Take it or leave it?

Es gibt Sätze, die können nicht 1:1 übersetzt werden, ohne etwas zu verlieren. Sie beschreiben eine Situation innerhalb von wenigen Worten, lösen einen inneren Aha-Moment aus oder sind einfach nur treffsicher. So geht es mir mit dem Satz: “Take it or leave it”. Nimm es (an), oder lass es (sein) – hat auch was, aber der Rotzgören-Effekt bleibt etwas aus, was in gewissen Situation durchaus etwas Positives hat.

Heute will ich über das Thema Verändern schreiben. Nicht im Sinne einer Bauarbeit an sich selbst, die wir alle laufend unternehmen sollten, denn niemand will stehen bleiben. Es geht mir eher darum, ob es wünschens- oder erstrebenswert sein sollte, jemand anderen zu verändern, sei das nun in der Freundschaft oder bei einem (potentiellen) Partner. Soll man den anderen so annehmen, wie er nun einmal ist? Oder ist es ganz normal, wenn man gewisse Charaktereigenschaften trimmen will? Und wenn ja: Dürfen das auch fundamentale Dinge sein oder nur schlechte Angewohnheiten?

Den anderen als Projekt zu betrachten, ist ziemlich sicher nicht der Weg zum Glück. Früher schien alles ein bisschen einfacher zu sein. In der ersten Beziehung waren beide noch etwas formbarer; es war ein Geben und Nehmen mit ganz viel Lernen. Beide veränderten sich im Verlaufe der Jahre, bis dieser Moment kam, an dem man sich fragen musste: Passen wir noch zusammen? Oder sind wir ganz andere Menschen geworden, mit anderen Mindsets? Vielleicht spreche ich hier eher aus eigenen Erfahrungen, aber ich habe inzwischen den Eindruck, dass diese Formbarkeit abhanden gekommen ist, jedenfalls bis zu einem gewissen Grad.

Ich weiss inzwischen, was meine Stärken und Schwächen sind, wo Kompromissbereitschaft möglich sein wird und wo es für mich nicht in Frage kommt. Man kennt sich selbst besser und weiss eher, was passt und was nicht. Es gibt gewisse Eigenschaften oder Ansichten, die einfach nicht in meine Welt passen. Was, wenn vieles stimmt, aber eben doch nicht alles? Wenn es Banalitäten sind, kein Problem. Aber was passiert, wenn es Grundlegenderes betrifft, z.B. ob die andere Person dauernd locker Sachen verspricht, sie dann aber nicht einhält, oder die Wahrheit immer etwas zurechtbiegt? Vieles führt auf die Kindheit zurück, wie jemand erzogen wurde, was er in vergangenen Beziehungen erlebt hat, usw. Ich bin ungeduldig, zum Beispiel, und obwohl ich daran arbeite werde ich nie ein Engel der Geduld sein, realistisch betrachtet. Nicht jede Eigenschaft passt klar ins Raster “gut/schlecht”. Meine Präferenzen diktieren nicht, was moralisch akzeptierbar ist oder was nicht. Wenn es also solche Reibungsflächen gibt, die langsam wirklich schmerzen: Gehen oder bleiben? Ist es möglich, jemand anderen genau so anzunehmen, wie er ist und das Gleiche von dem Gegenüber zu verlangen? Idealerweise wäre die Antwort ja. Aber manchmal klopft Realität an die Tür. Und ihr wisst ja, ich bin ungeduldig.

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