Vom Single-Sein.

In den letzten 10 Jahren war ich 8 Jahre in einer Beziehung. Um genau zu sein, waren es mehrere. Sie waren wunderbar, aber es hat aus verschiedenen Gründen einfach nicht geklappt oder nicht gepasst. Es gab Pausen, aber nicht wirklich. Eine Pause verdient nur dann wirklich diesen Namen, wenn eine gewisse emotionale Distanz besteht, aber weniger, wenn der Kopf noch mittendrin ist. Abstand ist vielleicht passender, aber der ist oft nur körperlich, nicht gedanklich. Sprich: Es ist schon echt lange her, dass ich eine längere Zeit Single war. Und ich finde es genial.

Die bemitleidenden Blicke, die man manchmal erhält, wenn man sagt, man habe keinen Partner, bringen mich zum Schmunzeln. Sozialer Druck lässt mich sowieso kalt, erst recht, wenn er vom Typ Mensch “Bettina aus Wohnung XY mit ihrem Freund Patrick, der dauernd raucht und Videogames spielt” kommt. Jeder soll das machen, was ihn glücklich macht – aber ein 0815 Mann, der zu anderen perfekt passt, ist nichts für mich. Nicht, dass damit etwas nicht stimmt – diese Partner sind sicher toll, aber für andere. Ohne respektlos sein zu wollen, würde auf viele Freunde aus meinem Bekanntenkreis diese Beschreibung gut passen: Netter Kerl, der gerne Fussball spielt, sich nur am Rande für das Weltgeschehen interessiert (vor allem dann, wenn es ihn selbst betrifft), gerne zockt (wie der Freund unserer fiktionalen Bettina), seine Stammbeiz hat, am Wochenende mit Kollegen eins trinken geht und dann am Montag glücklich seufzend eine Woche anfängt, die genau gleich aussieht, wie die vorherige. Non, merci. Ich bin natürlich selbst nicht perfekt, aber idealweise hätte ich gerne jemanden, der in meinen Augen spannend ist. Kein Abklatsch meines eigenen Charakters und meiner persönlichen Vorlieben, sondern jemand mit einem schelmisch-schlauen Humor, der Abwechslung liebt, mehr als eine Sprache spricht, so viel wie möglich reist, gerne liest, emotional und auch sonst intelligent ist, Sport macht aber auch Mal eine Pizza verdrückt und sich bei Wein besser auskennt, als ich es tue. Alles zusammen wäre natürlich ideal, aber das Idealbild und die Realität müssen und sollen nicht deckungsgleich sein. Kurz gesagt: Ich hätte gerne jemanden, der mich glücklich macht, aber mein Interesse aufrecht zu erhalten vermag und mich auch gut findet. Nur will ich den nicht jetzt.

Ich habe nämlich als Single viel zu viel Spass. Alleine zu schlafen ist echt friedlich, sorry. Keine Rechtfertigungen und Erwartungen. Niemand, der versucht, mich zum WM gucken zu nötigen. Stattdessen verschiedene Charaktere, die so unterschiedlich sind wie meine Launen. Wenn man keine Konstante will, schätzt man Abwechslung. A, mit dem man schön essen gehen kann, der aber nicht den nötigen Humor hat. C, der zwar witzig ist, aber nicht die nötige Tiefe hat. D, mit dem man im Park spörteln kann, aber ein Chicken Nugget niemals berühren würde. S, mit dem Party machen echt Spass macht, der aber ein bisschen zu viel feiert. Jeder hat seine Vorteile, aber keiner passt so wirklich und genau das stimmt so für mich. Ich wäre im Moment auch keine gute Partnerin, denn mein Dasein als sozialer Schmetterling gefällt mir sehr. Ich verbringe viel Zeit mit Freundinnen, plane Spontan-Trips und lese endlich das Buch, welches seit Monaten auf meinem Regal Staub ansammelt. T, der interessant ist, aber leider bereits eine Familie gründen möchte. Win-Win, wenn man die begrenzte Zeit zusammen geniesst, aber sich bewusst ist, dass es begrenzt ist.

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