Zurück in die Kindheit.

Als ich 16 war, konnte ich es kaum erwarten, 20 zu werden. Als ich 20 wurde, hielt ich 25 für einen Meilenstein zum Status eines hochoffiziellen, extra-erwachsenen Erwachsenen. Und nun, mit über 25, will ich irgendwie so bleiben. Denn langsam multiplizieren sich Freunde, heiraten oder ziehen mit ihrer manchmal besseren, manchmal weniger guten Hälfte zusammen. Ich bin noch nicht so weit, Hilfe.

Jeder soll natürlich das tun oder lassen, was ihm zusagt. Diese leicht dramatische Einleitung soll aber eigentlich einem anderen Zweck dienen: Dem Erinnern an die Kindheit, wo alles so viel simpler war, ausser wenn man unter der Decke versucht hat, Gameboy zu spielen und danach erwischt wurde. Samstags war ich zu Besuch bei einer guten Freundin in Bern. Sonntag Morgen realisierten wir dann, das beim”Adulting” definitiv noch Luft nach oben bleibt. Sie zuckte entschuldigend die Hände, als wir in ihren leeren Kühlschrank starrten. “Ich habe nur Fruchtzwerge”, meinte sie dann lachend. Und eine Welle der Erinnerungen schwappte über uns, denn Fruchtzwerge sind so was von Kindheit. Eins kann ich euch sagen: Sie sind viel schneller leer und kleiner, als sie damals erschienen.

Ab und zu denke ich noch darüber nach, dass wir wohl die letzte Generation sind, die in den Neunzigern ohne Handy aufgewachsen ist. Um ganz ehrlich zu sein, bin ich darüber echt glücklich. Wir spielten im Garten, bauten Hütten aus Holz und “Höhlen” aus Wolldecken im Wohnzimmer, wenn es zu kalt war. Im Restaurant gab es noch diese papiernen Untergedecke zum Ausmalen und die Kellner brachten die farbigen Stifte, die bereits von unzähligen anderen gelangweilten Kindern vor mir gebraucht wurden. Mario Kart war das Highlight, aber ich durfte keine Playstation haben – wieder etwas, für das ich dankbar bin, denn dafür hatte ich nach 5 Jahren Primarschule die ganze (wenn auch überschaubare) Schulbibliothek durchgelesen, von Pünktchen und Anton bis Sachbücher über das Weltall. Paps liess sich von mir schminken und meine Mam liess ihre Haare von mir verunstalten.

Aber das Ganze geschah ohne Online-Präsenz, ohne Facebook im Alter von 10 Jahren und ohne fiese Kommentare online, die deutlich weniger Mut erfordern und nicht so schnell überhört werden. Ich klinge vielleicht sehr nostalgisch, aber das liegt daran, weil es auch bin. Denn wenn ich heute Kinder sehe, haben viele mit 8 bereits ein Smartphone und können ihren Blick kaum davon lösen. Es ist erschreckend, aber ein Abbild unserer Zeit, in der Interaktion und Gespräche vielen leichter fallen, wenn sie durch eine Tastatur geschehen. Ein bisschen ironisch, das ich das gerade schreibe, während ich blogge. Aber trotzdem: Nichts kann einen echten, atmenden Moment ersetzen – oder Fruchtzwerge.

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