Sich verbessern und Lektionen, die das Leben schreibt.

Meine etwas längere Abwesenheit hat seinen Grund. Nachdem ich glücklich mein Master-Diplom letzten Sommer entgegen genommen hat, war es anscheinend noch nicht genug. Nein, ich merkte ziemlich schnell, dass das klassische Anwalts-Dasein wohl doch nichts für mich sein würde. Scheidungen und Erbschaften haben mich leider nicht wirklich gepackt, deswegen bin ich inzwischen in Genf und habe dort einen etwas anderen Weg eingeschlagen. Stimmt so für mich, aber trotzdem muss ich sagen: Wie kann es sein, dass ich nach meiner doch schon relativ langen akademischen Karriere so wenig dazugelernt habe?

Natürlich meine ich weniger den Inhalt, den mein Gehirn wird ständig mit Informationen gefüttert. Die Chance zu haben, weiterzulernen und ständig zu wachsen, schätze ich durchaus. Allerdings habe ich es nach all diesen Jahren immer noch nicht geschafft, einen anständigen und realistischen Lernplan aufzustellen. Ich fange immer zu spät an, lerne dann immer zu detailliert und rege mich dann immer entsprechend auf, weil die endgültige Fragestellung an der Prüfung meistens genau das ist, welches ich übersprungen habe. Über das Resultat kann ich mich selten beklagen, aber schliesslich ist eine gute Note ja schön und gut, aber das Wissen sollte auch nach einer Woche noch abrufbar sein. Tolles Kurzzeit-Gedächtnis hin oder her, im Arbeitsleben will ich keine Nachtsessionen schieben müssen. Wie kann es also sein, dass wir in manchen Bereichen so lern-resistent sind?

Das Bild eines echten homo sapiens geht mir einfach nicht aus dem Kopf. Ich stelle mir den Prozess folgendermassen vor: Mensch macht Fehler. Mensch lernt daraus, da lernfähig und selbstreflektierend. Mensch macht entsprechend nicht mehr den gleichen Fehler. Doch bei der Umsetzung hapert es bei mir gewaltig. Ich realisiere zwar, dass ich das nicht so machen sollte, aber ich mache frischfröhlich weiter. Why? Habe ich eine fehlende Neuronen-Verbindung oder bin ich einfach resistent? Bei anderen gibt es aber ähnliche Verläufe, die gleich internalisiert sind. Freundinnen, die immer wieder den gleichen Typ Mann daten, der sie einfach schlecht behandelt. Andere, die glauben, sie hätten sich verändert, aber danach das genau gleiche Verhalten an den Tag legen. Sicher sind wir lernfähig, aber das Ganze fängt mit der Einsicht an. Einsicht alleine genügt allerdings nicht, denn es braucht einen Schlachtplan, um das Problem wirklich anzugehen. Und es braucht einen Willen und die nötige Energie, dem schädlichen Verhalten ins Gesicht zu blicken. Ich gebe mein Bild über den homo sapiens nicht auf. Es wird dann schon irgendwann besser. Spätestens dann, wenn ich nicht mehr studiere und den zweiten Master-Titel im Sack habe. Von Problemen wegrennen: Kann ich.

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