Von Morgenmenschen und solchen, die es gerne wären

Ich beneide Morgenmenschen. Neid ist ja bekanntlich nicht allzu gut fürs Karma, aber ich kann mir nicht helfen. Sie stellen für mich so eine Art suboptimierte Version des homo sapiens dar, der eben nicht nur ab 13:00 weise ist, sondern eben schon vorher, qua Gehirnfunktion. Bei mir ist es eben so, dass mein Verstand morgens im Standby-Modus ist und der Schalter klemmt. Ich würde mich zwar nicht als Morgenmuffel bezeichnen, weil ich eigentlich meistens gutgelaunt bin, selbst wenn ich früh aus den Federn muss. Ich kann mich morgens auch gar nicht wirklich aufregen, weil meine Aufnahmefähigkeit auf ein Minimum zurückgeschraubt ist. Wenigstens ein positiver Aspekt, oder?

Letzten Freitag habe ich wieder einmal gemerkt, dass es für mein Problem keine effektive Lösung gibt. Viel Schlaf? Spielt eigentlich kaum eine Rolle, ob 6 oder 9 Stunden – ich fühle mich morgens sowieso nicht fit. Frische Luft? Wunderbar, aber mein Kopf ist nach wie vor wie in Watte verpackt. Obwohl ich es in der Vergangenheit immer wieder (erfolglos, selbstverständlich) versucht hatte, gab ich mir an diesem Morgen einen Ruck und ging ins Fitness. Gruppenkurs, irgendwas mit imaginären Bällen und Sonnenkriegern plus potentiellen Zehenkrämpfen, weil die ruhende Position der Schneidersitz war. Ich bevorzuge normalerweise eher Rampensau-Sport, wo ich richtig schwitze. Aber ich dachte mir, dass so etwas für mich als Nachtmensch geeigneter wäre, weil die Verletzungsgefahr minimiert wird. Das mag zwar wahr sein, aber ich fühlte mich wie unter Wasser: Schwerfällig, gegen Wogen der Müdigkeit ankämpfend. Im Prinzip so, wie ich mich fühle, wenn ich am Morgen früh Uni habe und ich hinter dem Bildschirm versuche ein Power-Nap einzuschieben, ohne dass der Professor es merkt.

Ab 10:00 fühle ich mich nämlich erst langsam wie mich selbst, mein Aufwachprozess dauert etwa 2 Stunden. Dann kommt das obligate Tief nach dem Mittagessen und dann fahre ich langsam zu Hochtouren auf. Der Peak ist dann meistens etwa um 22:00 erreicht, wenn andere ins Bett gehen wollen und ich am liebsten auf dem Bett herumhüpfen würde, damit die anderen nicht einschlafen. Die ideale Zeit, um über Gott und die Welt zu philosophieren, finde ich. Die Dunkelheit ist bekanntermassen kreativitätsfördernd, jedenfalls gemäss meinen eigenen empirischen Studien mit dem Studienobjekt “Moi”. Oder vielleicht stimmt einfach etwas mit meiner inneren Uhr nicht.

 

 

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