Warum das Lesefutter ausbleibt
Auf den ersten Blick sieht dieser Roman nicht sonderlich überragend aus. Der Einband ist unspektakulär, der Autor nur wenigen bekannt. Doch schon der Titel erweckt Erwartungen und Verwirrung: Was ist ein Mann ohne Eigenschaften?
Der Schein trügt. Dieser Band enthält die ersten beiden Teile des Romans, gefolgt vom dritten Teil, der jedoch nie fertiggestellt wurde, und deshalb eine Konstruktion der Kenner von Musiks Werken und Notizen ist. Über 2000 Seiten und eine sehr kleine Schrift, gepaart mit der gleichzeitigen Lektüre von zwei anderen Romanen, haben dazu geführt, dass ich seit längerem keinen literarischen Eintrag mehr gemacht habe.
Der Roman handelt nicht nur von einem aussergewöhnlichen, und zeitgleich doch sehr gewöhnlichem Menschen, der sich vom eigenen Leben zu distanzieren erhofft und den Sinn des Lebens sucht. Von den etlichen Autoren, die ich studiert und gelesen habe, gehört Musils Schreibstil zu meinen Favoriten. Die Sätze sind oft lang und komplex konstruiert, doch wenn man sorgfältig liest, kann niemanden die Schönheit und Originalität dieser Ausdrucksweise verborgen bleiben. Viel mehr will und kann ich noch nicht sagen, da ich erst gut einen Zehntel vom “Mann ohne Eigenschaften” bewältigt habe. Weitere Posts über die Lektüre werden folgen!
Aber was haben sie eigentlich gesagt? Kein Mensch weiß es. Sie selbst haben es niemals ganz in einem gewußt. Sie sind wie ein Feld, über dem die Bienen fliegen; zugleich sind sie selbst ein Hin- und Herfliegen [...]. Es ist unmöglich, den Gedanken eines Buchs aus der Seite zu lösen, die ihn umgibt (Protagonist Ulrich spricht über grosse Schriftsteller) (114., 574).

