Warum Single sein kein Handicap ist. Ein Plädoyer.

Ein Plädoyer soll es sein, oder jedenfalls so etwas in der Art. Die Mitt-Zwanziger sind eine tolle Zeit. Viele Fragen scheinen endlich beantwortet zu sein, man kennt sich selbst und weiss (mehr oder weniger) was man im Leben will, die Welt steht einem aber immer noch offen. Es ist aber auch eine Zeit, in der viele Entscheidungen getroffen werden müssen und Wege sich trennen können, wenn es einfach nicht ganz reicht, um zusammen die Lebensreise anzutreten.

Von den letzten 10 Jahren habe ich 8 Jahre in Beziehungen verbracht. Sie waren wundervoll, frustrierend und lehrreich. Ich würde nichts anders machen, aber trotzdem kann ich jetzt voller Überzeugung sagen: Ich brauche Zeit für mich, und zwar für mich alleine. Casual Dates? Kein Problem. Neue Leute kennenlernen? Gerne. Aber wer niemanden sucht, der will auch keinen finden. Man kann es nennen, wie man will: Sich verschliessen, der Zukunft Steine in den Weg legen (die man selbst gesucht hat, btw), das Alleinsein feiern. Aber anscheinend ist das erstaunlich, denn immer wieder begegne ich solchen, die mich für das Single-Sein bemitleiden. Aber wieso eigentlich?

Die meisten in meinem Alter haben eine lange Beziehung oder mehrere solche hinter sich oder stecken mitten in einer solchen drin. Je näher 30 rückt, desto eher fängt sich mein Freundeskreis an zu fragen, wie es denn weitergehen soll – und die Entscheidung scheint sich auf zwei Optionen zu verengen: Entweder geht es ans Eingemachte (gemeinsame Wohnung; Verlobung) oder es nähert sich dem Ende, weil etwas einfach fehlt. Vor allem Letzteres ist symptomatisch für diejenigen, die hohe bzw. viele Anforderungen haben. Das heisst natürlich nicht, dass das besser ist – aber als überzeugter Single muss ich der Tatsache ins Auge sehen, das sehr viel stimmen muss, damit ich meine Meinung ändere. Kompromissbereitschaft ja, aber nur bis zu einem gewissen Grad. Wer sich mit jemandem zufriedengibt, der nett und witzig ist, wird vielleicht schneller fündig. Ich bin kompliziert, aber ich kann nicht viel daran ändern. Wer sich überhaupt nicht für Literatur oder Politik interessiert, sich noch nie sozial engagiert hat und keinen leicht verkorksten Humor hat, passt nicht. Erfahrungen haben das gezeigt und schliesslich wollen wir alle nur das Eine: Glücklich sein. Für einige scheint es unvorstellbar, dass man absolut freiwillig alleine ist und total glücklich sein kann. Es ist temporär, aber keine temporäre Lösung. Denn für eine Lösung braucht es zuerst ein Problem, und Single sein ist meiner Meinung nach kein Handicap, sondern oft Selbstbestimmung. Ich gehe mit Freundinnen aus, gönne mir öfters etwas, das ich vorher vielleicht gemacht hätte und habe Dates, die manchmal einmalig bleiben, weil ich einfach keine Konstante will. Jeder soll seine eigene Freiheit so definieren, wie es für ihn stimmt. Und wer eine Zeit lang ein sozialer Schmetterling sein will, sollte die Flügel ausbreiten dürfen.

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