Wohnungsvorstellungen: Zuckerwatte versus Höhle

Der Monat Februar ist offiziell der letzte Monat, in dem ich zu Hause bei meinen Eltern wohne. Ab März zieht es mich in eine neue Stadt und in einen anderen Kanton. Meine Freundin Vanessa und ich werden “Roomies” (ich werde dieses Wort nie mehr gebrauchen, weil es irgendwie idiotisch klingt, aber ich wollte es einfach einmal geschrieben haben).

Deswegen haben wir in den letzten Wochen einen gehörigen Teil unserer Freizeit in Möbelhäusern verbracht. Ein neues Menschenhabitat bewohnbar zu machen ist gar nicht so simpel, wie ich es mir vorgestellt habe. Allerdings hatte ich mir wenigstens die Suche nach der passenden Einrichtung harmonisch ausgemalt. Vani und ich teilen den gleichen Geschmack. Mein Freund begleitete uns ab und zu. So fing die Geschichte über Zuckerwatte versus Höhle an.

Was ist falsch daran, in jungen Jahren eine Wohnung zu haben, die nicht komplett in Erdtönen gestaltet ist? Dafür bleibt uns ein nicht unbeträchtlicher Anteil unseres Lebens. Wenn wir noch damit davonkommen können, ein weinrotes Sofa und ein violettes Bad zu haben, dann werden wir das auch tun! Es geht auch nur um einige wenige Farbtupfer, der Rest ist neutral und einheitlich. Mein Freund hat aber die irrige Annahme, dass unsere Einrichtung ein bestimmtes Vorbild hat:

 

Er nannte unseren Geschmack “rosa und fluffig”. Und das, obwohl wir nicht einen einzigen pinken Gegenstand gekauft haben und mein Zimmer schwarz, weiss und blau sein wird. Das Zimmer meiner Freundin blende ich aus, sonst verlieren meine Argumente an Überzeugungskraft.

Der Grund für diesen Titel liegt auf der Hand: Rache. Rache dafür, dass wir fast jeden Möbelvorschlag, den er uns gemacht hat, nicht befolgt haben. Wieso? Weil seine Vorstellungen das hier als Vorbild haben:

Alles, was mich an Höhlenmenschen erinnert, scheint ihm zu gefallen. Wir liefen an einer Küche vorbei, bei der an irgendwelchen Stellen scheinbar wahllos kantige Steine aus der Wand herausragten. “Das nenne ich eine schöne Küche!” Vani und ich tauschten einen Blick aus, der Bände sprach. “So richtig rustikal und klassisch,” setzte er noch obendrauf. Meinen Hinweis, dass ich ihm in Solothurn-Stadt gratis ein Stück einer alten Römermauer zeigen könnte, fand er nicht so witzig.

Bei der Suche nach einem Sofa ging es auf die gleiche Art weiter. Kaum sah er eines, welches mit einem opa-mässigen tweedähnlichen Stoff in undefinierbaren Oliv-Grau-Schimmelfarben überzogen war, lächelte er entzückt. “Das wäre doch was!” Der nächste Schritt wäre ein Steinsofa gewesen mit moosähnlichen Stofffetzen. Dabei würde niemand beim Anblick meines Freundes denken, dass ihm so etwas gefallen könnte. Ich frage mich, ob es noch viele dunkle Geheimnisse gibt, die ich von ihm nicht kenne.

Offensichtlich sind unsere Geschmäcker verschieden. Während wir also glücklich auf unserem kuscheligen weinroten Sofa Zuckerwatte naschen werden, kann er zufrieden in seiner spartanisch-rustikalen Wohnung an einer Lammkeule nagen. Vielleicht sollte ich ihm Erlebnisferien in einer Höhle schenken. Würde er uns dann mit ins Disneyland nehmen?

Unterschiede ziehen sich an. Und Liebe kennt keine tweedbezogenen Grenzmauern.

 

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6 Kommentare zu “Wohnungsvorstellungen: Zuckerwatte versus Höhle”

  1. roman meister sagt:

    Ich – und – meine – la – li – lu – wunder -Bare – Konsumwelt. Ach guck mal! Hellgrün! Oder Türkis! Und sprechen kann es auch!

  2. Nina sagt:

    Roman Meister und sein fi-fa-fehlendes Leben, wenn er solche Kommentare hinterlassen muss…Ich finde den Eintrag durchaus unterhaltsam. Jeder hat Möbel zu Hause. Das hat wenig bis nichts mit Konsum zu tun, sondern um einen bewohnbaren Lebensort.

  3. thomas sagt:

    Na, ich hoffe dein Freund wird mal noch Farbe bekennen! Ich glaube er ist von den Winterfarben geschädigt. Warte ab im Frühling ändert es wieder. Farbe gehört nun mal ins Leben. Auch wenn unsere Wohnung auch viele “natürliche ” Farben hat, braucht es immer wider dekorative Farbtupfer, sonst wirds langweilig. Und der Tag wird hoffentlich kommen, wo er nicht mehr alleine in seiner eintönigen Höhle leben will, sondern seine farbige Prinzessin zu sich einlädt. Auch in der Ehe braucht es immer wieder eine farbliche Auffrischung. Was Du ihm auch noch unter die Nase reiben kannst: eine farbige Höhle schreckt ungeliebten Besuch (Wölfe, Bären etc.) ab. Viel Spass beim Einrichten!

  4. Sabine sagt:

    Hey, rosa hat aber die positive Eigenschaft, daß es das Gemüt beruhigt. :)
    Muß ja nicht gleich Barbie-Zimmer sein. Ich hab mir auf jeden Fall auch ein weinrotes Sofa geholt, siehe hier: http://www.mein-ausstellungsstueck.de/Esszimmer/ und dazu einen Roten Tisch und rote Stühle. Das passt super zum ansonsten weißen Raum. Ich finde auch, solange man einen Raum in sich stimmig gestaltet, ist das voll ok.

  5. spiegel sagt:

    Ich finde das alles rote sehr viel wärme bringt und immer gut passt:-)

  6. Sophia sagt:

    Tja über den Geschmack lässt sich ja normalerweise nicht streiten. Aber ein bisschen Farbe und ”Disneyland” schadet auch nicht :) ) :) ) :) )

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