war. Ich würde mich selbst zwar als gesitteten und eloquenten Menschen beschreiben, aber manchmal gibt es einfach nur ein Wort, welches eine Situation passend beschreibt. Ich könnte sagen: Der Verlauf der Reise war unglücklich. Ich könnte das Wort anstrengend wählen, oder ich könnte einfach schreiben: Es war Pech. Aber wisst ihr was? Das wäre nicht passend. Es gibt nur ein Wort, welches diese Reise beschreibt, und wenn ich es schon nicht gebrauchen werde, dann füttere ich euer Gehirn wenigstens mit einem Bild davon:

Warum? Weil einfach alles schief ging. Als ich mit überragenden 4 Stunden Schlaf halbtot am Flughafen ankam, wurden wir über die zweistündige Verspätung unseres sonst schon neunstündigen Fluges informiert. Als wir endlich landeten, durften wir das Flugzeug nicht verlassen, weil es draussen stürmte und wir von einem Blitz hätten getroffen werden können. Also sassen wir stundenlang unnütz in einem stillstehenden Flugzeug. Natürlich verpassten wir in Washington den Anschlussflug nach Minnesota, welchen wir sowieso nicht hätten nehmen können, da der ganze Flughafen wegen Unwetter geschlossen war. Ich schlief wenige Stunden neben einem Menschen, der solche Geräusche machte, bis ich dann um 5 Uhr aus dem Bett rollte, um den Flug nach Minnesota zu erwischen:

http://www.youtube.com/watch?v=Wohe0bpD6Zs

Aber das war noch nicht genug. Nein, beim Rückflug machten wir noch einen kurzen Stopp in Washington, damit ich auch einmal diese schöne Stadt bewundern kann. Leider wurde unser Flug dahin abgesagt, weswegen wir zuerst von Minnesota nach Chicago fliegen mussten, natürlich auch mit vielen Stunden Verspätung. Schliesslich kamen wir anstatt am frühen Nachmittag spätnachts in Washington an. Ich war not amused. Als ich dann noch meinen Koffer sah, welcher plötzlich total zerrissen und nicht mehr zu gebrauchen war, hatte ich wirklich die Nase voll. Ich bekam zwar einen neuen Koffer, musste aber mein ganzes Hab und Gut (welches ich mit Mühe in den Koffer gestopft hatte) umpacken. Endlich sah ich das wunderbare Gefährt, welches uns zu unserem Hotel lotsen sollte. Freiheit! Atmen! Doch irgendwie muss das Schicksal mich auf dem Kieker haben, denn neben mir setzte sich eine junge Dame, welche in etwa so aussah:

Unterschiede: Sie lachte nicht, sie war leider kein lebendiger Springbrunnen und war ausserdem sehr unfreundlich (weswegen ich sie auch als Wal bezeichnen darf, fiese Menschen haben auf diesem Blog hier weniger Rechte). Sie nahm nicht nur ihren, sondern auch die Hälfte meines Sitzes in Anspruch. Während also meine linke Körperhälfte in der Luft schwebte und meine Backe gegen das Fenster gedrückt wurde, dachte ich an das Wort, welches ich hier nicht aussprechen werde. Im Grossen und Ganzen waren die Ferien natürlich wunderbar. Nicht alles kann am Schnürchen laufen. Es gibt einfach Tage, an denen gar nichts so läuft, wie es eigentlich sollte. Für solche Fälle gibt es Schimpfwörter.

Jetzt noch zu euch: Schreibt mir doch einen Kommentar und erzählt mir, wann ihr einen solchen Tag hattet, den man nur als “pechalicious” bezeichnen kann. Ich freue mich auf eure Geschichten! Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Ähnliche Beiträge

Tags: , , , , , , , ,


3 Kommentare zu “Reisebericht: Von Walen und Pech”

  1. Luke sagt:

    Wow, was für ein Pechstag… Mein solcher Tag liegt gar nicht so weit zurück. Als ich am 13. Juli dieses Jahres nach Seattle flog um meinen Roadtrip quer durch die USA zu starten, lief so ziemlich alles drunter und drüber.

    Bei der Sicherheitskontrolle piepte der Metalldetektor als ich durchlief und musste deshalb im “Kämmerchen” eine private Stripshow für ein Officer hinlegen ;)
    Als im klar wurde, dass ich weder ein Terrorist noch ein schiesswütiger Tourist bin und somit keine Waffen oder Sprengsätze auf mir trage, konnte ich gehen. Mein Rucksack schaffte es leider auch nicht durch die Gepäckkontrolle ohne ausseinander genommen zu werden (ich Trottel verstaute darin meine Sonnencréme).
    So, endlich geschafft… Denkste!
    Als ich das Flugzeug betretten wollte, war mein Ticket ungültig. WTF! Am liebsten hätte ich alles kurz und klein schlagen könnnen. Gut. Warten. Nach einer Weile überreichte die unfreundliche Angestellte mir ein neues Ticket, jedoch mit einer neuen Sitzplatznummer. Schade daran ist, dass ich dadurch nicht neben meinem Kollegen sitzen konnte. Egal, vielleicht ist das ja genau gut, dann können wir beide im Flugzeug schlafen. Schon wieder falsch gedacht.
    Rechts UND links von mir sassen beides Mütter mit ihren Neugeborenen *aaaaah*
    Wenn der Kleine links nicht schrie, dann übernahm der Kleine rechts diese Aufgabe und umgekehrt. Zwischendurch schrien auch beide im Duett. Horror. Ich glaube, dass mit der eigenen Familie lass ich bleiben.

    Und so kam ich nach mehreren Stunden Gekreische gerädert in Seattle an…

  2. Natalie sagt:

    Das “Wow, was für ein Pechstag!” kann ich nur zurückgeben. Ein seltsamer Zufall, dass es auch bei dir mit einer Reise in die USA zusammenhängt…:-) DIe Sicherheitsvorkehrungen sind wirklich mühsam. Leider sind sie anscheinend auch nötig. Meine Mutter erinnert sich immer wehmütig an die Zeiten vor dem 11. September, als alles noch viel einfacher war.

    Meine Hände wurden übrigens auch schon dem Schiesspulver-Test unterzogen und als ich in ein Einkaufszentrum gehen wollte und meine Tasche gescannt wurde, hiess es plötzlich: “Sie haben einen Schraubenzieher in der Tasche!” Antwort: “Nein, habe ich nicht.” – “Doch.”- “Nein.”-”Was könnte es dann sein?” Schlussendlich stellte sich heraus, dass der vermeintliche Schraubenzieher einfach eine stinknormale Haarbürste war.

    Und das mit der Sonnencrème kenne ich auch! Das mit dem Ticket musste ein riesiger Schock gewesen sein, aber glücklicherweise hat es ja dann doch geklappt. Während du dich ab schreienden Babies genervt hast, sass ich hinter einem Rattenhund, der die ganze Zeit bellte. Habe ich vergessen zu erwähnen. Aber bei so viel Pech kann man auch Mal den Überblick verlieren.:-)

  3. Luke sagt:

    Geteiltes Leid ist halbes Leid ;) stimmt zwar nicht wirklich, aber wir können darüber lachen (IM NACHHINEIN)

Einen Kommentar schreiben